Inhalt
Im Stewart Detention Center im US-Bundesstaat Georgia warten bis zu 2.000 Menschen in Abschiebehaft auf ihre Verfahren. Um den Insassen, die mehrheitlich keinen juristischen Beistand haben, faire Verfahren zu ermöglichen, hat sich der private Asylanwalt und Bürgerrechtler Marty Rosenbluth 2017 in der Siedlung Lumpkin unweit der im Hinterland gelegenen Haftanstalt niedergelassen. Mit seiner Assistentin Alondra Torres übernimmt er Fälle, bei denen ein Bleiberecht wahrscheinlich ist, beantragt neue Befragungen, wenn formale Fehler vorliegen, und dient seinen Mandanten in Videotelefonaten als menschliche Stütze. Der Haupterzählstrang des Dokumentarfilms begleitet Rosenbluth bei seiner Arbeit, zu einem Radiointerview oder auch privat im Alltag. Parallel dazu lernen wir die Mexikanerin Maria kennen, deren Ehemann in Abschiebehaft sitzt und die mit Blick auf die Zukunftschancen ihrer vier Kinder auf ein Bleiberecht hofft.
Umsetzung
Ole Elfenkaemper und Kathrin Seward legen den Film teils als Porträt des charismatischen Protagonisten Marty Rosenbluth an, teils anhand konkreter Fälle als Schilderung des Ist-Zustands von Abschiebeverfahren in den USA während der Amtszeit von US-Präsident Joe Biden. Die Bestandsaufnahme funktioniert als Beobachtung, bei der wir den Mitwirkenden über die Schultern schauen. Ihren kritischen Blick auf die gängige Praxis entfalten Elfenkaemper und Seward unaufgeregt und ohne aufgesetzte Dramatisierungen. Eher subtil verdeutlichen die regelmäßig eingefügten Impressionen der stillen Landschaft, die die karg-graue Haftsituation kontrastieren, den humanistischen Standpunkt der Filmschaffenden, der sich insbesondere in den Einschätzungen von Rosenbluth manifestiert. Durch den Verzicht auf einen erklärenden Off-Kommentar oder sonstige Einordnungen entwirft der Film kein größeres Bild, berichtet dafür aber umso mehr über zivilgesellschaftliches Engagement und die verzweifelte Lage der Inhaftierten.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Der Titel greift eine Aussage von Marty Rosenbluth auf, der im Film sagt, Abschiebegefängnisse stünden absichtlich in entlegenen Gegenden, um den Insass*innen die Inanspruchnahme eines Rechtsbeistands oder Familienbesuche zu erschweren. Diese These kann besprochen werden, wobei Hintergrundinformationen recherchiert und Begriffe wie „Abschiebeindustrie“ thematisiert werden sollten. Gedreht wurde der Film während der Amtszeit von US-Präsident Joe Biden. Diskutiert werden kann, inwiefern sich die Situation von Migrationshäftlingen zum Auftakt der zweiten Amtsperiode von Donald Trump verschlechtert hat und wie der Einsatz von Rosenbluth für mehr Gerechtigkeit sorgt – auch wenn er nicht allen helfen kann. Eine Übertragung der Erkenntnisse auf die hiesige Migrationsdebatte bietet sich an. Darüber hinaus lohnt ein analytischer Blick auf die Inszenierung des Films, eine dokumentarische Beobachtung. Welche Einblicke eröffnet die begleitende Herangehensweise, welche Fragen bleiben durch die Art der Inszenierung offen?
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Christian Horn
,
13.05.2025
,
letzte Aktualisierung:
02.06.2025
Regie
Ole Elfenkämper, Kathrin Seward
Buch
Ole Elfenkämper, Kathrin Seward
Darsteller*innen
Mitwirkende Marty Rosenbluth, Alondra Torres u. a.
Länge
83 Min
Format
digital, Farbe
FSK
ab 12 Jahre
Verleih
Barnsteiner Film
Festivals
Filmfest Schleswig-Holstein 2024 u. a.