Inhalt
Früher sah der vormalige Bio-Milchbauer Jan Gerdes die Kühe auf seinem Hof zwangsläufig als Produktionsmittel, deren Milcherzeugung die Existenz des Betriebs sicherte. Zwar steigerte der Landwirt sukzessive die Lebensqualität der Rinder, die sein Vater noch konventionell an Ketten hielt, letztlich überwogen aber seine moralischen Bedenken bezüglich einer immer noch nicht artgerechten Tierhaltung. Also verkaufte Gerdes im Jahr 2002 fast seinen gesamten Rinderbestand und gründete gemeinsam mit seiner Partnerin Karin Mück, die als radikale Tierschützerin und -befreierin aktiv war, einen Gnadenhof für ausgemusterte Rinder. Bis zu 45 Tiere verbringen ihren Lebensabend in dem niedersächsischen „Kuhaltersheim“, wo sie der Schlachtung entgehen und „richtig Kuh sein“ können. Inzwischen ist das Projekt als Stiftung organisiert, die sich durch Spenden und die Vermietung von Ferienwohnungen finanziert.
Umsetzung
Der Dokumentarfilmer Marc Pierschel zeigt die Routine auf dem Gnadenhof in beobachtenden Bildern ohne Off-Kommentar. Eine besondere Rolle spielen dabei der Erfahrungsschatz und die Motivation der Protagonisten Jan Gerdes und Karin Mück, die in ausführlichen Gesprächen zu Wort kommen. Zwischen den Interviewaussagen, die oft durch Fotografien veranschaulicht werden, gibt es immer wieder Drohnenflüge über das norddeutsche Deichvorland und musikalisch sanft untermalte Impressionen der frei grasenden Milchkühe. Die beschaulichen Aufnahmen vom Hof kontrastiert Pierschel mit Bildern aus der Massentierhaltung oder von Tierauktionen. Insgesamt wirkt die Machart des regional verankerten Dokumentarfilms zwar etwas betulich, inhaltlich setzt der Film dem Effizienzstreben großer Melk- und Schlachtbetriebe aber eine positive Initiative entgegen.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Der geschilderte Respekt gegenüber den „aussortierten“ Nutztieren kann ein Gespräch über Themen wie Tierschutz, Ökologie und ethische, gesetzliche und wirtschaftliche Aspekte der (Massen-) tierhaltung anregen. Der Film liefert hierzu viele Denkansätze und zeigt als Kontrast den Einsatz moderner Melkroboter oder Versteigerungen leistungsoptimierter Milchkühe. Marc Pierschel verzichtet auf eine direkte Wertung in Kommentarform, bezieht aber beispielsweise durch die emotionale Musik und die Montage Stellung, was eine Analyse dokumentarischer Erzählformen anstoßen kann. Die Episode um Karin Mücks Vergangenheit als radikale Tierschutzaktivistin, die auch Fotos von Tierbefreiungen zeigt, bildet eine gute Grundlage für eine Diskussion über Tierrechte und die ethische Verantwortung der Menschen. Im Biologieunterricht können das Sozialverhalten der Rinder und die Unterschiede zwischen natürlicher und domestizierter Lebensweise besprochen werden.
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Christian Horn
,
05.02.2020
,
letzte Aktualisierung:
06.02.2020
Regie
Marc Pierschel
Buch
Marc Pierschel
Darsteller*innen
Mitwirkende: Jan Gerdes, Karin Mück, Indira Eulner, Karen Duve, Marlies Veen, Ute Hörner, Gabriele Missalla, Matthias Antlfinger
Länge
82 Min
Sprachfassung
deutsche Originalfassung
Format
digital, Farbe
FSK
ab 12 Jahre
Verleih
mindjazz pictures
Festivals
Granit - Hofer Dokumentarfilmpreis 2019