Inhalt
Tyler, ältester Spross einer wohlhabenden afroamerikanischen Familie, weiß kaum wohin mit seiner Kraft. Zwischen rauschhaftem Partyleben und der harten Vorbereitung auf eine Karriere als Profiringer besteht für ihn kein Widerspruch. Doch zwei Ereignisse werfen ihn aus der Bahn. Eine Schulterverletzung, die er mit den Schmerzmitteln seines überstrengen Vaters zu unterdrücken versucht, um diesen nicht zu enttäuschen, lässt sich nicht länger geheim halten. Auch die Schwangerschaft seiner Freundin Alexis erfordert eine unbequeme Entscheidung. Es kommt zur Katastrophe, an der die Familie zu zerbrechen droht. Während die Eltern sich gegenseitig die Schuld zuweisen, flüchtet Tylers Schwester Emily in ein neues Leben mit dessen Teamkameraden Luke.
Umsetzung
In einem waghalsigen Bruch mit Erzählgewohnheiten – und doch mit einiger Logik – zerbricht der dritte Film des US-Regisseurs Trey Edward Shults in zwei Teile. Auf den emotional aufwühlenden ersten Teil um Tyler folgt die ruhige und gefühlsbetonte Suche Emilys nach Zugehörigkeit und Struktur. Zielen zunächst wilde Kamerafahrten, harte Schnitte und bunte Pastellfarben im gleißenden Licht der Sonne Südfloridas auf geradezu physische Überwältigung, bekommt die zuvor kaum sichtbare Schwester plötzlich Profil. Die unvermittelten Stilwechsel muten dem Publikum einiges zu. Doch dieser Mut zahlt sich aus. „Waves“ überzeugt als aufrüttelndes Porträt einer Familie, die darum kämpft, aus dem Scheitern an den eigenen Widersprüchen die richtigen Lehren zu ziehen
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Mit einer bildstarken Musikvideo-Ästhetik – zu der auch Hip Hop-Songs von Frank Ocean und Kendrick Lamar beitragen – und harten Themen richtet sich das Teenager-Drama direkt an Jugendliche. Zu diskutieren wären das Thema Leistungsdruck und die Frage, ob sich das Schicksal der Familie hätte verhindern lassen. Davon nicht zu trennen ist die Frage, inwieweit Rassismus in diesem auf den ersten Blick „farbenblinden“ Film nicht doch eine Rolle spielt. Tylers erfolgsorientierter Vater Ronald macht seinem Sohn unmissverständlich klar, dass für schwarze Menschen eine durchschnittliche Leistung nicht genügt, um in einer privilegierten weißen Welt zu bestehen. Anhand des radikalen Perspektivwechsels im zweiten Teil, der einhergeht mit einer spektakulären Verengung des Bildformats, lassen sich gängige Klischees und neuere Techniken filmischen Erzählens analysieren und hinterfragen. Nur vordergründig auf seine schöne Oberfläche fixiert, eignet sich „Waves“ nicht zuletzt als erster Einstieg in die Filmkunst.
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Philipp Bühler
,
01.07.2020
,
letzte Aktualisierung:
01.07.2020
Regie
Trey Edward Shults
Buch
Trey Edward Shults
Darsteller*innen
Kelvin Harrison Jr., Taylor Russell, Alexa Demie, Sterling K. Brown, Renée Elise Goldsberry, Lucas Hedges u. a.
Länge
135 Min
Sprachfassung
deutsche Fassung, englische Originalfassung
Format
digital, Farbe
FSK
ab 12 Jahre
Verleih
Universal Pictures International
Festivals
African-American Film Critics Association Awards 2019: Auszeichnung in der Kategorie Best Breakout Performance (Kelvin Harrison Jr.) u. a.