Inhalt
Drei Jahre, von der 2. bis zum Ende der 4. Klasse, hat Ruth Beckermann 25 Kinder und ihre Lehrerin auf ihrer Reise begleitet, auf der sie viel mehr lernen als Lesen, Schreiben und Rechnen. Viele der Kinder sprechen Deutsch nicht als Erstsprache und der akute Mangel an Lehrpersonal macht sich jeden Tag bemerkbar. Dass Hafsa, Manessa, Mohammad und die anderen dennoch zu einer Klasse werden, die Spaß am Lernen hat und zusammenhält, liegt vor allem an ihrer Lehrerin Frau Idiskut. Die resolute Klassenlehrerin wird – anders als der berühmt gewordene Herr Bachmann im gleichnamigen Film – aber nicht als pädagogische Ausnahmeerscheinung vorgestellt, sondern einfach als professionelle und hochengagierte Lehrerin gezeigt, die den Kindern mit Wärme, Musik, Bewegung und Klarheit einen Rahmen gibt, in dem ihre Flügel ausbreiten können. Die einen schneller, die anderen langsamer. Wie in jeder Klasse.
Umsetzung
Der Film kommt den Kindern nahe, ohne ihnen zu nahe zu treten. Das liegt an der zurückhaltenden Kameraführung, aber auch daran, dass die Kinder selbst die Erzählung und die (Handy-)Kamera in die Hand nehmen und sich gegenseitig filmen und befragen. Diese Befragungen, die zwischen Steckbrief und Poesie changieren, sind es, die den Film immer wieder auf die Metaebene heben, wenn sich die Jungs zum Beispiel darüber unterhalten, was man eigentlich unter „Kultur“ versteht oder die Mädchen sich fragen, ob eine von ihnen lieber ein Junge wäre. Die Montage verknüpft diese großartigen Momente geschickt mit beobachteten Situationen aus dem Schulalltag, bei Ausflügen oder Eltern-gesprächen. All das wird ruhig, ohne Kommentar oder emotionalisierende Musik, zu einer Erzählung kombiniert, die die Zuschauer*innen in den Bann zieht. So, dass man am Ende der gemeinsamen Schulzeit, wenn sich Frau Idiskut von ihrer Klasse verabschieden muss, einen mindestens ebenso großen Kloß im Hals hat, wie die großen und kleinen Menschen im Klassenzimmer der 4e.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Der Film lädt dazu ein, ins Gespräch zu kommen, wie Schule ist und wie sie sein könnte. Er kann ein guter Anstoß sein, um den Status Quo kritisch zu hinterfragen. Indem Ruth Beckermann filmisch über den Kosmos Klassenraum hinausblickt und auch Ausflüge und Besprechungen im Kollegium zeigt, wird es dabei nicht nur um fachlich-interne Diskurse zur besten Unterrichtsgestaltung gehen, sondern auch um die Frage, welche Rolle die Schule in unserer Gesellschaft spielt. Die gezielte Analyse einzelner Ausschnitte in Hinblick auf die gewählte Kameraperspektive sensibilisiert dafür, welche Wirkung erzielt werden kann, wenn ein Dokumentarfilm konsequent auf Augenhöhe der Protagonist*innen (in diesem Fall: den Kindern) gedreht wird, die durch diese klare Haltung noch deutlicher im Fokus stehen. Ilkay Idiskut legt großen Wert darauf, ihren Grundschulkindern die Kompetenz zu vermitteln, Probleme selbst zu lösen. Wenn Schüler*innen den Film besprechen, kann es darum gehen, diesen Ansatz auf die Lebenswelt der Sekundarstufen I + II zu übertragen.
Hinweise
Wir empfehlen den Film besonders für Pädagog*innen, Lehrkräfte und Erzieher*innen, auch in der Ausbildung.
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Luc Carolin Ziemann
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16.08.2024
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letzte Aktualisierung:
10.12.2024