Inhalt
Der 17-jährige Adi lebt in einem abgelegenen Dorf im rumänischen Donaudelta. Während des Sommers verbringt er Zeit mit seiner besten Freundin Ilinca und lernt den Studenten Răzvan kennen, in den er sich verliebt. Als jugendliche Dorfbewohner die beiden nachts zusammen sehen, wird Adi von ihnen brutal zusammengeschlagen. Polizei und Dorfgemeinschaft unternehmen nichts gegen die Täter, stattdessen gerät Adi selbst unter Druck. Seine Eltern reagieren mit Ablehnung: Die Mutter wendet sich an den Pfarrer, der einen Exorzismus durchführt, der Vater steht zwischen familiären Verpflichtungen und den Erwartungen der Dorfgemeinschaft. Adi wird zunehmend isoliert und er bleibt auf Ilincas Unterstützung angewiesen. Schließlich schaltet sich eine Mitarbeiterin des Jugendamts ein, die ihm einen möglichen Ausweg eröffnet. Ein Film vom Ringen um Selbstbestimmung in einer feindlichen Umgebung.
Umsetzung
Der Film ist in ruhigen, langen und ästhetischen Einstellungen erzählt, die das Leben im Donaudelta detailreich einfangen. Weite Landschaftsaufnahmen betonen die Schönheit der Natur, stehen jedoch im Kontrast zu engen, dunklen Innenräumen, in denen Adi gefangen gehalten wird. Die Farbgestaltung bleibt natürlich und zurückgenommen und unterstreicht so die Atmosphäre des Ortes. Konflikte und Gewalt werden nicht spektakulär, sondern sehr nüchtern inszeniert, wodurch das Schweigen der Dorfgemeinschaft noch stärker hervortritt. Pausen und tiefe Blicke prägen die Erzählweise und machen die Sprachlosigkeit sowie die soziale Kontrolle im Dorf spürbar. Musik wird dabei nur sparsam eingesetzt, stattdessen dominieren Naturgeräusche, Stimmen und Stille die Tonspur. So entsteht eine eindringliche Nähe zu den Figuren.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Themen wie Liebe, sexuelle Identität und Freundschaft können als Ausgangspunkt dienen, um über persönliche Erfahrungen und gesellschaftliche Erwartungen zu sprechen. Die im Film dargestellte Homophobie, die in Form von Ausgrenzung, Gewalt und Schweigen sichtbar wird, eröffnet Diskussionen über Verantwortung, Zivilcourage und die Rolle von Institutionen wie Familie, Kirche oder Polizei. Dabei stellt sich auch die grundlegende Frage: Woher kommt Homophobie und wodurch wird sie in Gemeinschaften aufrechterhalten? Der Versuch eines Exorzismus verdeutlicht zudem, wie religiöse Praktiken zur Legitimation von Machtmissbrauch eingesetzt werden können und wirft Fragen nach den Grenzen von Glaubenspraktiken auf. Ebenso regen die Kontraste zwischen idyllischer Natur und bedrückender Dorfgemeinschaft dazu an, über den Zusammenhang von Heimat, kultureller Prägung und individuellen Handlungsspielräumen nachzudenken. Dies kann durch eine Szenenanalyse ergänzt werden: Wie nutzen Kamera, Licht und Ton (Stille, Geräusche) die Spannung zwischen Freiheit und Enge? Welche Gefühle oder Themen des Films werden dadurch spürbar?
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Nadja Fischer
,
28.08.2025
,
letzte Aktualisierung:
01.09.2025
Regie
Emanuel Pârvu
Buch
Emanuel Pârvu, Miruna Berescu
Darsteller*innen
Ciprian Chiujdea, Bogdan Dumtrache, Laura Vasiliu, Valeriu Andriutâ, Ingrid Micu-Berescu, Adrian Titieni, Richard, Bovnoczki, Vlad Brumaru, Alina Berzunţeanu, Radu Gabriel u. a.
Länge
104 Min
Sprachfassung
rumänische Originalfassung mit deutschen Untertiteln
Format
digital, Farbe
FSK
ab 12 Jahre
Verleih
Salzgeber
Festivals
Internationale Filmfestspiele Cannes 2024: Queere Palme