Inhalt
Estela, eine junge mexikanische Migrantin, erreicht das Restaurant „The Grill“ am New Yorker Times Square. Dort trifft sie auf Pedro, einen Koch, den sie noch aus ihrer Kindheit kennt. Er hilft ihr, Teil des eingeschworenen Teams der hektischen Küche zu werden. Pedro, ebenfalls aus Mexiko und ohne gültige Papiere, träumt von einem besseren Leben und hofft darauf, dass der Restaurantbesitzer Rashid ihn bei der Legalisierung seines Aufenthalts unterstützt. Die Küche wird zu einem Mikrokosmos, der von Konflikten, Träumen und existenziellen Unsicherheiten geprägt ist – verstärkt durch einen omnipräsenten rassistischen und gnadenlosen Kapitalismus. Der rebellische Pedro liebt die weiße Kellnerin Julia abgöttisch, doch sie sieht keine gemeinsame Zukunft mit ihm. Als plötzlich Geld aus der Kasse verschwindet, geraten die Arbeiter*innen unter Verdacht. Der steigende Druck entlädt sich schließlich in einer Verzweiflungstat Pedros.
Umsetzung
Humorvoll, aber ungeschönt, wirft der Film einen Blick hinter die Kulissen eines Restaurants. Die Schwarz-Weiß-Ästhetik lässt die Bilder wie einen Blick in die Vergangenheit erscheinen, obwohl die Handlung in der Gegenwart spielt. Die Küchenwelt wirkt dadurch zeitlos. Sie ist eine eigene Welt, ein Raum mit eigenen Regeln – real, aber zugleich jenseits der gewöhnlichen Gesellschaft. Die Darstellung ist geprägt von fabrikartiger Enge und einem gefängnisähnlichen Charakter. Die Handlung konzentriert sich fast ausschließlich auf die Küche und ihre unmittelbare Umgebung. Gerade durch diese räumliche Beschränkung entsteht eine erzählerische Kraft, die das Fundament des Theaterstücks klar erkennen lässt, auf dem der Film basiert. Die Kameraarbeit besticht durch ausgedehnte Kamerafahrten und intensive Detailaufnahmen, die Montage durch kaum spürbare Schnitte. Es entsteht ein Gefühl von Verlorensein – verloren in der Sprache, verloren in der Liebe und verloren in einer entfremdeten Welt.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Der Film fokussiert in seiner Inszenierung die Themen Migration und Arbeit. Die Küche als isolierter Raum spiegelt die Lebensrealität vieler Migrant*innen wider, die oft unsichtbar im Hintergrund der Gesellschaft tätig sind. Die Schüler*innen können analysieren, wie durch lange Kamerafahrten, detailreiche Nahaufnahmen und die ständige Bewegung der Kamera die Zerrissenheit und psychische Belastung der Figuren zum Ausdruck kommen. Besprechenswert ist auch der Mythos des American Dreams: Die Hoffnung auf ein besseres Leben scheitert. Dies wird verstärkt durch die dokumentarische Schwarz-Weiß-Ästhetik. Pedro, der Hauptcharakter, bricht das Latin Lover-Stereotyp durch seine Verletzlichkeit und seinen Selbsthass. Wie wird die Küche als Sinnbild eines kapitalistischen Räderwerks inszeniert, das durch Monotonie und Dynamik geprägt ist? Migrant*innen sind hier mit Entfremdung und dem Verlust ihrer Identität konfrontiert, wobei Assimilation und Rebellion als Formen des Widerstands gleichermaßen scheitern.
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Ílyas Ínevi
,
17.12.2024
,
letzte Aktualisierung:
19.12.2024
Regie
Alonso Ruizpalacios
Buch
Alonso Ruizpalacios, basierend auf dem Theaterstück The Kitchen von Arnold Wesker
Darsteller*innen
Raúl Briones Carmona, Rooney Mara, Anna Díaz, Motell Gyn Foster, Laura Gómez, Oded Fehr, Eduardo Olmos, Soundos Mosbah, James Waterston, Lee Sellars, Spenser Granese, Bernardo Velasco u. a.
Länge
140 Min
Sprachfassung
deutsche Fassung, Originalfassung in Englisch und Spanisch mit deutschen Untertiteln
Format
digital, Schwarz-Weiß
FSK
ab 16 Jahre
Verleih
Square One Entertainment
Festivals
(2024, Auswahl) Berlinale, Wettbewerb; Evolution Mallorca International Film Festival: Betste Regie, Beste Kamera; Semana Internacional de Cine de Valladolid