Inhalt
Ángela und Héctor freuen sich auf ihr erstes Kind. Offen ist, ob es wie Ángela gehörlos oder wie Héctor hörend wird. Wie sie finden nur ihre gehörlosen Freund*innen, dass keine der beiden Möglichkeiten besser oder schlechter ist. Während der Schwangerschaft wird der zuvor konfliktfreie Alltag zunehmend durch Audismus – die Diskriminierung gehörloser und schwerhöriger Menschen – getrübt, und Héctor wird regelmäßig zum Dolmetscher. Nachdem schließlich ein Arzt zum Hörvermögen ihrer zwei Monate alten Tochter Ona gratuliert, spitzt sich der Konflikt mit der hörenden Außenwelt für Ángela zu, denn sie sieht sich kontinuierlich mit unerfüllbaren Ansprüchen Hörender konfrontiert. Das belastet auch die Partnerschaft: Ángela fühlt sich nutzlos und zieht sich zunehmend zurück, während Héctor mehr Care-Arbeit übernimmt. Die Spannung entlädt sich in einem Streit, nachdem Ángela Zuflucht in ihrer Community sucht, bevor sie zu ihrer Rolle als Mutter zurückkehrt. Einen hoffnungsvolleren Ausblick bietet schließlich ihre Freude und Erleichterung über die erste Gebärde Onas am Ende des Films.
Umsetzung
Ruhig etabliert der Film die Zärtlichkeit von Ángelas und Héctors Beziehung. In warmem, natürlichem Licht und langen Einstellungen zeigt er ihren liebevollen Alltag zu zweit, der Ton ist hintergründig und Lautsprache unwichtig. In der Schwangerschaft bricht diese Ruhe wiederholt auf, bis bei der Geburt dann kühle Farben, künstliches Licht und überlappende Lautsprache aus allen Richtungen Ángelas Anspannung betonen. Die Isolation, als sich Héctor aus ihrem Sichtfeld entfernt und sie sprachlich ausgeschlossen wird, sowie die Maske, die Ángela der Ärztin im Bedürfnis Lippen zu lesen abreißt, visualisieren die Barrieren. Stress bleibt mit Lautsprache verbunden. Als die Belastung des Audismus im Streit eskaliert, wird auch Héctor zu einer von deren Quellen. Daraufhin nimmt der Film akustisch Ángelas Wahrnehmung ein. Aufgelöst wird der Film dann aber mit einer Rückkehr zu ruhigen, sonnigen Bildern zu Onas erster Gebärde.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Themen wie Identität und Zugehörigkeit können als Ausgangspunkt dienen, um persönliche Erfahrungen zu reflektieren. Der im Film gezeigte Audismus öffnet Diskussionen über gesellschaftliche Verantwortung sowie die Rolle von Freund*innenschaften, Familie und z. B. Gesundheits- oder Bildungsinstitutionen. Dabei lassen sich gut die UN-Behindertenrechtskonvention und Modelle von Behinderung anhand der Darstellung von Barrieren behandeln, denen Ángela begegnet. Dafür können verschiedene filmästhetische Parameter die Analyse unterstützen, mögliche Fragen sind: Was lenkt die Kameraperspektive? Wie beeinflussen die Farbgebung und Lichtgestaltung die Atmosphäre? Welche szenografischen Parallelen lassen sich in für Ángela als sicher oder unsicher empfundenen Situationen beobachten? Was markieren die akustisch angepassten Passagen und wie wird die Akustik im Film unterschiedlich visualisiert?
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Aureliu Duisberg
,
23.09.2025
,
letzte Aktualisierung:
26.09.2025
Regie
Eva Libertad
Buch
Eva Libertad
Darsteller*innen
Míriam Garlo, Álvaro Cervantes, Elena Irureta, Joaquín Notario u. a.
Länge
100 Min
Sprachfassung
spanische Originalfassung mit Untertiteln, barrierefreie Fassungen über Greta & Starks verfügbar (auch Gebärdensprache ist untertitelt)
Format
digital, Farbe
FSK
ab 12 Jahre
Verleih
Piffl Medien
Festivals
(Auswahl 2025) Berlinale: Panorama Publikumspreis, Arthouse Cinema Award der CICAE,; Festival de Málaga: Bester Film, Beste Schauspielerin für Miriam Garlo, Bester Schauspieler für Àlvaro Cervantes, Publikumspreis; Seattle International Filmfestival: Bester Iberoamerikanischer Film; Guadalajara International Filmfestival: Beste Regie für Eva Libertad