Filmplakat zu "9 Leben"

9 Leben

Deutschland 2010

Drogen, Abgrenzung, aber auch Solidarität und beeindruckender Lebenswillen - in ihrem ersten Dokumentarfilm lässt Regisseurin Maria Speth Berliner „Straßenkinder“ zu Wort kommen. Dabei verleiht die ungewöhnlich Art der ästhetischen Inszenierung dem Thema „jugendliche Obdachlosigkeit“ Gesicht und Individualität und bietet zudem spannendes Diskussionspotenzial, um die Darstellungsmöglichkeiten und Authentizitätsansprüche des Genres Dokumentarfilm zu diskutieren.

Originaltitel

9 Leben

Genre

Dokumentarfilm

Klassenstufe

ab 10. Klasse

Altersempfehlung

ab 15 Jahre

Unterrichtsfächer

Deutsch, Kunst, Sozialkunde, Religion/Ethik

Themen

Identität, Individuum (und Gesellschaft), Kindheit, Jugend/Jugendliche, Prostitution, Drogen, Jugend/Jugendliche, Erwachsenwerden, Filmsprache

Kinostart

12.05.2011

Inhalt


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Mehr als 9.000 Jugendliche leben in Deutschland vorübergehend oder dauerhaft auf der Straße, davon etwa 2.000 alleine in Berlin. Neun von ihnen erzählen vor der Kamera von ihrem Leben. Es sind überraschend reflektierte Schilderungen von traumatischen Kindheitserlebnissen, vom Leben und Überleben auf der Straße, von Drogensucht, Prostitution und der Schwierigkeit, sich zu resozialisieren. Der Grundtenor ist gleichwohl nicht düster oder gar deprimierend. Eindringlich spürbar werden die Sehnsüchte, Träume, die Kreativität und der beeindruckende Lebenswille der jungen Menschen, die erst im letzten Drittel des Films ihre Namen preisgeben.

Umsetzung


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In ihrem ersten Dokumentarfilm findet Regisseurin Maria Speth („Madonnen", Deutschland 2007) einen ungewöhnlichen ästhetischen Zugang: Sie platziert die Jugendlichen vor einer weiße Wand und lässt sie dort von sich erzählen. Authentizität findet „9 Leben" also nicht - wie häufig im Dokumentarfilm üblich - durch das Abbilden von Lebensräumen und Milieus, sondern im Gegenteil, durch die geradezu minimalistische Reduktion des Settings. Zusammen mit den stilisierenden Schwarzweiß-Einstellungen entsteht so ein interessanter Verfremdungseffekt, der die Aufmerksamkeit des Publikums gänzlich auf die Interviewten ausrichtet. Nah bleibt die Kamera an ihren Gesichtern, wenn sie, nur selten unterbrochen von einer Zwischenfrage der Regisseurin, erstaunlich offen von sich berichten. Nach und nach entfächert sich ein Kaleidoskop verschiedener Schicksale, das mit Klischees und Vorurteilen aufräumt, aber Verständnis dafür entstehen lässt, warum für diese Jugendlichen das Leben auf der Straße die bessere Alternative ist oder war.

Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit


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Durch seinen facettenreichen, vorurteilsfreien und unkonventionellen Umgang mit dem Thema „jugendliche Obdachlosigkeit" bietet „9 Leben" in ethisch-, sozial- und künstlerisch orientierten Fächern Schüler/innen ab 15 Jahren ein breit gefächertes Diskussionsangebot. Warum landen Kinder und Jugendliche auf der Straße? Wie sieht ein Alltag aus, der vom täglichen Kampf um Essen, Übernachtung, von „Schnorren", Prostitution und Drogenkonsum aber auch von gegenseitiger Unterstützung und Solidarität geprägt ist? Neben solchen, für viele Schüler/innen sicherlich ungewohnten Einblicken in die Lebenswelt von „Straßenkindern" , reflektiert der Film altersnahe Entwicklungsthemen, die vielen Jugendlichen vertraut sein dürften: familiäre Konflikte, Fragen der Selbstfindung, die Gratwanderung zwischen Abgrenzung, Integration und Ausgrenzung, die Herausforderung, in der Gesellschaft seinen Platz zu finden. Gesprächsraum finden sollte nicht zuletzt eine stilistische Analyse von „9 Leben" und daran anknüpfend eine ''Grundsatz-Diskussion der Darstellungsformen und der Authentizitätsleistung des Genres „Dokumentarfilm".

Veranstaltungen


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Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.

Autorin: Ula Brunner, 02.05.2011, letzte Aktualisierung: 28.09.2016

Regie

Maria Speth

Buch

Maria Speth

Darsteller/innen

Krümel, Sunny, JJ, Soja, Stöpsel und Familie, ZA, Toni

Länge

106 Min

Sprachfassung

deutsche Fassung

Format

35mm, schwarzweiß

FSK

ab 12 Jahre

Verleih

Peripher Filmverleih

Festivals

DEFA Förderpreis 2010

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