Filmplakat Fritz Bauers Erbe - Gerechtigkeit verjährt nicht

Fritz Bauers Erbe - Gerechtigkeit verjährt nicht

Deutschland 2022

Fritz Bauer war in den 1960er Jahren ein Vorkämpfer für eine juristische Neuausrichtung der Verfolgung von NS-Täter*innen. Erst langsam hat sich seine Sichtweise etabliert, dass der Nachweis einer direkten Beteiligung an der systematischen Ermordung von Menschen für eine Bestrafung nicht erforderlich ist. Der Film begleitet zwei Prozesse gegen noch lebende Täter unter besonderer Berücksichtigung der juristischen Fragen und der Perspektiven der beiden Holocaustüberlebenden Judith Meisel und Roza Bloch.

Genre

Dokumentarfilm

Klassenstufe

ab 10. Klasse

Altersempfehlung

ab 15 Jahre

Unterrichtsfächer

Geschichte, Politik, Sozialkunde, Recht, Deutsch, Ethik, Religion

Themen

(deutsche) Geschichte, Holocaust, Genozid, Konzentrationslager, Tod/Sterben, Nationalsozialismus, Werte, Recht und Gerechtigkeit, Gesetzgebung, Strafe, Justiz, Täter, Politik, Gesellschaft

Kinostart

02.02.2023

Inhalt


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Der hessische Generalstaatsanwalt Fritz Bauer war in den 1960er Jahren ein Vorkämpfer für eine juristische Neuausrichtung der Verfolgung des Personals in NS-Konzentrationslagern: Der Nachweis einer direkten Beteiligung an einer Einzeltat sei seiner Ansicht nach bei einer offensichtlich systematischen Massentötung von Menschen für eine Bestrafung nicht erforderlich. Die deutsche Rechtsprechung und Öffentlichkeit waren lange nicht bereit, dieser Auffassung zu folgen. Viele tausende Täter*innen konnten somit der Strafverfolgung entgehen oder erhielten milde Urteile. Inzwischen hat sich Bauers Sichtweise jedoch etabliert. Der Film begleitet die überlebenden Judith Meisel und Roza Bloch sowie Angehörige und Anwälte bei dem Versuch, mit Prozessen gegen einige der noch lebenden Täter sowohl der Gerechtigkeit als auch der Abschreckung und Aufklärung mit Blick auf die Zukunft Genüge zu tun.

Umsetzung


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Entlang zweier Prozesse aus den Jahren 2018/19 und 2020 bilden Interviews mit beteiligten Personen den Schwerpunkt des Films. So wird einerseits die Entwicklung bzw. Wandlung der rechtlichen Sichtweise seit den 1960er Jahren durchaus anspruchsvoll und komplex, letztendlich aber nachvollziehbar und als Lehrstück deutscher Schuldbewältigung dargestellt; zu Wort kommen u. a. Staatsanwaltschaft, Rechtsanwält*innen und Rechtswissenschaftler*innen. Andererseits werden die überlebenden Lagerinsassinnen Judith Meisel und Roza Bloch sowie ihre sie unterstützenden Angehörigen in Deutschland, Israel und den USA mit der Kamera begleitet. Die erschütternden Erinnerungen der beiden Frauen an ihre Erlebnisse in den Konzentrationslagern und ihre vagen Hoffnungen auf die Verurteilung der Täter bilden den emotionalen Kern des Films.

Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit


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Der Film wirft grundlegende ethisch-moralische und rechtliche Fragen auf, seine Besonderheit ist die Vermittlung des Wandels von juristischen Wertungen. Kommen die Prozesse nicht viel zu spät, gerade mit Blick auf die wenigen Täter*innen, die jetzt noch verurteilt werden können – und warum hat es so lange gedauert, bis sie angeklagt werden? Wurden Prozesse früher bewusst verschleppt? Warum greift die Rechtsauffassung, dass eine konkrete Einzelschuld für die Mittäterschaft nicht mehr nachgewiesen werden muss, erst jetzt in den Gerichten und ist diese Position richtig oder falsch? Warum werden alte Menschen überhaupt noch angeklagt und wie konnten die Täter mit ihrer Schuld so lange weiterleben? Welche filmischen Mittel werden eingesetzt, um die komplexen Inhalte nachvollziehbar zu vermitteln? Neben den konventionellen Interviewtechniken können die Wandprojektionen von historischen Aufnahmen besprochen werden, die versinnbildlichen, wie sich die Ereignisse in die Geschichte eines Landes einschreiben.

Veranstaltungen


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Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.

Autor*in: Dr. Olaf Selg, 23.01.2023, letzte Aktualisierung: 29.01.2024

Regie

Sabine Lamby, Cornelia Partmann, Isabel Gathof

Buch

Sabine Lamby, Cornelia Partmann, Isabel Gathof

Darsteller*innen

Mitwirkende: Dr. Stefan Lode, Dr. Christoph Rückel, Roza Bloch, Judith Meisel, Ben Cohen, Michael Cohen u. a.

Länge

98 Min

Sprachfassung

Originalfassung in Deutsch und Englisch, mit deutschen Untertiteln

Format

digital, Farbe

FSK

ab 12 Jahre

FBW

Prädikat "besonders wertvoll"

Verleih

Real Fiction

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