Inhalt
Die junge Schwarze Französin Haby lebt in einem vernachlässigten Pariser Banlieue. In diesem Vorort wohnen vor allem arme und rassifizierte Menschen, die wie eine Familie zusammenhalten. Haby arbeitet in der Verwaltung und setzt sich engagiert für die Bewohner*innen ein. Nach dem plötzlichen Tod des Bürgermeisters wird der weiße Kinderarzt Pierre zu dessen Nachfolger ernannt. Entschlossen, die umstrittene Politik seines Vorgängers fortzuführen, treibt er die Gentrifizierung des Viertels voran – was zu wachsenden Spannungen mit der lokalen Bevölkerung führt. Dabei greift er zunehmend zu harten Maßnahmen und setzt die Polizei gezielt ein, um die Menschen vor Ort zu schikanieren. Auch Habys Freund Blaz und seine Familie geraten ins Visier dieser Angriffe. Haby beschließt, sich Pierre entgegenzustellen, und kandidiert selbst für das Bürgermeister*innenamt. Als ein Brand in einem Wohnhaus ausbricht, nutzt Pierre die Gelegenheit, um noch drastischer gegen die Anwohner*innen vorzugehen – und eskaliert damit den Konflikt endgültig.
Umsetzung
Die emotionale, dynamische und wuchtige Darstellung der Menschen ist ein zentrales Element dieses Films. Die Kamera arbeitet mit eindringlichen Nahaufnahmen. Wie es für ein Banlieue-Drama typisch ist, steht die Inszenierung des Vorortes im Vordergrund: alte, vernachlässigte Hochhäuser, in denen Menschen eingepfercht leben. Drohnenaufnahmen unterstreichen diese Atmosphäre. Die Bilder sind stark und schonungslos in ihrer Darstellung der Unmenschlichkeit. Visuell unterstreichen präzise Kamerafahrten die Demütigung und das Ausharren der Bewohner*innen in entscheidenden Momenten. Das Drama vermittelt ein hautnahes Gefühl und zeigt thematisch als auch optisch einen Kontrast zwischen Welten (reich und arm, weiß und rassifiziert, neu und alt). Bau- und Verkehrslärm betonen die Gentrifizierung in Schlüsselszenen. Die Darstellung erinnert in einigen Szenen an ein Schlachtfeld, was die metaphorische Bedeutung für den Zustand der Welt akzentuiert.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Der Film zeichnet ein eindrückliches Bild der Realität in benachteiligten Pariser Vororten und der damit einhergehenden Diskriminierung. Im Rahmen des Unterrichts können Schüler*innen die Ursachen und Auswirkungen dieser sozialen Ungleichheit analysieren. Ein weiteres zentrales Themenfeld ist die politische Entfremdung. Besonders im Politikunterricht bietet sich die Möglichkeit, die wachsende Kluft zwischen Politiker*innen und der Bevölkerung zu thematisieren. Dabei können Phänomene wie Politikverdrossenheit und die oligarchischen Tendenzen heutiger Demokratien kritisch beleuchtet werden. Darüber hinaus bietet DIE UNERWÜNSCHTEN – LES INDÉSIRABLES reichhaltiges Material zur Analyse der Filmsprache. Die visuelle Gestaltung, die Kameraführung und die Darstellung des Milieus können eingehend untersucht werden. Nicht zuletzt lassen sich anhand des Films die dramaturgischen Eskalationsmechanismen in der Erzählung analysieren.
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Ílyas Ínevi
,
22.02.2025
,
letzte Aktualisierung:
04.03.2025
Regie
Ladj Ly
Buch
Ladj Ly, Giordano Gederlini
Darsteller*innen
Anta Diaw, Alexis Manenti, Aristote Luyindula, Steve Tientcheu, Aurélia Petit, Judy Al Rashi, Muhammad Al Rashi, Djénéba Diallo, Bass Dhem, Jeanne Balibar u. a.
Länge
105 Min
Sprachfassung
französische Originalfassung mit deutschen Untertiteln
Format
digital, Farbe
FSK
liegt noch nicht vor
Verleih
Film Kino Text
Festivals
(Auswahl 2023) San Sebastián International Film Festival: Euskadi Basque Country 2030 Agenda Award; Toronto International Film Festival: Weltpremiere in der Sektion Special Presentations; Festival du film de Zurich