In EIN EINFACHER UNFALL trifft ein ehemaliger Gefängnisinsasse auf seinen mutmaßlichen Folterer. Regisseur Jafar Panahi erzählt eine Geschichte über den Wunsch nach Vergeltung, von Schuld, moralischer Verantwortung und ethischen Entscheidungen in einem autoritären Regime. Wie kann Menschlichkeit in einem unmenschlichen System bewahrt werden? Ein eindringliches Drama über Gerechtigkeit, Verantwortung und Empathie, sowie über gesellschaftliche Gewalt und menschliche Grenzen.
Originaltitel
یک تصادف ساده | Un simple accident
Genre
Drama
Klassenstufe
ab 11. Klasse
Altersempfehlung
ab 16 Jahre
Unterrichtsfächer
Ethik, Philosophie, Politik, Erdkunde, Sozialkunde, Geschichte, fächerübergreifend: Demokratiebildung
Themen
Rache, Verantwortung, Trauma, Vergangenheitsbewältigung, Empathie, Schuld, Widerstand, Autoritarismus, staatliche Macht und Willkür, Recht und Gerechtigkeit
Kinostart
08.01.2026
EIN EINFACHER UNFALL | Offizieller Trailer DEUTSCH | Ab 8. Januar im Kino
Inhalt
Der Automechaniker Vahid trifft zufällig auf den Mann, der ihn möglicherweise im Gefängnis gefoltert hat. Getrieben von Rachegefühlen und Schmerz entführt er ihn, um Vergeltung zu üben. Doch der einzige Hinweis auf die Identität seines Peinigers ist das Quietschen seiner Beinprothese. Auf der Suche nach Gewissheit sucht Vahid andere ehemalige politische Gefangene auf, die ebenfalls von dem Mann gefoltert wurden. Die ungleiche Schicksalsgemeinschaft gerät immer wieder in Streit über das weitere Vorgehen. Können sie tatsächlich sicher sein, dass der Mann wirklich der Täter ist? Wenden Sie die gleichen Methoden wie die Unterdrücker an, wenn sie ihn töten? Und was ist mit seiner Familie? Vor dem Hintergrund eines autoritären Systems verdichtet sich die Geschichte zu einem existenziellen Konflikt über Recht, Unrecht, Vergeltung und Gnade. Panahi zeigt die komplizierte Abwägung zwischen moralischem Handeln und menschlicher Empathie in einer von Gewalt geprägten Gesellschaft.
Umsetzung
Panahi kombiniert eine beobachtende, realistische Kameraführung mit klar inszenierten Szenen, sodass Handlung und Figuren unmittelbar und authentisch wirken. Die Kamera bleibt nah an den Figuren, fängt Gestik, Blicke und zwischenmenschliche Spannungen in ruhigen, langen Einstellungen ein. Der mutmaßliche Täter erscheint zunächst allein im Bild, während Vahid und die anderen ehemaligen Gefangenen gemeinsam gezeigt werden, ein subtiler Hinweis auf Täterschaft, Verantwortung und kollektive Erfahrung. Musik kommt kaum vor, nur Alltagsgeräusche wie Straßenlärm oder Musik aus Autoradios sind hörbar, was die dokumentarische Nähe verstärkt. Licht- und Raumgestaltung betonen Kontraste zwischen Bedrohung, Enge, Unsicherheit und Momenten der Ruhe. Sie erzeugen eine dichte Atmosphäre, in der Zuschauer*innen die Entscheidungen der Figuren genau beobachten können.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Der Film eignet sich zur Analyse von Moralvorstellungen und zur Diskussion von Fragen wie Schuld, Rache, Recht und Verantwortung. Schüler*innen können die Wirkung von Trauma und unterschiedlichen Reaktionen auf Gewalt reflektieren und untersuchen, welche Handlungen als gerecht bzw. berechtigt wahrgenommen werden. Auch kann der Bezug zwischen der Filmhandlung und den realen Haft- und Zensurerfahrungen Panahis recherchiert werden. Filmische Mittel wie Kameraperspektiven und Bildkomposition lassen sich hinsichtlich ihrer Wirkung auf Spannung und Nähe zwischen den Figuren analysieren. Panahi verzichtet auf Musik, die außerhalb der Erzählwelt liegt (extradiegetische Musik), die sonst oft als emotionales Kommentar- oder Manipulationsmittel dient. Schüler*innen können untersuchen, wie sich diese Entscheidung auf Stimmung, Dynamik und die narrative Entwicklung der Geschichte auswirkt. So verknüpft der Film gesellschaftliche Themen mit konkreten filmischen Mitteln und macht eine unmittelbare Verbindung zwischen ethisch-moralischen Fragestellungen und ihrer ästhetischen Gestaltung erfahrbar.
Video(s) zum Film
Jafar Panahi on It Was Just an Accident
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Vahid Mobasser, Maryam Afshari, Ebrahim Azizi, Hadis Pakbaten, Majid Panahi, Mohamad Ali Elyasmehr, Georges Hashemzadeh, Delmaz Najafi, Afssaneh Najmabadi u. a.
Länge
104 Min
Sprachfassung
deutsche Fassung, Originalfassung in Persisch, Azerbaijani mit dt. u. engl. Untertiteln
Format
digital, Farbe
FSK
ab 16 Jahre
Verleih
MUBI
Festivals
(Auswahl 2025) Intern. Filmfestspiele Cannes: Goldene Palme; 21st Santiago International Film Festival: Golden Apricot; Sidney Filmfestival: Bester Film
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