Inhalt
Jede vierte Frau erfährt in ihrem Leben Gewalt – nicht durch Fremde, sondern durch ihren Lebens- oder Ex-Partner. Trotz dieser erschreckend hohen Zahl bleibt das Leid der Betroffenen häufig unsichtbar. FASSADEN macht deutlich, was Frauen in toxischen Beziehungen erleben, welche Folgen die Gewalt hat und welche Auswege es gibt. Der Film stützt sich auf vier reale Erfahrungsberichte von Frauen, die offen über das Erlebte sprechen. Um ihre Anonymität zu wahren, verdichtet der Film die Erlebnisse zu einer Geschichte und entwickelt eine visuelle Ebene, in der sich zwei Tanzende, eine Frau und ein Mann, auf einer Bühne begegnen. Deren physische Interaktionen sind vielschichtig, teils uneindeutig und werden im Verlauf des Films immer roher und gewaltvoller. Die Schauspielerin Sandra Hüller leiht den Frauen ihre Stimme und balanciert beeindruckend auf dem schmalen Grat zwischen Selbstbehauptung und emotionalem Ausnahmezustand. So wird nachvollziehbar, wie Gewalt ganz alltäglich in das eigene Leben einbricht und wie unzureichend Gesellschaft, Justiz und Politik darauf reagieren.
Umsetzung
Die performative Stilisierung erspart dem Publikum zwar die reale Darstellung von Gewalt, doch die Kombination aus authentischer Erzählung und Tanz zeigt auf beklemmende Weise, wie erschütternd Gewalt wirkt. Sinnbildlich wird das auch durch die nachträgliche Bearbeitung des Filmmaterials, das immer wieder zerkratzt und zerknickt wird, um künstlerisch deutlich zu machen, wie brachial Gewalt sich einschreibt in das Leben. Ein filmisches Gegengewicht schafft die zweite Bildebene des Films, die aus klassischen Interviews mit Menschen besteht, die Opfern häuslicher Gewalt dabei helfen, den Teufelskreis zu durchbrechen: Sozialarbeiter*innen, Jurist*innen, Ärzt*innen und andere Expert*innen, die klar und sachlich darüber sprechen, wie schwer es ist, sich aus einer Gewaltbeziehung zu befreien – nicht zuletzt, weil es Politik und Justiz nicht gelingt, der Gewalt wirksam entgegenzutreten.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Der Fokus der pädagogischen Arbeit kann auf unterschiedliche Aspekte gerichtet werden.Durch die Konzentration auf die authentischen Fallberichte in Kombination mit den Tanzszenen wird nachvollziehbar deutlich gemacht, wie schleichend Kontrolle und Gewalt beginnen kann und wie schwer es für Betroffene ist, sich aus Gewaltbeziehungen zu lösen. Umso wichtiger ist die frühe Sensibilisierung für toxische Machtstrukturen in Beziehungen – nicht nur, aber vor allem in Partnerschaften. Stellt man die Expert*innen-Interviews in den Mittelpunkt der Betrachtung, verschiebt sich die Perspektive eher auf die strukturelle Ebene und führt zur Frage, welche Unter-stützungsangebote es bereits gibt und wie sich Strukturen verändern müssten, um häusliche Gewalt wirksam einzudämmen. Zudem kann über die dramaturgische Entscheidung diskutiert werden, durch die Performance-Tanz-Ebene die Anonymität der Protagonistinnen zu wahren und dennoch Empathie und Identifikation zu ermöglichen. Auch die generelle Frage nach dem Umgang mit Gewalt im Film – besonders im Dokumentarfilm – kann und sollte am Beispiel von FASSADEN diskutiert werden.
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Luc-Carolin Ziemann
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02.02.2026
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letzte Aktualisierung:
04.02.2026