Inhalt
Ali ist eine selbstbewusste Frau, die weiß, wie man kämpft. In ihrer Heimat war die „Gipsy Queen“ auf dem Weg zur Box-Weltmeisterin der Stolz der Roma-Gemeinschaft. Dann wurde sie unverheiratet schwanger und von ihrem Vater verstoßen. Allein hat sie sich bis nach Hamburg durchgeschlagen, versucht nun dort Fuß zu fassen. Mit aller Kraft will sie ihren inzwischen zwei Kindern Halt und eine bessere Zukunft geben. Als sie ihren Job als Putzfrau verliert, hilft sie in der „Ritze“ aus. Im Keller der Kiez-Kneipe wird geboxt. Schnell erkennt Tanne – abgehalfterter Inhaber des Schuppens und einst selbst Boxer – Alis Talent und holt sie zurück in den Ring. Doch für die junge Romni geht es um mehr als den Sieg: Ali kämpft mit dem Jugendamt, das ihr die Kinder weggenommen hat, mit den Erinnerungen an ihren Vater und ihre Heimat und um neues Selbstvertrauen und soziale Anerkennung. Unweigerlich wird der Boxkampf zum Kampf um ihr Leben und das ihrer Kinder.
Umsetzung
Mit seinem dritten Spielfilm präsentiert Regisseur Hüseyin Tabak einen Boxfilm, der zugleich sehr viel mehr ist als das: Wie die Protagonistin Ali zwischen Boxring und Erziehung ihrer Kinder, unverarbeiteter Vergangenheit und steten Zukunftssorgen unterwegs ist, changiert auch der Film zwischen Sport- und Sozialdrama, Milieustudie und Psychogramm. Mit Tiefsinn verwebt er dabei Genre-Elemente und erzählte Zeiten: Dokumentarisch wirkende Szenen geben Einblick in das raue Arbeitsumfeld oder die Mutter-Tochter-Beziehung; die Freundschaften zu Tanne und Mitbewohnerin Maria zeigen Bruchstellen ganz verschiedener Existenzen auf. Gemalte Szenenbilder und Erinnerungsmomente mit Alis Vater werden zum Ausdruck von Heimatverlust und Identitätssuche. Am Ende von GIPSY QUEEN kommt es zum klassischen Showdown im Ring: Eindrucksvoll choreographiert und mit einem Schlussbild, das gleichermaßen für Alis komplexen Kampf wie die vielschichtige, filmische Variation steht.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Mit aller Kraft baut Ali sich und ihren Kindern ein neues Leben auf. Der Boxring verspricht ihr dabei einen Job und vermeintliche Sicherheit. Zugleich wird sie durch ihren Kampfnamen „Gipsy Queen“ auf ein Leben zurückgeworfen, das sie hinter sich lassen wollte. Vor diesem Hintergrund kann über Identitätssuche und Lebensentwürfe gesprochen, die Funktion des Sports als Motor für sozialen Aufstieg beleuchtet und kritisch hinterfragt oder über Alltagsrassismus und Ausbeutung in der Arbeitswelt diskutiert werden. Einige nicht auserzählte Handlungsmomente – wie Verweise auf Alis früheres Leben und ihren Weg bis nach Hamburg – können durch Hintergrundrecherchen erweitert werden, die auch die Bevölkerungsgruppe der Roma in den Fokus nehmen. Als Hommage an den Boxfilm lädt GIPSY QUEEN darüber hinaus zu einem Blick in die Filmgeschichte und auf andere Filme des Genres mit starken Frauenfiguren (wie z. B. „Million Dollar Baby“) ein.
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Lisa Haußmann
,
20.05.2020
,
letzte Aktualisierung:
04.06.2020
Regie
Hüseyin Tabak
Buch
Hüseyin Tabak
Darsteller*innen
Alina Şerban, Tobias Moretti, Irina Kurbanova, Sarah Ulda Carcamo Vallejos, Aslan Yilmaz Tabak, Catrin Striebeck, Maureen Havlena u. a.
Länge
112 Min
Sprachfassung
Originalfassung in Deutsch und Rumänisch
Format
digital, Farbe
FSK
ab 12 Jahre
Verleih
Majestic Filmverleih
Festivals
(Auswahl) Tallinn Black Nights Filmfestival 2019: Bester Film (Preis der ökumenischen Jury), Beste Schauspielerin (Alina Şerban), Österreichischer Filmpreis 2020: Bester männlicher Darsteller (Tobias Moretti); Nominierung Deutscher Filmpreis 2020: Beste weiblich Hauptrolle (Alina Şerban)