Inhalt
Die beiden Protagonisten des Films, der österreichische Bergbauer Christian Bachler und der Wiener Chefredakteur der Wochenzeitung „Falter“, Florian Klenk, lernen sich über eine Auseinandersetzung auf Facebook kennen. Klenk hat ein umstrittenes Schadensersatzurteil gegen einen Bauern gelobt, Bachler sieht darin die Ahnungslosigkeit und Arroganz eines „feinen Pinkels“ aus der „Bobo-Bubble in Wien“. „Wutbauer“ Bachler lädt Klenk in einem viel beachteten Video ein, auf seinem Berghof die Realität des bäuerlichen Lebens kennenzulernen. Klenk ergreift die Chance für eine „Gesellschaftsreportage über das Leben der Bauern im 21. Jahrhundert“, er hilft Bachler sogar dabei, dessen Hof mit einer Crowdfunding-Aktion zu retten. Umgekehrt folgt auch Bachler einer Einladung zum Magazin Falter nach Wien, zwischen beiden entsteht ein respektvoll-freundschaftliches Verhältnis.
Umsetzung
Das gegenseitige Kennenlernen und das anwachsende Interesse der Protagonisten aneinander werden linear und leicht verständlich gezeigt. Aufnahmen von Landschaft und Tieren sowie der Arbeit auf der Alm und des Journalisten vermitteln einen guten Eindruck von der jeweiligen Lebensweise. Zudem kommen beide Protagonisten ausführlich zu Wort, um ihre Haltung (Bachler) und ihren einsetzenden Bewusstseinswandel (Klenk) darzulegen. Die schwierige Situation, in der sich der Bergbauernhof befindet – vor der Zwangsversteigerung – wird von Bachler mit viel Galgenhumor, aber auch mit ehrlichen Aussagen über die eigenen Fehler und Versagensängste begleitet, was der Film einfängt, ohne künstlich zu dramatisieren: Er begleitet das Geschehen und schafft ein Forum für die Meinungsbildung. Er beschönigt nichts, und wenn ein Schwein getötet wird, dann entstehen zwangsläufig drastische Bilder – aber nicht so grausame, wie in industriellen Schlachtbetrieben.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
„Wutbauer“ gegen „Klugscheißer“, Stadt- gegen Landleben, harte bäuerliche Realität gegen Bauernhofromantik aus Kinderbüchern, industrielle Landwirtschaft gegen Kleinbauern, Massenprodukte gegen regionalen Handel – dies sind einige Gegensatzpaare, die der Film aufmacht und die hinterfragt und diskutiert werden können. Wer finanziert die Bauern, wovon können sie leben, auch angesichts schwer nachvollziehbarer politischer Vorgaben? Für Schüler*innen interessant ist der Einfluss digitaler Medien (z. B. Kommunikation über Facebook, Vertrieb über einen Webshop) und die Rolle der Medien in der Verständigung von Stadt- und Landmenschen – warum spenden viele Menschen in kurzer Zeit für den Erhalt eines Bauernhofs? Analysiert werden kann auch, wie das bäuerliche Leben filmisch dargestellt wird, entsteht ein glaubwürdiges Bild? Und wird in der Abfolge und Gewichtung der beiden Protagonisten eine bestimmte Position der Filmemacher erkennbar?
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Dr. Olaf Selg
,
02.09.2022
,
letzte Aktualisierung:
08.09.2022
Regie
Kurt Langbein
Buch
basierend auf dem Buch „Bauer und Bobo“ von Florian Klenk
Darsteller*innen
Mitwirkende: Christian Bachler, Maria Bachler, Florian Klenk u. a.
Länge
88 Min
Sprachfassung
österreichisch, hochdeutsch, teilweise mit Untertiteln
Format
digital, Farbe
FSK
ab 12 Jahre
Verleih
24 Bilder