Filmplakat Angst essen Seele auf

Angst essen Seele auf

Bundesrepublik Deutschland 1974

„Nix Angst. Angst essen Seele auf!". Der titelgebende Satz des Films von Rainer Werner Fassbinder aus dem Jahr 1974 ist ein Zitat, das vielen von uns geläufig ist. Es gibt zahlreiche Gründe, diesen Film neu oder wieder zu entdecken: Ein beeindruckendes Ensemble mit Altstars und Laiendarstellern, eine schnörkellos ausgefeilte Ästhetik sowie eine zeitlose Parabel, die menschliche Hoffnungen und Abgründe schonungslos unter die Lupe nimmt, überzeugen nachhaltig!

Genre

Drama, Liebesfilm

Klassenstufe

ab 9. Klasse

Altersempfehlung

ab 14 Jahre

Unterrichtsfächer

Deutsch, Sozialkunde, Ethik, Religion, Politik, Kunst

Themen

Filmgeschichte, Filmsprache, Liebe, Alter, Familie, Rassismus, Vorurteile, Diskriminierung, Einsamkeit, Gender/Geschlechterrollen, Freundschaft, Sexualität, Migration, fremde Kulturen, Heimat, Migrationsgesellschaft, Filmklassiker

Kinostart

05.03.1974

Inhalt


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Emmi, eine deutsche Witwe Mitte sechzig, verliebt sich in Ali, einen rund fünfundzwanzig Jahre jüngeren marokkanischen „Gastarbeiter“. Als sie sich plötzlich entschließen zu heiraten, scheinen alle um sie herum entsetzt: Emmis Kinder brechen den Kontakt mit ihr ab, ihre Nachbar*innen und Kolleginnen schneiden sie. Auch Alis Umfeld bleibt seiner Ehe mit der wesentlich älteren Reinemachefrau gegenüber skeptisch. Als die Leute beginnen, sich mit dem Paar zu arrangieren, kommen Risse in der anfänglich so harmonischen Beziehung zwischen Emmi und Ali zu Tage und ihre Liebe wird erneut auf die Probe gestellt.

Umsetzung


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Vorlage für Fassbinders Film war Douglas Sirks ALL THAT HEAVEN ALLOWS - WAS DER HIMMEL ERLAUBT (USA 1955), ein prächtiges Technicolor-Melodram. Fassbinder schafft zugleich eine Hommage wie eine Weiterentwicklung des Filmstoffs über eine gesellschaftlich nicht akzeptierte Liebe. Melodramen, meist zu Unrecht als Kitsch abgetan, verbinden kunstvoll überhöhte Bilder und Gefühlsmomente mit einem Verlangen nach Emanzipation und Freiheit der Hauptfiguren. Statt der bürgerlich wohltemperierten kalifornischen Vorstadtwelt der 1950er Jahre wird uns hier jedoch das Münchner Arbeitermilieu der 1970er gezeigt. Das Eingesperrtsein der Figuren wirkt dadurch weitaus schonungsloser und das Melodram wird damit gleichermaßen zur Sozialstudie. Die vorwiegend geschlossenen Räume der häuslichen Sphäre werden, in typisch fassbinderschem Stil, visualisiert durch Rahmungen, Gitter, Spiegel und andere Begrenzungsmerkmale, zu einem Gefühlsgefängnis in mehrfachem Sinne, dem Emmi und Ali zu entkommen trachten. Die Kamera bleibt dabei bewusst zurückhaltend und statisch, dadurch wirken die Filmfiguren zugleich isoliert und zentriert.

Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit


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ANGST ESSEN SEELE AUF gehört zu den Meilensteinen des europäischen Kinos und ist ein Schlüsselfilm des Neuen Deutschen Films, der visuell in der alten Bundesrepublik verortet ist, aber dennoch zeitlos bleibt. Fremdenfeindlichkeit, soziale Ausgrenzung, die Rolle der Frau und Mobbing sind die Themen, mit denen auch heute in Schule und Erziehung umgegangen werden muss. Die Analyse dieser Mechanismen von Unterdrückung und sozialer Ausgrenzung wird von Fassbinder schonungslos und spannend aufgezeigt. Die empathische Geschichte ist dramaturgisch einfach strukturiert und auch für jüngere Teenager gut les- und verstehbar. Die Betrachtung der Figuren zwingt zur Eigenreflexion und zum Hinterfragen der eigenen Haltung gegenüber Menschen oder Gefühlswelten jenseits der medialen und gesellschaftlichen Norm. Es bieten sich außerdem filmgeschichtliche, künstlerisch-ästhetische und intertextuelle Vergleiche mit Douglas Sirks Vorlage, wie auch mit Todd Haynes Film FAR FROM HEAVEN - DEM HIMMEL SO FERN (USA/Frankreich 2002) an.

Veranstaltungen


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Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.

Autor: Dr. Martin Ganguly, 20.05.2020, letzte Aktualisierung: 08.06.2020

Regie

Rainer Werner Fassbinder

Buch

Rainer Werner Fassbinder

Darsteller/innen

Brigitte Mira, El Hedi ben Salem, Barbara Valentin, Irm Hermann, Rainer Werner Fassbinder, Elma Karlowa, Doris Mattes, Lilo Eder, Walter Sedlmeyer, Marquardt Bohm, Peter Gauhe, Margit Symo, Helga Ballhaus u a.

Länge

93 Min

Sprachfassung

deutsche Originalfassung

Format

35 mm, digitalisiert, Farbe

FSK

ab 12 Jahre

Verleih

Deutsches Filminstitut Filmmuseum Frankfurt (ursprünglicher Verleih: Filmverlag der Autoren)

Festivals

Deutscher Filmpreis 1974: Filmband in Gold, Beste Darstellerin,; Uraufführung auf dem Internationalen Filmfestival Cannes 1974

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