Filmplakat Chinesisches Roulette

Chinesisches Roulette

Bundesrepublik Deutschland, Frankreich 1976

„Ich habe versucht, einen Film zu machen, der die Künstlichkeit, die künstliche Form bis ins Äußerste treibt, um sie hinterher vollkommen in Frage stellen zu können.“ Fassbinders virtuoses Psychodrama hält den Menschen einen schonungslosen Spiegel vor und markiert gleichzeitig sein internationales Debüt mit deutschen und französischen Top-Schauspieler*innen, die sich im fränkischen Schloss Stöckach visuell und verbal faszinierende Schlagabtausche liefern. Zitat: Rainer Werner Fassbinder (aus R.W. Fassbinder: Die Anarchie der Phantasie, Gespräche und Interviews, Fischer Taschenbuch, Frankfurt a.M.1986, S.88 f.)

Genre

Drama

Klassenstufe

ab 11. Klasse

Altersempfehlung

ab 16 Jahre

Unterrichtsfächer

Deutsch, Sozialkunde, Ethik, Kunst, Musik

Themen

Filmgeschichte, Filmsprache, Familie, Entfremdung, Liebe, Macht/Machtgefüge, Manipulation, Opfer-Täter Dynamik, Erwachsenwerden, Rebellion, Psychologie, Rebellion, Gender/Geschlechterrollen, Freundschaft, Filmklassiker

Kinostart

22.04.1977

Inhalt


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Ariane und Gerhard, ein wohlsituiertes Ehepaar mittleren Alters, geben vor, das Wochenende getrennt auf Geschäftsreisen zu verbringen. In Wirklichkeit treffen sie sich mit ihren jeweiligen Affären, Kolbe und Irene, in ihrem Zweitdomizil, einem schlossähnlichen Anwesen. Eingefädelt hat diese unerwartete Zusammenkunft ihre 14jährige, gehbehinderte Tochter Angela, die später mit ihrer stummen Erzieherin Traunitz ebenfalls anreist. Die Paare arrangieren sich in scheinbar heiterer Stimmung und beschließen, das Wochenende wie geplant zu verbringen. Beim gemeinsamen Abendessen zusammen mit der Haushälterin Kast und deren erwachsenem Sohn Gabriel drängt Angela darauf, das Gesellschaftsspiel "Chinesisches Roulette" zu spielen, bei der ein Team versucht durch Fragen zu erraten, an wen von ihnen das andere Team denkt. Das Spiel heizt die explosive Stimmung weiter an und entlädt sich in einem unerbittlichen Finale…

Umsetzung


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Es gibt wenige Filme, die derart artifiziell inszeniert wurden wie Fassbinders Parabel menschlicher (Nicht-)Beziehungen. Die Kamera fungiert hier gleichsam als weitere Hauptdarstellerin. Die Anordnungen und Bewegungen der Schauspieler*innen sind ballettähnlich durchchoreografiert. Der weltbekannte Kameramann Michael Ballhaus verbindet dabei Kamerafahrten, Kamerabewegungen (u.a. der „Ballhaus-Kreisel“) mit entsprechenden (Gegen-) Bewegungen der Schauspieler*innen. Das Publikum wird förmlich magnetisch in dieses Psychodrama hineingezogen – Form und Inhalt sind hier untrennbar miteinander verbunden. Daneben gehören außerdem die typischen Fassbinderschen Rahmungen und Spiegelungen dazu, die nahezu jede Einstellung künstlerisch prägen. Die Musikebene mit Musikstücken von Gustav Mahler, Kraftwerk und dem Score von Peer Raben rundet das ästhetische Gesamtkunstwerk virtuos ab.

Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit


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Trotz des kühlen Schachbrettarrangements wirkt der Film in der Darstellung der Beziehungsgeflechte ungemein dynamisch und spannend. Fassbinders einziger Film mit einer jugendlichen Protagonistin (außer dem nicht mehr verfügbaren Film WILDWECHSEL von 1972) ist ein guter Einstieg, um die Kunst des Filmemachers kennenzulernen. Der Film hinterfragt nachvollziehbar menschliche Beziehungen, ihre alltäglichen Redundanzen und Rituale. Strategien von Nähe und Entfremdung werden dabei aufs Genaueste untersucht. Diese Selbstfindungs- und Erkenntnisprozesse der Filmfiguren können Schüler*innen anregen, über persönliche Beziehungsgeflechte oder auch die Institution Ehe, in Bezug auf die Wahrnehmung nach außen und die tatsächlich gegebene innere Verfassung jeweiliger gesellschaftlicher Paarkonstruktionen nachzudenken. Die Kreativität und Schaffensintensität Fassbinders (allein 1975/76 hat er fünf Spielfilme für Kino und Fernsehen gedreht) sowie seine Begabung, Schauspieler*innen effektvoll und tiefgründig in Verbindung mit einer besonderen Filmästhetik zu inszenieren, kann ebenfalls thematisiert werden.

Veranstaltungen


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Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.

Autor: Dr. Martin Ganguly, 14.05.2020, letzte Aktualisierung: 08.06.2020

Regie

Rainer Werner Fassbinder

Buch

Rainer Werner Fassbinder

Darsteller/innen

Margit Carstensen, Andrea Schober, Alexander Allerson, Ulli Lommel, Anna Karina, Macha Méril, Brigitte Mira, Volker Spengler, Armin Meier u. a.

Länge

86 Min

Sprachfassung

deutsche Originalfassung

Format

35mm. digitalisiert, Farbe

FSK

ab 16 Jahre

Verleih

Deutsches Filminstitut Filmmuseum Frankfurt (ursprünglicher Verleih: Filmverlag der Autoren)

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