Inhalt
Beate, eine Chemikerin aus Ost-Berlin, und ihr iranischer Ehemann Omid, ein in der DDR lebender kommunistischer Gegner des Schah-Regimes, entschließen sich, nach dem Sturz der Monarchie 1979 zusammen mit ihrer achtjährigen Tochter Sarah in den Iran zu übersiedeln. Voller Hoffnung auf Freiheit und Demokratie scheinen sie im Land des Aufbruchs privat wie beruflich zunächst auch Fuß zu fassen. Doch vor allem Beate muss bald gewärtigen, dass nach Ajatollah Chomeinis Rückkehr für sie das Leben in der neuen islamischen Republik von Bekleidungsvorschriften über rigide Geschlechtertrennung bis hin zu Erziehungs- und Moralfragen zunehmend unerträglicher wird. Als Zeitungsredakteur und Autor eines Anti-Imam-Artikels gerät auch Omid mehr und mehr politisch in Konflikt mit den herrschenden radikal-islamischen Kräften. Nachdem Beate die jetzt streng islamisch ausgerichtete Erziehung ihrer Tochter und die Erschießung einer Freundin durch die Revolutionsgarden auf offener Straße mit erlebt, entschließt sie sich, mit ihrem Kind in die DDR zurückzukehren. Das geht nicht ohne tätige Mithilfe ihres zurückbleibenden Mannes, der für seine Aussagebereitschaft gegenüber den Revolutionswächtern einen hohen Preis zahlt.
Umsetzung
Getragen vom Spiel seiner Hauptdarsteller*innen macht das auf wahren Begebenheiten beruhende Langfilm-Debüt den Prozess, wie es 1979 nach der Entmachtung des Schahs zur Machtergreifung der Mullahs kam, im Fokus eines familiären, von Politthriller-ähnlichen Elementen durchzogenen Dramas mit präzisem historischen Blick sichtbar. Dabei konzentriert sich die Erzählperspektive auf die Frauenfiguren und deren Freiheitsverluste durch die „Islamische Revolution“. Stimmig eingebundenes Archivmaterial, TV-Ausschnitte sowie Amateuraufnahmen aus der Zeit ergänzen die Spielszenen und führen zu einer quasidokumentarischen Anmutung. Die nah bei den Figuren bleibende Kamera, Setting, Ausstattung und Bildkomposition erzeugen eine sehr authentisch wirkende Atmosphäre. Die zurückhaltende Visualisierung ermöglicht es den Zuschauer*innen, den Prozess der Veränderung und die damit einhergehenden Erschütterungen im Öffentlichen wie im Privaten weitgehend fern von Klischees und überzogener Dramatik wahrzunehmen.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Der Film bietet Heranwachsenden 40 Jahre nach den Ereignissen um die Machtergreifung der Mullahs Möglichkeiten einer Vergegenwärtigung von Vergangenheit, die das Leben im Iran und anderen radikal-islamischen Ländern bis heute nachhaltig prägt. Themen wie Scharia, Geschlechterseparation, patriarchale Macht, Frauendiskriminierung und ideologisch-religiöse Bevormundung dürften älteren Schüler*innen aus aktuellen Medien und Diskussionen nicht ganz unvertraut sein. Durch die filmisch gelungene Verzahnung von Dokumentarischem und Inszeniertem erschließt sich der Erzählrahmen, wie ein zunehmend totalitärer agierendes System in die Lebenswelt eindringt und die Zukunftshoffnungen einer multikulturellen Familie allmählich zunichte macht. Das besondere Familiennarrativ, die stringente Inszenierung einer durch die gesellschaftspolitischen Verhältnisse sich entfremdenden deutsch-iranische Familie, die Zeichnung der starken Frauenrollen und nicht zuletzt die Darstellung des Konflikts um die Erziehung des Kindes eröffnen vielfältige Annäherungsmöglichkeiten an das Sujet.
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Reinhard Middel
,
28.10.2019
,
letzte Aktualisierung:
15.05.2020
Regie
Hossein Pourseifi
Buch
Hossein Pourseifi
Darsteller*innen
Katrin Röver, Reza Brojerdi, Majid Bakhtiari, Luzie Nadjafi, Zahra Amir Ebrahimi u. a.
Länge
97 Min
Sprachfassung
deutsche Fassung, Passagen in persischer Sprache mit deutschen Untertiteln
Format
digital, Farbe
FSK
ab 12 Jahre
FBW
Prädikat "besonders wertvoll"
Verleih
Little Dream Entertainment
Festivals
Tallinn Black Nights Film Festival 2019, Filmfest Hamburg 2019, Film Festival Cologne 2019