Inhalt
England im späten 16. Jahrhundert: Im Dorf Stratford-Upon-Avon wird die naturverbundene Agnes misstrauisch als „Hexe“ beobachtet. Ihre Aura zieht den jungen Will an, der im Dorf Latein unterrichtet. Die beiden verloben sich und heiraten, bekommen die Tochter Susanna und die Zwillinge Judith und Hamnet. Während Agnes im Dorf bleibt, zieht es Will immer öfter für längere Zeit nach London, wo er Handschuhe für Theaterensembles herstellt, schreibt und erste eigene Stücke aufführt. Als der elfjährige Hamnet an der Beulenpest stirbt, verfallen Agnes und Will in eine tiefe Trauer. Will, dessen voller Name William Shakespeare sehr spät fällt, stürzt sich in die Arbeit an seinem Theaterstück „Hamlet“, das den verstorbenen Sohn ehren soll (die Namen „Hamlet“ und „Hamnet“ waren in jener Zeit austauschbar). Für die Uraufführung des Dramas im berühmten Globe Theatre reist auch Agnes nach London.
Umsetzung
Auf Grundlage des Romans „Judith und Hamnet“ (2020) von Maggie O'Farrell inszeniert Chloé Zhao eine fiktionale Entstehungsgeschichte zum Shakespeare-Klassiker „Hamlet“. Während der Tod seines Sohns verbürgt ist, weist Shakespeares Biografie etliche Überlieferungslücken auf, die Roman und Film mit Bedeutung füllen und dabei Agnes in den Mittelpunkt stellen. Zhao adaptiert den Stoff als impressionistisches Drama mit vielen leisen Momenten. Vieles bleibt unausgesprochen und drückt sich stattdessen im nuancierten Spiel aus. Als Historienfilm überzeugt HAMNET mit seiner plastischen Ausstattung, die das damalige, oft von Härten geprägte Leben greifbar macht. Agnes' esoterischer Naturbezug und ihre Intuition, die sich in Vorahnungen niederschlägt, verleihen dem Film zudem eine spirituelle Note. So erzählt HAMNET universell vom Menschsein und von der Verbindung der Kunstproduktion mit einem Schicksalsschlag, was in ein hochemotionales Finale mündet.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Mit Schulklassen, die „Hamlet“ kennen, kann die Filmhandlung mit dem Stück abgeglichen werden. Inwiefern passt die fiktive Genese zum Text? Anhaltspunkte sind hier die im Stück präsente Todessehnsucht und der „Sein oder Nichtsein“-Monolog, den Will auch im Film aufsagt. Beides passt zur Annahme, dass Shakespeare „Hamlet“ als Ehrung für seinen Sohn verfasst haben könnte. Inhaltlich bietet sich eine Auseinandersetzung mit der Trauer-Thematik an. Wie gehen Agnes und Will mit dem Verlust um, wie wirkt er sich auf die Ehe aus? „Du warst nicht da,“ wirft Agnes Will vor, der seinen Kummer schreibend verarbeitet. Das intensive Theater-Finale wirkt als kathartischer Moment für beide, was ein besprechenswertes Statement für die Kraft der Kunst ist. Filmästhetisch lohnt ein Blick auf die Darstellung der Handlungszeit. Mit erdigen Farben, Fachwerk oder Schmutz unter den Fingernägeln entsteht ein (stimmiges?) Mittelalterbild. Spannend ist der Kontrast zwischen dem Dorf, das viel Grün bietet, mit dem rußbedeckten London.
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Christian Horn
,
06.01.2026
,
letzte Aktualisierung:
07.01.2026
Regie
Chloé Zhao
Buch
Chloé Zhao, Maggie O'Farrell nach dem Roman „Judith und Hamnet“ von Maggi O‘Farrell
Darsteller*innen
Jessie Buckley, Paul Mescal, Justine Mitchell, Zac Wishart, James Lintern, Eva Wishart, Effie Linnen, Joe Alwyn, Emily Watson, David Wilmot u. a.
Länge
126 Min
Sprachfassung
deutsche Fassung, englische Originalfassung
Format
digital, Farbe
FSK
ab 12 Jahre
Verleih
Universal Pictures International