Inhalt
Prabha und ihre jüngere Kollegin Anu teilen sich eine Wohnung und arbeiten gemeinsam als Krankenschwestern in einem kleinen Hospital in Mumbai. Während Prabha in ihrer Arbeit aufgeht, will Anu fern von den konventionellen Erwartungen ihrer konservativen Familie das Leben genießen und hat sich ausgerechnet in den jungen Moslem Shiaz verliebt. Die verhaltene Prabha hingegen ist verheiratet. Ihr Mann aber ist schon lange zum Arbeiten in Deutschland und der Kontakt abgerisssen. Den Avancen eines Kollegen gibt sie nicht nach, sondern hilft lieber ihrer Kollegin Parvaty, die um das Bleiberecht in ihrer preiswerten Wohnung kämpft, die luxussaniert werden soll. Als alle Versuche fehlschlagen, beschließt diese, in ihr Heimatdorf an der Küste zurückzukehren. Zu dritt brechen sie dorthin auf und entdecken weitab von der alle Möglichkeiten versprechenden Metropole einen anderen, stilleren Freiraum für ihre Gedanken und Gefühle.
Umsetzung
Anhand ihrer Figuren, allesamt Arbeitsmigrant*innen aus der Provinz, erzählt Regisseurin Payal Kapadia wie beiläufig deren Geschichten und zeigt gleichzeitig die für manche verlockende Anonymität der Großstadt. Anu kann hier mit ihrem Freund unbeobachtet durch nächtliche Straßen streifen, immer auch auf der Suche nach verschwiegenen Orten zum Schmusen. Die vorsichtige Prabha hingegen scheint sich nur tätig wohlzufühlen, auch um nicht über ihren abwesenden Ehemann zu grübeln. Sie kocht, putzt und kümmert sich in der kargen Freizeit um andere wie Parvaty. Diese Geschäftigkeit spiegelt die Stadt wider, deren Lärm und Lichter allgegenwärtig sind und ein schnelles Tempo vorgeben. In der zweiten Hälfte des Films wechselt sich der vielstimmige Großstadtlärm mit beruhigendem Meeresrauschen ab, wenn die drei Frauen einen Ausflug in Parvatys Heimatdorf an der Küste machen. Die städtische nächtliche Eile weicht ungewohntem, taghellem Müßiggang und eröffnet allen drei in unterschiedlicher Weise neue Perspektiven.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
In ihrem Spielfilmdebüt gelingt Payal Kapadia eine organische Synthese aus dokumentarisch anmutenden Elementen und offensichtlicher Inszenierung. Was die beiden Ebenen hinsichtlich ihrer filmischen Gestaltung unterscheidet, kann von den Schüler*innen herausgearbeitet werden. Nicht nur in dieser Hinsicht erinnert die collagenhafte Erzählung an die Hochzeit der Nouvelle Vague in den 1960ern Jahren. Wie bei Truffaut oder Godard wird ebenfalls eine Handkamera und natürliches Licht verwendet. Nur sind hier die Bilder sehr farbintensiv. Die Protagonist*innen bewegen sich in realer Umgebung, manche Dialoge sind asynchron zum Geschehen. Diese offensichtlichen Einflüsse und Parallelen wären ein weiterer Ansatz für eine Analyse und können Anlass zu direkten Vergleichen geben. Ein Diskussionspunkt ist die realistische Darstellung der Hauptfiguren, die sich allein und weit weg von der in Indien dominanten Familie im Leben behaupten, ebenso wie die universelle Funktion einer selbstgewählten Ersatzfamilie, die sich trotz aller Differenzen Raum zum Atmen gibt, was hier buchstäblich geschieht.
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Ingrid Beerbaum
,
03.12.2024
,
letzte Aktualisierung:
10.12.2024
Regie
Payal Kapadia
Buch
Payal Kapadia
Darsteller*innen
Kani Kusruti, Divya Prabha, Chhaya Kadam, Hridhu Haroon u. a.
Länge
123 Min
Sprachfassung
Originalfassung in Malayalam und Hindi mit deutschen Untertiteln
Format
digital, Farbe
FSK
liegt noch nicht vor
Verleih
Rapid Eye Movies
Festivals
(2024) Internationale Filmfestspiele Cannes: Grand Prix; Filmfest München: Großer Preis der Jury