Inhalt
Wer war Hannah Arendt (1906-1975)? Dieser komplexen Frage stellt sich das umfassende Filmportrait, das den Lebensweg der politischen und privaten Person von der Kindheit in Königsberg bis ins amerikanische Exil nach New York dokumentiert. Die promovierte Philosophin, die schon als 14-Jährige Kants Kritiken liest, folgt zeitlebens ihrem Bedürfnis „verstehen zu müssen“. Als scharfe Analytikerin der politischen und gesellschaftlichen Ordnung erlebt die deutsche Jüdin den Aufstieg der Nationalsozialisten, den Zerfall der Demokratie. Der Reichstagsbrand 1933 markiert ihre Hinwendung zum Politischen und zum aktiven Widerstand. Sie flieht nach Paris, bringt Jugendliche nach Palästina, wird interniert und entkommt, emigriert nach Amerika. Ihr Konzept von der „Banalität des Bösen“, das sie anlässlich des Eichmann-Prozesses in Israel schreibt, wird kontrovers diskutiert. Auch als amerikanische Staatsbürgerin bleibt sie bis an ihr Lebensende eine engagierte Aktivistin. Hannah Arendt ist fraglos eine der bedeutendsten politischen Theoretikerinnen des 20. Jahrhunderts. Ihre Schriften zu Totalitarismus und Faschismus, zu Macht, Gewalt, Freiheit und individueller Verantwortung haben hochaktuelle Relevanz.
Umsetzung
„Sie lebte, wir leben in einer Zeit, in der die Dinge keinen Sinn mehr ergeben“: Mit diesem Zitat, unterlegt mit Bildern u. a. vom Sturm auf das Kapitol 2021, zieht der Film zu Beginn eine Parallele zur Gegenwart, die die Aktualität von Arendts Werk etabliert. Vorwiegend schwarzweißes Bildmaterial aus Staats- und Privatarchiven – Wochenschauen, Spielfilme, Fotos und Filme aus der Zeit und den Orten von Arendts Leben – wird ergänzt durch gestellte Szenen, in denen das Erzählte unmittelbar zu geschehen scheint (z. B. wird auf einer Schreibmaschine ein Arendt-Text getippt). Im Off sind Zitate aus Arendts Essays, Gedichten und Briefen zu hören. Zentral sind die Ausschnitte aus einem TV-Interview von 1964, in denen Hannah Arendt „live“ zu erleben ist. Arendts Wegbegleiter*innen und Biograph*innen indes kommen nur als Off-Stimmen zu Wort, ohne je im Bild zu sein. Nicht unproblematisch sind Archivaufnahmen von Lagerinsass*innen, die in den sicheren Tod gehen und deren Leid hier abermals den Blicken ausgesetzt wird..
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Der Film bietet sich zur Untersuchung der Aktualität konkreter Thesen aus Arendts komplexem Werk an. Das Zitat vom „idealen Untertan totalitärer Herrschaft“ kann bezüglich seiner Gültigkeit mit Begriffen wie Demokratie, Totalitarismus oder auch „Fake News“ abgeglichen und diskutiert werden. Arendts politische und private Biografie lässt sich im Abgleich ihrer geografischen Stationen mit dem parallel stattfindenden Weltgeschehen rekapitulieren. Gruppenreferate stellen die exemplarische Bedeutung der Orte Königsberg, Marburg, Berlin, Paris, Palästina, Israel, New York vor. Eine Analyse der Filmbilder und ihrer Funktion als Begleitung der Off-Kommentare vertieft das Verständnis für das generelle Zusammenspiel von Bild- und Tonebene: Das Bildmaterial wird auf seine Quellen hin untersucht und die beabsichtigte und erzielte Wirkung der Bildsprache interpretiert.
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Ulrike Seyffarth
,
28.08.2025
,
letzte Aktualisierung:
25.09.2025
Regie
Chana Gazit, Maia Harris
Buch
Chana Gazit, Maia Harris
Darsteller*innen
Sprecher*innen Nina Hoss u. a.
Länge
90 Min
Sprachfassung
deutsche Fassung, mit teilweise deutsch untertitelten englischen Dialogen
Format
digital, schwarzweiß und Farbe
FSK
ab 12 Jahre
Verleih
Progress Filmverleih
Festivals
Film ohne Grenzen Filmfestival Bad Saarow 2025