Inhalt
Touda ist eine junge Sängerin und lebt in einer marokkanischen Kleinstadt. Sie ist alleinerziehende Mutter ihres tauben Sohnes Yassine und kämpft sowohl um die Anerkennung und schulische Ausbildung ihres Sohnes als auch für ihre künstlerische Freiheit. Sie träumt von einer Karriere als Sheikha: eine angesehene, traditionelle Künstlerin. Dafür macht sie sich allein auf den Weg nach Casablanca und lässt Yassine schweren Herzens bei ihren unterstützenden und liebevollen Eltern auf dem Land mit dem Versprechen, ihn bald nachzuholen. Auf ihrem Weg begegnet sie gesellschaftlichen Zwängen, Gewalt Einsamkeit und Selbstzweifeln, aber auch Freundschaft, Unterstützung, Unabhängigkeit und Inspiration. Und gerade wenn es so scheint, als wäre sie in unmittelbarer Nähe ihres Traumes, holt sie die Realität einer patriarchalen Gesellschaft wieder ein. Anhand kraftvoller Bilder sowie leiser und lauter Momente folgt der Film ihrer inneren wie äußeren Reise und mündet in einem ambivalenten Ende.
Umsetzung
Der Film erzählt mit großer Sensibilität und poetischem Realismus von der inneren Stärke einer jungen Frau und ihrer Entschlossenheit, ihren Traum zu verwirklichen. Die Kamera schafft eine intensive Nähe zur Protagonistin und ermöglicht eine enge Verbindung mit ihrer Perspektive. Die Musik – teils traditionell, teils modern – begleitet ihre Reise und unterstreicht zentrale Momente ihrer Selbstwerdung. Authentisches Schauspiel und lange, ruhige Einstellungen lassen Raum zum Nachdenken. In ausgewählten Szenen erzeugt die dunkle Bildgestaltung mit reduziertem Licht eine ungewohnte Bildsprache, die vertraute Sehgewohnheiten herausfordert. Der feinfühlige Umgang mit Sprache, Rhythmus und filmischer Atmosphäre macht ALLE LIEBEN TOUDA zu einem ernsten, zugleich aber auch tief bewegenden Filmerlebnis.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
ALLE LIEBEN TOUDA bietet vielfältige Anknüpfungspunkte zur Auseinandersetzung mit Identitätsfindung, Geschlechterrollen und künstlerischem Ausdruck im Spannungsfeld zwischen Tradition und individueller Freiheit. Im Unterricht kann insbesondere die filmische Erzählweise analysiert werden: etwa wie Musik als erzählerisches Mittel eingesetzt wird oder wie durch visuelle Gestaltung – z.B. durch Licht/Schatten, Farbgebung und Nahaufnahmen – emotionale Zustände vermittelt werden. Auch der gezielte Einsatz von Stille sowie das Spiel mit Kontrasten im Bildraum kann im Unterricht diskutiert werden. Eine Analyse der Charakterentwicklung und der im Film verhandelten unterschiedlichen Konfliktlinien eröffnet weiterführende Perspektiven auf gesellschaftliche Normen, soziale Strukturen, Selbstbestimmung, kreative Selbstverwirklichung und persönliche Freiheit.
Hinweise
Inhaltsvermerk: Der Film thematisiert und zeigt sexuelle Gewalt.
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Golschan Ahmad Haschemi
,
17.04.2025
,
letzte Aktualisierung:
14.07.2025
Regie
Nabil Ayouch
Buch
Nabil Ayouch
Darsteller*innen
Nisrin Erradi, Jalila Talemsi, Joud Chamihy, El Moustafa Boutankite, Lahcen Razzougui, Khalil Oubaaqa u. a.
Länge
102 Min
Sprachfassung
deutsche Fassung, arabische Originalfassung mit Untertiteln
Format
digital, Farbe
FSK
ab 16 Jahre
Verleih
Immergutefilme
Festivals
(Auswahl 2024) Internationale Filmfestspiele Cannes; Marrakesh International Film Festival; Rio de Janeiro International Film Festival; FilmFest Hamburg; Palm Springs Intern. Film Festival (2025)