Inhalt
Am 11. März 2011 lösten ein Erdbeben und ein darauffolgender Tsunami im Atomkraftwerk von Fukushima eine verheerende Kettenreaktion aus. In drei Reaktoren kam es zu einer Kernschmelze, die schließlich breite Landstriche auf lange Sicht radioaktiv verseuchte. Mit seiner Kamera tauchte Filmemacher Thorsten Trimpop während der vier Jahre andauernden Dreharbeiten in den Großraum der Stadt Minamisoma ein, die in einem von den Behörden eingerichteten Sperrgebiet liegt. Ein einst lebendiges Surfer-Paradies, das nach dem Super-GAU nur teilweise evakuiert wurde. „Furusato – Wunde Heimat“ folgt unterschiedlichen Menschen, die nach wie vor in der Todeszone leben, und geht den Gründen für ihr Bleiben nach. Vorgestellt werden unter anderem der Aktivist Bansho, der die Fehlinformationen durch die Regierung anprangert, und die Pferdezüchterin Miwa, die den Familienbetrieb nicht aufgeben will.
Umsetzung
Unter Verzicht auf erklärende Kommentare schildert Trimpops bedächtig inszenierter Dokumentarfilm diverse, von der Atomkatastrophe betroffene Schicksale. Vor allem in den Interviewpassagen kommt der Schmerz über den Verlust des alten Lebens und die wenig hoffnungsreiche Zukunft deutlich zum Ausdruck. Spaziergänge durch den verlassenen Teil Minamisomas erzeugen Beklemmung und liefern Bilder, die an einen Hollywood-Endzeitfilm erinnern. Manche der Protagonisten können ihre verseuchte Heimat nicht verlassen, da sie ansonsten ihre Existenzgrundlage verlieren würden. Andere – etwa der Behördenkritiker Bansho – sind schlichtweg nicht bereit, zu flüchten, und kämpfen verzweifelt für einen größeren Schutz der Bevölkerung. Welche grausamen Auswirkungen die Strahlung haben kann, unterstreicht Trimpop mit einigen schwer verdaulichen Fotografien, auf denen qualvoll verendete Pferde zu sehen sind.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Ausgehend von „Furusato – Wunde Heimat“ können in einem ersten Schritt die Entstehung und die genauen Dimensionen der Natur- und Atomkatstrophe erörtert werden, die den Landstrich rund um Fukushima auf denkbar gravierende Weise verunstaltet haben. Darüber hinaus bietet sich eine allgemeine Diskussion über das Thema „Nukleare Energie“ und die damit verbundenen Gefahren an, bei der auch der Atomausstieg der deutschen Bundesregierung unter Angela Merkel eine Rolle spielen sollte. Ergiebig wäre zudem ein Blick auf das im Film mehrfach erwähnte Unglück von Tschernobyl aus dem Jahr 1986, dessen Folgen noch heute zu spüren sind. Anstoßen ließe sich anhand von Trimpops Dokumentararbeit des Weiteren eine Debatte über den Wert von Heimat und über die Frage, wie schwierig es ist, sein altes Leben komplett hinter sich zu lassen, führen.
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Christopher Diekhaus
,
27.02.2018
,
letzte Aktualisierung:
09.11.2022
Regie
Thorsten Trimpop
Buch
Thorsten Trimpop
Darsteller*innen
Mitwirkende: Miwa Hosokawa, Tokuei Hosokawa, Kazuki Matsumoto, Bansho Miura, Shozo Mitsuko Noda, Sakura Noda, Kenji Tateiwa, u. a.
Länge
94 Min
Sprachfassung
japanische Originalfassung mit deutschen Untertiteln
Format
digital, Farbe
FSK
ab 12 Jahre
FBW
Prädikat "wertvoll"
Verleih
imFilm
Festivals
(Auswahl): Viennale 2016; DOK Leipzig 2016: Goldene Taube für den besten deutschen Dokumentarfilm; Festival de Cine de Guadalajara 2017; Ann Arbor Film Festival 2017