Inhalt
2016 bekommt die "New York Times"-Journalistin Jodie Kantor einen Hinweis, wonach der mächtige Hollywood-Produzent Harvey Weinstein mehrfach gegen Frauen übergriffig geworden ist. Ihre Vorgesetzten Rebecca Corbett und Dean Baquet ermuntern Kantor und ihr Kollegin Megan Twohey zu eigenen Recherchen. Sie sprechen mit vielen Schauspielerinnen und ehemaligen Mitarbeiterinnen, die von sexuellen Belästigungen und Vergewaltigungen durch Weinstein berichten, sowie mit Anwälten und anderen Informanten. Doch die Opfer wollen sich nicht öffentlich äußern, weil sie traumatisiert sind und/oder berufliche Nachteile befürchten. Mit ihren Recherchen decken die Investigativ-Journalistinnen ein Netzwerk aus Repression, Vertuschung, Furcht, Abfindungen und Stillschweigeverträgen auf, mit dem Weinstein jahrelang straflos davonkam. Als der Hollywood-Star Ashley Judd und andere Opfer sich doch zitieren lassen, können Kantor und Twohey 2017 Artikel publizieren, die letztendlich zu 23 Jahren Haft für Weinstein führen.
Umsetzung
Die Regisseurin Maria Schrader und die britische Drehbuchautorin Rebecca Lenkiewicz legen großen Wert auf eine präzise Beschreibung der langwierigen Recherche-Arbeit und der unabdingbaren Rückendeckung durch eine renommierte Zeitungsredaktion. Dafür nehmen sie in Kauf, dass sehr viel telefoniert wird und der publizistische Aufklärungsprozess sich auf viele kleine szenische Puzzlestücke verteilt. Der Film zeigt zugleich die Belastungen, die die aufwändige Arbeit für das Familienleben der Reporterinnen hat. Indem er auf visuelle Darstellungen der Gewalttaten verzichtet und stattdessen Tondokumente sprechen lässt, wächst die Wirkung der Enthüllungen. Die stärkste Einstellung zeigt einen leeren Hotelflur, während aus dem Off ein mitgeschnittenes Gespräch zwischen dem übergriffigen Weinstein und einer Frau zu hören ist. Angesichts der Wucht der Story wirkt die fast durchgängige Filmmusik mit häufigen Cello-Soli mitunter zu dick aufgetragen.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Die Enthüllungen zum Fall Weinstein haben maßgeblich zum Durchbruch der #MeToo-Bewegung beigetragen, die durch soziale Medien binnen kurzer Zeit eine weltweite Diskussion über sexualisierte Gewalt gegen Frauen ausgelöst hat. Die Schüler*innen können untersuchen, welche emanzipatorischen Schritte und Schutzvorkehrungen für Frauen in der Arbeitswelt erreicht wurden und welche Defizite fortbestehen. Die großen Hindernisse, die die Protagonistinnen auch in juristischer Hinsicht überwinden mussten, geben Anlass zum Nachdenken über Medien als informelle "Vierte Gewalt" in Demokratien. Wie können Medien heute angesichts oft mangelnder finanzieller und personeller Ressourcen so gestärkt werden, dass sie ihrer Aufklärungs- und Kontrollfunktion gerecht werden können? Für eine filmische Analyse sind vor allem die Toneinspielungen mit Stimmen der Opfer interessant. Neben der o. g. Szene im Hotelflur bietet sich dafür eine Sequenz vor einer laufenden Dusche an, in der eine Frauenstimme aus dem Off von den verbalen Übergriffen Weinsteins berichtet. Mit welchen inszenatorischen Mitteln macht Maria Schrader die sexualisierte Gewalt spürbar, ohne sie direkt zu zeigen? Warum arbeitet sie dabei vor allem mit akustischen Mitteln?
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Reinhard Kleber
,
22.11.2022
,
letzte Aktualisierung:
12.01.2024
Regie
Maria Schrader
Buch
Rebecca Lenkiewicz nach dem Sachbuch „She Said: Breaking the Sexual Harassment Story That Helped Ignite a Movement“ von Jodi Kantor und Megan Twohey
Darsteller*innen
Carey Mulligan, Zoe Kazan, Patricia Clarkson, Samantha Morton, Andre Braugher, Ashley Judd, Jennifer Ehle, Angela Yeoh u. a.
Länge
129 Min
Sprachfassung
deutsche Fassung, englische Originalfassung
Format
digital, Farbe
FSK
ab 12 Jahre
Verleih
Universal Pictures International Germany
Festivals
New York Film Festival 2022; Montclair Film Festival 2022: David Carr Award für Maria Schrader; Miami Film Festival 2022: Second runner-up beim Publikumspreis