Inhalt
Gyllen und William begegnen sich in einem Moment des Stillstands. Der 18-jährige Engländer Gyllen ist mit dem Wohnmobil, das er seinem Stiefvater während des Familienurlaubs „entliehen“ hat, an einer einsamen Straße liegengeblieben. Dort trifft er William, der schon viele Kilometer zurückgelegt hat und nun in Marokko vor nahezu unüberwindbaren Hürden steht: Passkontrollen an der Grenze zu Spanien, das Mittelmeer. Der junge Mann aus dem Kongo sucht seinen Bruder, der sich zuletzt aus Calais gemeldet hat. Nach Frankreich, zu seinem Vater, will auch Gyllen und so machen sich die beiden gemeinsam auf den Weg. Auf ihrer abenteuerlichen Reise von Marokko über Spanien bis in die Normandie stellen die Jungen fest, dass sie trotz ihrer unterschiedlichen Herkunft und Erfahrungen mehr eint als trennt. Und sie merken, dass sie Verantwortung für sich und andere übernehmen müssen.
Umsetzung
Der Filmtitel sagt es schon: „Roads“ ist ein klassisches Roadmovie, bei dem man quasi mit im Bus sitzt. Vor allem erzählt der Film aber von Freundschaft und Erwachsenwerden. Regisseur Sebastian Schipper ist voller Empathie für seine jungen Hauptfiguren, deren Weltsicht und Sinnsuche er ernst nimmt. Gyllen etwa, im Vergleich zu William privilegierter, scheint vor eigenen Unzufriedenheiten wegzurennen. Liegt der Fokus zu Beginn der Geschichte noch mehr auf ihm, verlagert sich dieser zunehmend auf William, der als „Flüchtling“ wahrgenommen wird, sich selbst aber so nicht definiert. „Roads“ erzählt auch von Flucht und Migration, aber nicht vordergründig, nie belehrend und auch nicht mit dezidiert politischem Anspruch. Durch William werden nicht nur Gyllen, sondern auch die Zuschauenden mit einer Realität konfrontiert, die man aus den Medien zu kennen meint, aber die doch für die meisten ganz fern ist. Die Szenen in Calais, mit Statisten in den Rollen der Geflüchteten in Dünkirchen gedreht, wirken im Film geradezu dokumentarisch.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Zum Einstieg kann „Roads“ in Bezug auf sein Genre eingeordnet und dabei hinterfragt werden, wie das Sich-Fortbewegen auch zu einer inneren Reise und Entwicklung der Protagonisten führt. In diesem Zusammenhang lässt sich diskutieren, welche Rolle die Freundschaft der Jungen dabei spielt und ob Gyllen und William möglicherweise beide „auf der Flucht“ sind. Ihre Reise führt sie durch Südeuropa, wo sie mit verschiedenen Menschen in Kontakt kommen. Welches Bild wird dabei über unsere globalisierte Welt gezeichnet, in der sich in Bezug auf Waren und Informationen die Grenzen auflösen, sie aber auf nationaler Ebene und in Bezug auf Menschen wieder bedeutsamer werden? Die beiden jungen Männer müssen mitunter erfahren, dass man ihnen voreingenommen begegnet, was eine Diskussion zum Thema Vorurteile anregen kann. Als Schlüsselszene kann der Moment herangezogen werden, in dem William ein Spiel initiiert, in dem er und Gyllen sich jeweils anders – etwa als Hip-Hop-Star, Kindersoldat, Boyband-Mitglied, Rassist – umschreiben und so „in Schubladen stecken“. Nicht zuletzt lädt der Film dazu ein, sich mit dem Thema Flucht und der Situation in Calais zu beschäftigen.
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Kirsten Taylor
,
17.04.2019
,
letzte Aktualisierung:
27.07.2023
Regie
Sebastian Schipper
Buch
Sebastian Schipper, Oliver Ziegenbalg
Darsteller*innen
Fionn Whitehead, Stéphane Bak, Moritz Bleibtreu, Ben Chaplin, Marie Burchard, Josue Ndofusu u. a.
Länge
100 Min
Sprachfassung
deutsche Fassung, englische Originalfassung mit Untertiteln, barrierefreie Fassungen über Greta & Starks verfügbar
Format
digital, Farbe, Cinemascope
FSK
ab 6 Jahre
Verleih
StudioCanal
Festivals
Wetlpremiere: Tribeca Film Festival 2019