Inhalt
Beirut, Libanon. Wie erzählt man vom Lebensgefühl in einer Stadt, die zwischen Kriegen, Machtkämpfen und maroder Wirtschaft nicht zur Ruhe kommt? Die libanesische Filmemacherin Lana Daher hat aus über 20.000 dokumentarischen Quellen des Alltags eine sehr persönliche Reflexion über Beirut geschaffen. Ausschnitte aus 70 Jahren libanesischer Filme, Fernseh-Shows, Wochenschauen, Heimvideos, private Fotobücher und Musik – mal melancholisch, aber auch immer wieder humorvoll in Szene gesetzt. Mit künstlerisch feinsinniger Montage gelingt ihr das kleine Wunder, mit ihrem dokumentarischen Material etwas so schwer Fassbares wie die Seele eines Landes spürbar zu machen. Eine flammende Liebeserklärung an eine Stadt, dessen Generation zwischen Bomben und Pop-Musik erwachsen wurde. In einem Land ohne offizielle nationale Archive auch ein leidenschaftlicher Akt der Selbstbehauptung und des kreativen Widerstands.
Umsetzung
Lana Daher setzt in ihrem Porträt auf das umfassende audiovisuelle Material, das sie in akribischer Arbeit zusammentragen hat und interpretiert ihre audiovisuellen Fundstücke durch Montage neu, ohne etwas hinzuzusetzen. Ihr Fokus liegt dabei auf den Menschen „ihrer“ Stadt: ihren kollektiven Erinnerungen, ihrer Lebensfreude, ihrer Zärtlichkeit und Widerstandskraft. Konsequent verzichtet sie auf eine einordnende Erzählstimme oder erklärende Interviews. Sie lässt das Material sprechen, die Zuschauenden sind auf das zurückgeworfen, was sie sehen. Dennoch hat der Film eine politische Handschrift, die in der Auswahl des audiovisuellen Materials und der Entscheidung der Montage liegt. Ein sehr persönlicher, auch weiblicher Blick auf die verschiedenen Lebensrealitäten ihrer Stadt, poetisch und humorvoll, engagiert und unterhaltsam.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Mit seiner meisterhaften Montage von Archivmaterialien eignet sich der Film ideal für filmische, aber auch medienkritische Analysen zur Veränderung der Wirkung von Bildern in anderen Kontexten. Die Neuinterpretation der Regisseurin von alten Wochenschauen oder Filmausschnitten aus den 1980er- oder 90er-Jahren bieten dafür eindrückliches Material. Auch der Verzicht auf eine einordnende Erzählstimme kann in diesem Zusammenhang reflektiert werden. Was verändert dies für die Zuschauenden? Weiterhin bietet sich die Reflexion zu dem besonderen künstlerischen Ansatz der Regisseurin an, mit der sie den Zuschauenden ihr Land auf andere Art näherbringt, als es in den Nachrichten oder in der klassischen Geschichtsschreibung passiert. Wie verändert sich der Blick auf ein Land, wenn man es statt über „harte Fakten“, über seine Filme, seine Musik und Bilder des Alltags kennenlernt? Wie unterscheiden sich hier die Möglichkeiten der Kunst und der Wissenschaft?
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Melanie Rohde
,
03.05.2026
,
letzte Aktualisierung:
06.05.2026
Regie
Lana Daher
Buch
Lana Daher, Qutaiba Barhamji
Länge
79 Min
Sprachfassung
Originalfassung in Arabisch, Französisch, Englisch mit deutschen Untertiteln
Format
digital, Farbe
FSK
ab 12 Jahre
Verleih
Rapid Eye Movies
Festivals
(Auswahl 2025) Hamburg Film Festival: Political Film Award der Friedrich-Ebert-Stiftung; Doclisboa: Honorable Mention; DPH:DOX 2026, Göteborg Film Festival 2026 u. v. a. m.