Filmplakat zu "Beyond Punishment"

Beyond Punishment

Deutschland 2014

Für gewöhnlich treffen Täter, Opfer und die Angehörigen beider Parteien lediglich im Gerichtssaal aufeinander, wo kein Raum für einen persönlichen Dialog vorgesehen ist. Ausgehend von der US-Initiative „Restorative Justice“, die Täter und Opfer zusammenführt, stellt Hubertus Siegert drei Mordfälle in den USA, Norwegen und Deutschland vor und lässt sowohl die Täter als auch die Hinterbliebenen der Opfer zu Wort kommen. So entsteht ein einfühlsamer Dokumentarfilm, der die Psyche beider Seiten auslotet.

Originaltitel

Beyond Punishment

Genre

Dokumentarfilm

Klassenstufe

ab 10. Klasse

Altersempfehlung

ab 15 Jahre

Unterrichtsfächer

Ethik, Recht, Psychologie, Deutsch, Englisch, Religion

Themen

Täter, Opfer, Schuld (und Sühne), Trauer/Trauerarbeit, Recht und Gerechtigkeit, Strafvollzug, Ethik, Gemeinschaft, Kriminalität

Kinostart

11.06.2015

Inhalt


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Im Rahmen des Projekts „Restorative Justice“ leitet die frühere US-Richterin Janine Geske einen Gesprächskreis in einem Hochsicherheitsgefängnis in Wisconsin. Hier können Täter und Opfer bzw. Angehörige von Opfern einander begegnen. Der Dokumentarfilmer Hubertus Siegert nahm die Initiative zum Anlass, dem Dialog zwischen Tätern und Opfern anhand von drei Mordfällen in den USA, Norwegen und Deutschland weiter nachzuspüren. Nach einer Streiterei wurde ein 16-Jähriger in New York erschossen. Sein verurteilter Mörder muss 40 Jahre absitzen, beteuert aber seine Unschuld. Die Nichtanerkennung der Tat ist für Mutter und Schwester des Opfers schwer zu verkraften. In Norwegen tötete der junge Stiva seine 16-jährige Freundin aus Eifersucht und musste dafür sechs Jahre ins Gefängnis. Der Vater der Ermordeten trauert bis heute und hat Angst, dem entlassenen Täter zu begegnen. In Berlin forscht Patrick, dessen Vater Gerold von Braunmühl 1986 von einem RAF-Kommando erschossen wurde, nach den Umständen des Attentats.

Umsetzung


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Hubertus Siegert kommentiert die zwischen 2006 und 2014 geführten Interviews und Begegnungen sehr behutsam aus dem Off. Ansonsten gehört die Bühne alleine den Protagonisten/innen, die von existenziellen Gefühlen wie Trauer, Schuld, Vergebung und Wut erzählen. Der Regisseur kommt den Menschen sehr nahe, nimmt zugleich aber die nötige Distanz zum Geschehen ein und verzichtet auf forcierte Dramatik, was sich etwa in der musiklosen Tonspur zeigt. So fallen die gewählten Bildausschnitte sachlich und funktional aus. Eines der wenigen erzählenden Bilder zeigt den reuigen Stiva alleine am Ort einer Mahnwache für seine ermordete Freundin. Zuvor hatte ein Foto den von trauernden Menschen bevölkerten Platz gezeigt, die dem Opfer mit Kerzen gedenken. Die traditionelle Trennung von Opfern, Hinterbliebenen und Tätern wird hier offenkundig. Diese Grenze aufzulösen, gelingt auch Siegert nicht gänzlich. In jedem der drei Fälle entscheidet sich eine der Seiten gegen ein persönliches Treffen, so dass der Dialog nur indirekt über Videobotschaften oder Stellvertreter stattfindet.

Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit


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Eine Analyse der drei Fallbeispiele kann die komplexen Beziehungen zwischen Tätern und Angehörigen erhellen. Welche Positionen nehmen die Parteien jeweils ein? Hier spielen freilich auch ethische Überlegungen eine Rolle. Ist Verzeihung bei einem Mord überhaupt möglich oder käme das, wie eine der Protagonistinnen fragt, einem Verrat am Opfer gleich? Ebenfalls diskussionswürdig sind die teils gravierenden Unterschiede in den Strafsystemen, wobei die Vollzugspraxis in den USA und in Norwegen besonders weit auseinander liegt. Während der (nicht geständige) Mörder von Sean eine Haftstrafe von 40 Jahren absitzt, musste Stiva in Norwegen, wo weltweit die mildesten Strafen vergeben werden, nur sechs Jahre ins Gefängnis und konnte zudem Hafturlaube nehmen. Inwieweit unterstützen oder behindern die unterschiedlichen Justizsysteme das Ziel der Resozialisierung? Hiervon ausgehend kann die Klasse auch die moralische Legitimation von Freiheitsstrafen diskutieren.

Veranstaltungen


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Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.

Autor: Christian Horn, 28.05.2015, letzte Aktualisierung: 09.01.2019

Regie

Hubertus Siegert

Buch

Hubertus Siegert

Länge

103 Min

Sprachfassung

deutsch-englische Fassung, teils untertitelt

Format

digital, Farbe

FSK

ab 12 Jahre

FBW

Prädikat „besonders wertvoll“

Verleih

Piffl Medien GmbH

Festivals

Filmfestival Max Ophüls Preis 2015: Bester Dokumentarfilm; DOK.fest München 2015; nominiert für den deutschen Filmpreis

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