Inhalt
Hildegard und Heinz, Kamala und Hampana, Shigeko und Isao, Norman und Bill: Vier (Ehe-)paare, die schon mehr als 50 Jahre zusammen sind und sehr offen und mit großer Lebensklugheit auf Ihre Beziehung zurückblicken. Darin sind sich alle ähnlich. Doch wie sie diesen Punkt erreicht haben, könnte unterschiedlicher nicht sein. Heinz hat mit seinen einsamen Entscheidungen Hildegard mehrfach an ihre Grenzen gebracht. Doch die Anziehungskraft der Gegensätze überwog für beide. Shigekos Ehe mit Isao wurde arrangiert – für ihn die perfekte Wahl, doch Shigeko musste viel aushalten, wie sie sagt, und tat sich lange Zeit mehr als schwer damit. Kamala und Hampana aus Indien, die heute noch kichern wie Frischverliebte, heirateten über Kastengrenzen hinweg, gegen den Willen beider Familien. Damit Norman und Bill überhaupt eine legale Beziehung haben können, hatte der eine den anderen adoptiert. Denn, so glaubten sie, „eher friert die Hölle ein, als dass Pennsylvania gleichgeschlechtliche Partnerschaften erlaubt.“. Erst mit fast 80 Jahren können die beiden doch endlich Hochzeit feiern.
Umsetzung
Anhand kleiner Macken werden vier Protaganist*innen von ihrem Partner bzw. ihrer Partnerin vorgestellt – statt mit genervten Augenrollen mit Augenzwinkern, so dass die Zuschauenden gleich zu Beginn komplizenhaft ins Familienleben einbezogen werden. Es wird spürbar: Diese Paare haben sich arrangiert und dabei die Liebe füreinander erhalten. Formal ein klassischer Interview-Dokumentarfilm, verzichten die Regisseurinnen auf das brave Abhaken der wichtigsten Stationen eines langen gemeinsamen Lebens. Diese werden trotzdem erzählt, schlaglichtartig taucht der Film ein in besondere Situationen und faszinierende Momente – das Kennenlernen, die erste gemeinsame Nacht. Dabei bleibt die Filmerzählung ganz dicht bei den Partnern. Kinder, Enkel oder sonstiges Familienleben spielt so gut wie keine Rolle. Unterbrochen werden die Interviewsequenzen von liebevoll gestalteten Knet-Animationen, die Charakteristika der Beziehung auf den Punkt bringen.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Ausgehend vom Film, der die Vielfalt von Lebensweisen und sexueller Orientierung aufzeigt, können sich die Schüler*innen mit den Themen Partnerschaft, Liebe und Familie auseinandersetzen. Im Rahmen der Sexualerziehung sollen sie lernen, ihre Gefühle und Bedürfnisse wahrzunehmen und zu äußern, sowie wie die Grenzen Anderer wahrzunehmen und zu achten. Die Protagonist*innen des Films haben dies über viele Jahre gelernt und sprechen offen und respektvoll über ihre Empfindungen damals und heute dem Partner*der Partnerin gegenüber. Dabei geben sie ein Beispiel für echte Partnerschaft-Kommunikation jenseits von Chats, WhatsApp und Instagram. Die Schüler*innen können auch Verletzungen des Rechts auf (sexuelle) Selbstbestimmung herausarbeiten, sich Vorurteile und Diskriminierungen bewusst machen und Vergleiche zu ihrer eigenen Lebenswelt ziehen. Auf filmsprachlicher Ebene lohnt eine Betrachtung der animierten Sequenzen. Auf welche Weise werden dort Charakteristika der Protagonist*innen und ihrer Beziehung zueinander dargestellt?
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Sabine Genz
,
24.03.2018
,
letzte Aktualisierung:
29.04.2020
Regie
Yasemin Şamdereli, Nesrin Şamdereli
Buch
Yasemin Şamdereli, Nesrin Şamdereli
Darsteller*innen
Mitwirkende: Hildegard und Heinz Rotthäuser, Kamala und Hampana Nagarayya, Shigeko und Isao Sugihara, Norman MacArthur und Bill Novak
Länge
97 Min
Sprachfassung
Originalfassung in Deutsch, Englisch, Japanisch, Hindi mit Untertiteln
Format
digital, Farbe
FSK
ohne Altersbeschränkung
Verleih
Concorde Filmverleih
Festivals
Bayerischer Filmpreis 2017: Bester Dokumentarfilm