Inhalt
Die 17-jährige Johanne erinnert sich nach einem Jahr an die große Verliebtheit in ihre Lehrerin Johanna und wie sie diese Gefühle in einem Manuskript bewahren wollte: Die Sehnsucht, Fantasien, Zweifel, Eifersucht, imaginierte Nähe und doch Zurückweisung. Sie überwindet ihre Scham und lässt ihre Großmutter den Text lesen, die ihn wiederum auch an Johannes Mutter weitergibt. Die beiden Frauen sind zunächst schockiert über die expliziten Beschreibungen und hinterfragen ihre eigenen Träume und Sehnsüchte von Liebe, Sexualität und gelungenem Leben. Letztlich sind sie begeistert und stolz und denken über eine Romanveröffentlichung nach. Dafür muss auch die Lehrerin den Text lesen und freigeben und diese hat wiederum ihre ganz eigene Meinung dazu. Der Roman wird ein Debut-Erfolg. Doch Johanne fühlt sich danach leer. Sie kann jedoch ihre alte Liebe nun loslassen und sich frei für Neues entscheiden.
Umsetzung
Die Liebe der Hauptfigur zur Poesie, die ihrer Selbstfindung dienen soll, spiegelt sich in deutlich stilisierten poetischen Bildern von der Großstadt mit Hochhäusern, Treppen, Fluren, Licht/Dunkel. Dies kontrastiert mit engen Innenansichten von Johannes Räumen und der Waldnatur. Intellektualität, Selbstreflexion und das Bemühen um Kontrolle im Voice-Over Johannes münden in beinahe haptische Gefühlsbilder: Das Anprobieren von Wollpullovern in Großaufnahmen scheint den erotischen Akt zwischen Lehrerin und Schülerin zu ersetzen, auf eine sehr unaufdringliche Art. Der Gefühlsebene entsprechen auch der Tanz als Johannes Hobby und Choreografien bis hin zum einzigen echten Traum der Großmutter vom Aufstieg auf der Himmelsleiter. Natur und Kunst oder Fürsorge von Klassenkameradinnen weisen ebenso neutral auf Möglichkeiten eines guten Lebens wie all die offenen Gespräche der Figuren untereinander.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
TRÄUME bietet unmittelbar Diskussionsstoff zu erster Liebe, sexuellem Erwachen und Sehnen. Sie erweitert den Rahmen vom Coming-of-Age zu Generationenunterschieden gleicher Themenspektren bis hin zu Zugehörigkeit, Identität und Selbstbestimmung. Die Selbstbekenntnisse des sprechenden Ich im Voice-Over verweisen in ihrer Offenheit und Empfindsamkeit auf ähnliche Äußerungen wie z. B. in Goethes „Leiden des jungen Werther“ u. a. Die sehr dichte Erzählweise des Plots und der Figurenkonstellation lassen sich mit Werken aus Literatur und Bildender Kunst vergleichen. Die Bildsprache insbesondere der Treppen, der Choreografie, des Strickens lädt zu metaphorischen Assoziationen zu Gefühlen ein und damit zu eigener kreativer Umsetzung z. B. in Bildender Kunst, Fotografie, Dichtung: Inwieweit lassen sich Gefühle von Scham, Einsamkeit, Leere und Bewertungsangst sehr persönlich und/oder allgemein gesellschaftlich beobachten und wiedergeben?
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Cornelia Hermann
,
29.04.2025
,
letzte Aktualisierung:
14.07.2025
Regie
Dag Johan Haugerud
Buch
Dag Johan Haugerud
Darsteller*innen
Ella Øverbye, Selome Emnetu, Anne Marit Jacobsen, Anne Dahl Torp u. a.
Länge
110 Min
Sprachfassung
deutsche Fassung, norwegische Originalfassung mit Untertiteln
Format
digital, Farbe
FSK
ab 6 Jahre
Verleih
Alamode Film
Festivals
Berlinale 2025: Goldener Bär, FIPRESCI-Kritikerpreis, Gilde Filmpreis