Filmplakat Bal - Honig

Bal - Honig

Türkei, Deutschland 2010

Ein kleines Meisterwerk des filmischen Erzählens mit Bildern und Tönen anstelle von Action, Tricktechnik oder geschliffenen Dialogen. Der Preisträgerfilm des Goldenen Bären 2010 in Berlin erzählt mit märchenhaft poetischen Bildern und ganz aus der Augenhöhe des verschüchterten sechsjährigen Yusuf eine tragisch endende, doch sehr enge und intensive Vater-Sohn-Beziehung, die sich im waldreichen anatolischen Hochland im Norden der Türkei abspielt.

Originaltitel

Bal

Genre

Drama

Klassenstufe

ab 3. Klasse

Altersempfehlung

ab 8 Jahre

Unterrichtsfächer

Deutsch, Gemeinschafts- und Sozialkunde, Erdkunde, Religion/Ethik, Biologie, Kunst und Medienpädagogik

Themen

Familie, Schule, Armut, Erwachsenwerden, Lernen, Kindheit/Kinder, Land(schaft), Umwelt

Kinostart

09.09.2010

Inhalt


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Der knapp siebenjährige Yusuf lebt mit seinen Eltern in den waldreichen Bergen des ostanatolischen Hochlands im Nordosten der Türkei. In der Schule tut sich der Junge mit dem Lesen besonders schwer und auch sonst bleibt er meistens stumm und zurückgezogen, kann sich am besten flüsternd verständigen. Umso mehr bewundert Yusuf seinen ebenfalls wortkargen Vater, der als Imker tätig ist und den Honig aus Bienenstöcken holt, die er in schwindelnder Höhe in den Baumwipfeln bestimmter Bäume anbringt. Yusuf hängt sehr an seinem Vater, den er manchmal in die Wälder begleiten darf und der ihn in die Geheimnisse der Natur und des Lebens einweiht. Wegen eines unerklärlichen Bienensterbens ist der Vater jedoch gezwungen, seine Bienenstöcke in einer abgelegenen Gebirgsregion aufzustellen. Als er von dort nicht zurückkehrt, fasst der Junge seinen ganzen Mut zusammen und macht sich auf die Suche nach dem Verschollenen.

Umsetzung


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Der Preisträgerfilm des Goldenen Bären auf der Berlinale 2010 war wegen seiner beschaulichen, dabei sehr poetischen, mitunter auch märchenhaften Erzählweise sowie durch den Fokus auf die Erlebnis- und Erfahrungswelt eines kleinen Jungen für einen Teil des Fachpublikums schwer zugänglich. Für andere wiederum wurde er schnell der Geheimtipp für den Hauptpreis und sicher einer der schönsten Filme des Festivals. Erzählt wird die ungewöhnliche Geschichte häufig in starren Kameraeinstellungen, bei denen die Protagonisten sich aus dem Bild hinein- und wieder hinausbewegen, aber auch anhand von zahlreichen Nah- und Großaufnahmen des Jungen und konsequent aus dessen Augenhöhe. Das Schicksal des Vaters wird bereits in der Eingangssequenz angedeutet, der überwiegende Rest des Films erfolgt in Rückblenden, die in ein offenes Ende münden. Eine atmosphärisch dichte Geräuschkulisse mit sparsamen Dialogen sorgt für zusätzliche Intensität und wird zusammen mit den Bildern zum Musterbeispiel für filmisches Erzählen, das nicht durch Ablenkung und Zerstreuung, sondern durch Konzentration, Schönheit und emotionale Tiefe gekennzeichnet ist.

Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit


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Obwohl allein schon seiner Länge wegen nicht als Kinderfilm intendiert, werden sich Kinder im Grundschulalter dennoch eher mit Yusuf identifizieren können als Jugendliche, die diese Lebensphase bereits hinter sich gebracht haben. Denn es geht in der Geschichte stark um zentrale Themen aus ihrem Lebensalltag, um die behutsame erste Ablösung vom Elternhaus, die Suche nach Freunden und nach Anerkennung in der Gruppe, den Umgang mit typischen Grundschulproblemen und vor allem mit eigenen Ängsten. Weitere Anknüpfungspunkte bieten bei entsprechender Vorbereitung auch die Begegnung mit Lebenswelten von Kindern in anderen Ländern im Vergleich zu den eigenen, die Imkerei, die Naturverbundenheit und das einfache Leben auf dem Land, das vielen Kindern hierzulande nicht geläufig sein dürfte. Mit zunehmendem Alter treten dann weniger die angesprochenen Themen und Konflikte als die filmische Umsetzung in den Vordergrund, was dann besonders wichtig wird, wenn es um die Reflexion eingeschliffener Sehweisen und um Formen des filmischen Erzählens geht, die diesen Sehgewohnheiten zuwiderlaufen, für die Vermittlung bestimmter Themen und Gefühlshaltungen aber unerlässlich sind.

Veranstaltungen


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Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.

Autor: Holger Twele, 03.07.2010, letzte Aktualisierung: 29.09.2016

Regie

Semih Kaplanoğlu

Buch

Semih Kaplanoğlu, Orçun Köksal

Darsteller/innen

Bora Altaş, Erdal Beşikçioğlu, Tülin Özen u. a.

Länge

103 Min

Sprachfassung

deutsche Fassung / Originalfassung mit deutschen Untertiteln

Format

35mm

FSK

ab 6 Jahre

Verleih

Piffl Medien

Festivals

Internationale Filmfestspiele Berlin 2010: Goldener Bär

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