Filmplakat Über die Unendlichkeit

Über die Unendlichkeit

Schweden, Deutschland, Norwegen 2019

Der schwedische Regisseur Roy Andersson entwirft in einem Reigen aus Einzelepisoden ein vielschichtiges und zutiefst humanistisches Porträt des menschlichen Daseins – mit all seinen absurden, traurigen und auch schönen Seiten. Losgelöst von erzählerischen Konventionen entwickelt sein Film „Über die Unendlichkeit“ eine Kraft, die noch lange nachwirkt.

Originaltitel

Om det oändliga

Genre

Drama

Klassenstufe

ab 10. Klasse

Altersempfehlung

ab 15 Jahre

Unterrichtsfächer

Deutsch, Ethik, Religion, Philosophie, Kunst, Darstellendes Spiel

Themen

Menschsein, Sinnsuche, Identität, Gesellschaft, Filmsprache, Ethik, Religion/Religiosität

Kinostart

17.09.2020

Inhalt


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Eine Frau und ein Mann, innig umschlungen. Sie schweben im grauen Himmel über dem zerbombten Köln. Das Schöne, die Liebe, die Zärtlichkeit und das Grauen, der Krieg, die Zerstörung in einem Bild. Damit beginnt „Über die Unendlichkeit“ von Roy Andersson und diese Szene wird noch einmal auftauchen, später im Film, der aus einer Aneinanderreihung von kurzen Episoden besteht: Ein Pfarrer, der seinen Glauben verloren hat, wird von seinem Psychiater abgewiesen. Eine Frau wartet auf einem Bahnhof. Ein Vater bindet seiner Tochter im Regen die Schuhe zu. Ein Mann weint in einem Bus. Drei Mädchen tanzen vor einem Ausflugslokal. Abgesehen von dem erwähnten Liebespaar und wenigen historischen Szenen – Hitler im Bunker, eine besiegte Armee – erzählt der Film von alltäglichen, manchmal gar banalen Begebenheiten aus dem Leben von Menschen und er zeigt diese mit all ihren Schwächen, Nöten, aber auch Freuden.

Umsetzung


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Aus dem Off führt eine Erzählerin in kurzen, beschreibenden Sätzen in die Szenen ein. Im schwedischen Original klingt sie älter, erhabener als in der deutschen Fassung. Ihre Anwesenheit, so der Regisseur, sei durch Scheherazade aus „Tausendundeiner Nacht“ inspiriert. Märchenhaft ist der Film jedoch nicht. Die Mise-en-Scène wirkt – in der Totalen und mit statischer Kamera aufgenommen – extrem reduziert. Die Farbgebung beschränkt sich auf Beige- und Grautöne, die Darsteller*innen agieren zurückgenommen. Diese unaufgeregte Form der Inszenierung und des Schauspiels lädt zum genauen Erkunden der filmischen Tableaus und Bildräume ein, die mit einer Ausnahme komplett im Studio und immer in einer Einstellung gedreht wurden. Zum einen betont diese Machart das Absurde mancher Situationen, zum anderen stehen die szenischen Einheiten so aber auch gleichwertig nebeneinander. „Über die Unendlichkeit“ zeigt, wie vielseitig filmisches Erzählen sein kann und wie viel Kraft darin steckt. Es lohnt sich, sich darauf einzulassen.

Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit


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Die in sich geschlossenen Episoden stehen auf dem ersten Blick in keinem inhaltlichen Zusammenhang. Doch gerade diese erzählerische Form ermöglicht das freie Assoziieren. Hinter den scheinbar trivialen Geschichten verbergen sich philosophische und ethische Fragen: Was macht das Dasein des Menschen aus? Welche Rolle spielt der Glauben? Wie gehen wir miteinander um? Daneben ist auch eine filmästhetische Analyse ergiebig, vor allem in Hinblick auf kunsthistorische Vorbilder. Das schwebende Liebespaar erinnert an ein Motiv von Marc Chagall. Andersson selbst nennt die Neue Sachlichkeit, namentlich Otto Dix, als Vorbild und zuweilen erkennt man Bezüge zu Edward Hopper. Hierzu ist eine Aussage des Regisseurs interessant: „Ich möchte wirklich Filme machen, die so ergiebig sein können wie [gemalte] Bilder.“ Die besondere Machart des Films können die Schüler*innen praktisch erarbeiten, indem sie eigene Episoden entwickeln und diese im gleichen Stil inszenieren.

Veranstaltungen


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Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.

Autorin: Kirsten Taylor, 19.02.2020, letzte Aktualisierung: 13.03.2020

Regie

Roy Andersson

Buch

Roy Andersson

Darsteller/innen

Martin Senner, Tatjana Delaunay, Anders Hellström, Jan Eje Ferling, Bent Bergius, Thore Flygel u. a.

Länge

78 Min

Sprachfassung

deutsche Fassung, schwedische Originalfassung mit deutschen Untertiteln

Format

digital, Farbe

FSK

ab 12 Jahre

Verleih

Neue Visionen Filmverleih

Festivals

Internationale Filmfestspiele von Venedig 2019: Silberner Löwe für die Beste Regie; Europäischer Filmpreis 2019: Visual Effects Supervisor

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