Inhalt
Fast scheint es, als würde die russische Familie die perfekte Ordnung in ihrer karg eingerichteten Wohnung der schwedischen Einwanderungsbehörde nur vorspielen. Doch die Assimilation ist echt, und die beiden Töchter suchen schon vorfreudig neue Namen als schwedische Neubürgerinnen. Umsonst. Abschiebung droht, weil der Vater für politische Verfolgung keine Beweise vorlegen kann. Als einzige Zeugin eines Anschlags auf ihn soll seine jüngere Tochter nun für ihn aussagen. Sie fällt jedoch ins Koma, das sogenannte Resignationssyndrom, das bei Kindern mit traumatisierenden Fluchterfahrungen häufig auftritt. In der Klinik dürfen die verzweifelten Eltern sie nur lächelnd und mit guten Nachrichten besuchen. Der Druck richtet sich nun ganz auf die ältere Tochter, die eine einstudierte Aussage leisten soll. Die Täuschung fliegt auf, und auch sie fällt ins Koma. Eine Lösung deutet sich erst an, als es den Eltern gelingt, ihr Leben mit nachbarschaftlicher Hilfe wieder in die eigenen Hände zu nehmen.
Umsetzung
In stilisierten, streng choreografierten Bildtableaus versinnbildlicht der Film die Absurdität der Situation für eine Familie, in deren Leben Unterordnung die einzige Konstante ist. Das Bemühen um Anpassung zeigt sich in starren Symmetrien und Körpersprache. Die grau, braun, weißen Farbtöne, sowie elektronische Geräusche und Gerätschaften betonen deutlich das Ausgeliefertsein. Das thematisierte Resignationssyndrom erscheint ebenso rätselhaft wie das sonderbare Verhalten der Behörden- und Krankenhausmitarbeiter*innen, mit denen die Familie konfrontiert wird. Die Distanz und Kälte des Systems setzen sich mehr und mehr in die Familie fort. So gibt es keinen Ausweg mehr als die totale Erstarrung für die beiden Kinder. Erst freie Bewegungen als Spiegel eigener neuer Entscheidungen der Eltern lösen die durchgängige Grundspannung und führen in Selbstermächtigung und empathische Verantwortung.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Über den medizinischen Befund der beiden Patientinnen wird kaum etwas erklärt. Deshalb kann eine kurze Web-Recherche zum sog. Resignationssyndrom den Background des Falles sachlich glaubwürdig untermauern. Wichtiger erscheint das Hinterfragen von politischer Macht und Verantwortung zu Aufenthaltsgenehmigungen bzw. Abschiebungen in Medienrecherche und -erörterung. Nahe liegt ein Austausch über die Gefühle der Schüler*innen nach der Sichtung: zum soziopolitischen Kontext des Films und zu eigenen Erfahrungen mit Machtstrukturen in ihrem persönlichen Umfeld. Was entlarvt sich hinter eingefahrenen fürsorglichen Fassaden, Regeln und Rollen? Ergänzend dazu eignet sich die filmästhetische Analyse von Farb-, Bild- und Tongestaltung; auch eventuell von Vergleichsfilmen zu Machtstrukturen z.B. von Ruben Östlund, Michael Haneke oder Jessica Hausner.
Hinweise
Inhaltsvermerk: Der Film thematisiert psychische und physische Gewalt.
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Cornelia Hermann
,
21.03.2025
,
letzte Aktualisierung:
31.03.2025
Regie
Alexandros Avranas
Buch
Stavros Pamballis, Alexandros Avranas
Darsteller*innen
Chulpan Khamatova, Grigoriy Dobrygin, Naomi Lamp, Miroslava Pashutina u. a.
Länge
91 Min
Sprachfassung
deutsche Fassung mit englischen, schwedischen, russischen Passagen mit Untertiteln
Format
digital, Farbe
FSK
ab 12 Jahre
Verleih
Wild Bunch Germany
Festivals
(2024) Intern. Filmfestspiele von Venedig; Filmfest Hamburg; Nordische Filmtage Lübeck: Publikumspreis; Festival de Sevilla; Geneva Internationales Filmfestival: Future Is Sensible Award