Inhalt
Der Diktator Anton Hynkel (in der Originalfassung: Adenoid Hynkel) regiert mit totalitärer Gewalt über den Staat Tomanien. Er unterdrückt die jüdischen Menschen des Landes, plant einen Angriff auf das benachbarte Osterlitsch und träumt von der Weltherrschaft. In dieser Zeit kehrt ein jüdischer Barbier nach einer Kriegsverletzung in sein altes Wohnviertel zurück. Während er mit Gedächtnisverlust im Krankenhaus lag, ist sein Viertel ein Ghetto geworden, das von Schlägertrupps der herrschenden Partei terrorisiert wird. Hynkel lässt die Unterdrückung der Juden_Jüdinnen zum Schein für kurze Zeit aussetzen, um Kredite für seine geheimen Kriegspläne zu erhalten. Der Barbier wird derweil herzlich aufgenommen und verliebt sich in die Nachbarin Hannah. Kurz darauf wird er wegen vermeintlichen Landesverrats verhaftet und in ein Konzentrationslager deportiert. Nachdem ihm in geklauter Uniform die Flucht gelingt, wird er mit dem Diktator verwechselt und steht plötzlich als Führer vor der tomanischen Armee, die gerade Osterlitsch überfallen hat.
Umsetzung
DER GROSSE DIKTATOR war Chaplins kommerziell erfolgreichster Film und ist das vermutlich einflussreichste antifaschistische Werk der Filmgeschichte. Die Dreharbeiten begannen kurz nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs, 1940 erschien der Film in den USA mitten in der kontroversen Debatte um einen Kriegsbeitritt. Chaplin kombiniert in einer Doppelrolle seine archetypische Figur des naiven Tramps, hier ein namenloser jüdischer Barbier, mit einer Satire über Hitler und die nationalsozialistische Ideologie. Die Nationalsozialisten werden vor allem durch Verfremdung und Übertreibung lächerlich gemacht: Das betrifft die sprechenden Namen der Figuren, die Propaganda-Reden in einer Kunstsprache („Demokratie: schtonk!“), die visuelle Parteisymbolik und den Führerkult. Unverfremdet bleibt, dass die Ideologie der Nazis rassistisch und antisemitisch ist und eine „arische Volksgemeinschaft“ anstrebt. Mit seiner filmisch pointierten Komik, die vor allem Pantomime und Bild-Ton-Schere effektvoll einsetzt, wird der Film heute vor allem als Blaupause der Hitler-Parodie erinnert.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Der zweite Handlungsstrang hat in der Rückschau weniger Gültigkeit: Auch Chaplin selbst bekannte später in seiner Autobiografie, dass die slapstickartige Darstellung insbesondere des KZ das Grauen der Shoah verharmlost. Vorwissen sollten die Schüler*innen haben, um speziell diese Bilder kritisch einordnen zu können. Für die Vermittlung filmischer Komik und politischer Satire bietet der Film aber weiterhin hervorragendes Material. Hynkels Propaganda-Rede und sein Tanz mit dem Globus eignen sich besonders zur Analyse: Worauf zielt die Komik in der jeweiligen Szene? Und inwiefern machen Verfremdung und Übertreibung die Ideologie der Nazis lächerlich? Der für Chaplin ungewöhnlich direkte Appell am Ende wird retrospektiv nicht nur bewundert. So schrieb der Filmhistoriker David Thomson etwa von einer „peinlichen Predigt“. Doch die Rede des Barbiers hat einen Twist: Die Masse jubelt so, als hätte Hynkel gesprochen, und der Soundtrack greift das Motiv der Globus-Szene wieder auf. Der Schluss des Films bietet mehr Raum zur Interpretation, als es auf den ersten Blick scheint.
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Jan-Philipp Kohlmann
,
01.11.2024
,
letzte Aktualisierung:
05.11.2024
Regie
Charlie Chaplin
Buch
Charlie Chaplin
Darsteller*innen
Charlie Chaplin, Paulette Godard, Jack Oakie, Reginald Gardiner, Henry Daniell, Billy Gilbert, Maurice Moccovitch, Emma Dunn u. a.
Länge
125 Min
Sprachfassung
deutsche Fassung, englische Originalfassung mit deutschen Untertiteln
Format
35mm, Schwarz-Weiß, digitalisiert
FSK
ab 6 Jahre
Verleih
Studiocanal
Festivals
Academy Awards 1941: Nominierungen in den Kategorien Bester Film, Bestes Originaldrehbuch, Bester Hauptdarsteller, Bester Nebendarsteller, Beste Originalmusik; Aufnahme ins National Film Registry der USA 1997