Filmplakat Oray

Oray

Deutschland 2019

Der Debütfilm gewährt Einblicke in eine Welt, die mitten unter oder auch neben uns existiert: Oray, ein junger Muslim aus Hagen, der im Streit mit seiner Ehefrau Burcu die islamische Scheidungsformel „talaq“ ausgesprochen hat und sich nach islamischem Gesetz deshalb für drei Monate von ihr trennen soll, zieht nach Köln. Der strenge Imam der dortigen Gemeinde fordert jedoch, dass er sich dauerhaft von ihr scheiden lässt. Oray muss sich entscheiden, ob er ein Leben in der neuen Gemeinde oder mit Burcu führen will.

Genre

Drama

Klassenstufe

ab 9. Klasse

Altersempfehlung

ab 14 Jahre

Unterrichtsfächer

Religion, Ethik, Sozialkunde, Politik, Deutsch

Themen

Islam, Glaube, Religion/Religiosität, Ethik, Werte, Identität, Gender/Geschlechterrollen, Integration, Toleranz, Intoleranz, Migrationsgesellschaft, Liebe, Scheidung

Kinostart

30.05.2019

SchulKinoWochen

Inhalt


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Oray, der in der muslimischen Gemeinde von Hagen seine Freunde hat und mit Ehefrau Burcu in einer bescheidenen Wohnung lebt, spricht ihr nach einem Streit erzürnt die islamische Scheidungsformel „talaq“ auf die Mailbox. Nachdem er vom Imam unterwiesen worden ist, dass er sich nach islamischem Gesetz bei nur einmaligem Aufruf der Formel für drei Monate von seiner Frau trennen müsse, nutzt er die Zwangspause für einen Umzug nach Köln, um sich dort auf die Zeit mit ihr danach vorzubereiten. Bekannte vermitteln ihm eine Wohngelegenheit und einen Job. Bald schon findet er Anschluss an eine neue Gemeinde, engagiert sich dort und predigt. Als Burcu ihren Mann überraschend besucht, versichern sie sich ihrer Liebe. Der junge Imam der Gemeinde, der eine strenge Auslegung des islamischen Rechts vertritt, nährt bei Oray jedoch Zweifel, ob er das Scheidungswort im Zorn nicht doch mehrfach ausgesprochen hat. Unmissverständlich fordert er, sich in diesem Falle dauerhaft von seiner Frau zu trennen. Oray muss sich entscheiden, ob er ein Leben in der Gemeinde oder mit Burcu führen will.

Umsetzung


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Angesiedelt im muslimischen Mikrokosmos, getragen von Darsteller*innen und Figuren mit migrantischem Hintergrund, allen voran von Zejhun Demirov in der Titelrolle, vermittelt der Debütfilm einen ungewöhnlich authentischen wie auch differenzierten Einblick in eine Lebenswelt, die mitten unter oder auch neben uns existiert. Die fast dokumentarisch anmutende Inszenierung verdankt sich präzise sondierenden Kameraeinstellungen, pointierten und dennoch ganz alltäglich wirkenden Dialogen sowie szenischen Arrangements, die Milieu und Charaktere fernab medienübergreifender Darstellungsklischees abbilden. Mit seiner ambivalent gezeichneten, auf nahezu tragische Weise einen existenziellen Konflikt durchlebenden Titelfigur exponiert der Film einen schwierigen, zugleich identifikationsstarken „Helden“. Als gläubig-muslimischer Mann ist er einem konservativem Weltbild und religiösem Wertesystem verbunden, ohne ein blindwütiger Fanatiker zu sein – dessen Begrenzungen vermag er gleichwohl nicht zu überwinden.

Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit


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Über die Analyse der Titelfigur und die Erarbeitung des gut sichtbar werdenden Konflikts zwischen Glaube und Liebe können Schüler*innen einen neuen, klischeefreien Blickwinkel auf alltäglich gelebte islamische Religion und ihre strikten Regeln gewinnen. Unterstützt werden kann das beispielsweise durch die Untersuchung der immer wieder auch Ambivalenzen einfangenden Kameraarbeit mit großen und langen Einstellungen auf die Hauptfigur, wodurch ihre ruhende Kraft im Auftreten nach außen und ihr zugleich unruhiger, innere Zerrissenheit spiegelnder Blick anschaulich werden. Dabei vermag die Differenziertheit des Films sowohl muslimische als auch nichtmuslimische oder gar muslimkritische Lerngruppen anzusprechen, lässt sich doch anhand exemplarischer Episoden zeigen, dass Religion etwas sein kann, das Kraft gibt, freimacht und gleichzeitig Druck ausübt, einengt. In diesem Zusammenhang kann man im Unterrichtsgespräch auch die die Erzählung vorantreibende Form der Ehescheidung und das darin zum Ausdruck kommende Geschlechterverhältnis diskutieren und bewerten.

Veranstaltungen


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Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.

Autor: Reinhard Middel, 24.05.2019, letzte Aktualisierung: 16.11.2020

Regie

Mehmet Akif Büyükatalay

Buch

Mehmet Akif Büyükatalay

Darsteller/innen

Zejhun Demirov, Cem Göktaş, Deniz Orta, Faris Yüzbaşıoğlu, Mikael Bajrami, Fırat Barış Ar, Kais Setti, Ferhat Keskin, Şahin Eryılmaz u. a.

Länge

102 Min

Sprachfassung

deutsche Fassung, originalsprachliche Passagen mit deutschen Untertiteln

Format

digital, Farbe

FSK

ab 12 Jahre

FBW

Prädikat "besonders wertvoll"

Verleih

déjà-vu film

Festivals

First Steps Award 2018, Darstellerpreis für Zejhun Demirov; 69. Internationale Filmfestspiel Berlin 2019, GWFF Preis für den besten Erstlingsfilm

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