Inhalt
Die preisgekrönte Fotografin und Aktivistin Claudia Andujar kann mit inzwischen 92 Jahren auf ein bewegtes Leben zurückblicken. Als Teenager kam sie als Holocaustflüchtling auf den amerikanischen Kontinent. Seit den 1950ern ist Brasilien ihre neue Heimat, wo sie zunächst als Fotojournalistin vor allem einfache Leute im Alltag porträtierte. Als sie in den 1970er Jahren das erste Mal auf das damals von der westlichen Zivilisation kaum berührte indigene Volk der Yanomami trifft, findet sie ihre endgültige Berufung und setzt sich seither vehement für deren Schutz und Rechte ein. Sie dokumentiert schonungslos den Raubbau an ihrem Lebensraum im Amazonasgebiet, und wird trotz ihres vorgerückten Alters nicht müde, das rücksichtslose Vorgehen von Goldgräber*innen oder illegalen Holzfäller*innen auch international publik zu machen.
Umsetzung
In ihrem Dokumentarfilm erzählt die Schweizer Regisseurin Heidi Specogna zunächst vom ereignisreichen Leben ihrer Protagonistin, angefangen bei ihrer Kindheit in Transsilvanien als Kind einer Schweizer Lehrerin und eines jüdischen Ingenieurs, dessen Familie im Holocaust vollständig ausgelöscht wurde. Claudia als einzige Überlebende muss sich früh allein durchschlagen und findet schließlich zur Fotografie als Ausdrucksmittel, mit dem sie dem Innersten der Menschen auf die Spur kommen möchte. Der Film zeigt viele ihrer dokumentarischen und sehr ästhetischen Fotografien sowie weiteres Archivmaterial und lässt die agile Protagonistin weitestgehend selbst sprechen. Viel Raum nimmt das Finden ihrer kämpferischen Berufung ein, ein Ergebnis der Tätigkeit als Fotojournalistin, die sie letztlich zugunsten der politischen Arbeit für die indigene Bevölkerung des Amazonasgebiets aufgeben und die Anfang der 1990er zu einem Schutzgebiet für die Yanomami beitragen wird.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Beginnt die Dokumentation zunächst als klassisch aufgebaute Erzählung einer außergewöhnlichen Biografie mit vielen Archivmaterialien, verschiebt sich der Fokus des Films im letzten Drittel ganz auf die Jetztzeit, weg von der Hauptperson und hin zu einem Kollektiv aus indigenen Filmemacherinnen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die fortwährende Zerstörung ihrer Heimat mit allen modernen Mitteln zu dokumentieren – und zu verhindern. Wie verändern sich Dramaturgie und Wirkung des Filmes durch diese Verschiebung? Die Aktivitäten dieser Aktivistinnen können ebenso Diskussionsgrundlage sein, sowie auch die Frage, inwieweit Andujar sie mit ihrer Arbeit darin unterstützen konnte, ihre Einzigartigkeit zu demonstrieren und für sie zu kämpfen. Ihre einprägsamen, meist schwarzweißen Bilder bilden den roten Faden der – durch den zweiten Teil nicht ganz rund wirkenden – Filmbiografie. Sie eignen sich als Beispiel für die Macht der (politischen) Fotografie, was eine weitere Gesprächsgrundlage sein kann.
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Ingrid Beerbaum
,
30.04.2024
,
letzte Aktualisierung:
25.06.2024
Regie
Heidi Specogna
Buch
Heidi Specogna
Darsteller*innen
Mitwirkende: Claudia Andujar, Davi Yanomami
Länge
92 MIn
Sprachfassung
Originalfassung in Portugiesisch und Französisch mit deutschen Untertiteln, barrierefreie Fassungen über Greta & Starks verfügbar
Format
digital, Farbe
FSK
ab 12 Jahre
Verleih
W-Film
Festivals
(2024) DOK.fest München, DOK.horizonte Competition – Cinema of Urgency; CineLatino (Tübingen, Stuttgart, Freiburg, Reutlingen); It's All True – International Documentary Film Festival, São Paulo