Inhalt
Jeden Abend besucht der 69-jährige Herr Zwilling die 90-jährige Frau Zuckermann. Sie schauen fern, lesen sich aus der Zeitung vor. Herr Zwilling klagt über seine Schülerinnen und Schüler an der Gewerbeschule, Frau Zuckermann muntert ihn auf. Der Filmemacher Volker Koepp nimmt die Freundschaft der beiden Menschen zum Ausgangspunkt, um das jüdische Leben in Czernowitz zu dokumentieren. Denn die lebensbejahende Frau Zuckermann und der eher verschlossene Herr Zwilling gehören zu den wenigen Juden, die den Holocaust überlebt und heute noch in der traditionellen Hauptstadt der Bukowina leben. Koepp begleitet sie in ihrem Alltag, lässt sie von der Zeit der Vernichtung und Vertreibung erzählen und eröffnet darüber hinaus ein Panorama noch vorhandenen jüdischen Lebens, das von Leerstellen, Improvisation, aber auch großer Lebensfreude erzählt.
Umsetzung
Mit seiner zurückhaltenden Kamera, behutsamen Fragen und Raum zum Schweigen und Nachdenken nähert Volker Koepp sich seinen beiden Protagonist*innen an. Im Gespräch entblättert sich das tragische Leben von Frau Zuckermann, die als einzige ihrer Familie das Lager in Transnistrien überlebt hat. Anhand von Fotografien erzählt Herr Zwilling, wie er gemeinsam mit seiner Mutter in Czernowitz überlebt hat. „So ist das Leben“, sagt Frau Zwilling. „Das Leben geht weiter“, sagt Herr Zwilling. Und so folgt die Kamera ihm durch ein baufälliges, ehemals jüdisches Krankenhaus, schweift ab zu jüdischen Festlichkeiten, in eine jüdische Schule, interviewt eine alte Dame auf dem Land oder hält in ruhigen Einstellungen die mal schneereiche, dann wieder im Nebel liegende Natur der Bukowina fest.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
„90 Jahre lebe ich im 20. Jahrhundert“, sagt Frau Zuckermann und fügt hinzu: „ein trauriges Fazit.“ Anhand der Lebensgeschichten von Herr Zwilling und Frau Zuckermann erzählt der Film vom Leid der europäischen Juden, ihrer Vernichtung durch den Holocaust und den zaghaften und ihrer Selbstverständlichkeit beraubten Stränge, die – in diesem Fall in Osteuropa – fortgeführt werden. Neben der Auseinandersetzung mit den Biografien können auch die geografischen und damit immer auch verbundenen kulturellen Umwälzungen der Bukowina im Unterricht behandelt werden. Eine historische, zeitliche und geografische Verortung ist dabei sinnvoll. Darüber hinaus lohnt sich der Blick auf die Ästhetik von Bild und Ton. Volker Koepp findet seinen ganz eigenen, scheinbar unstrukturierten und mäandernden Weg, große Geschichte im genauen Hinsehen und Hinhören auf Einzelne und Einzelnes zu finden. Angesichts der restaurierten Fassung zu Koepps 75. Geburtstag kann die Aktualität eines solchen filmischen Projekt diskutiert werden, und der Bogen zum Heute in der eigenen Suche nach Spuren jüdischen Lebens vor Ort geschlagen werden.
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Maren Wurster
,
03.06.2019
,
letzte Aktualisierung:
05.05.2020
Regie
Volker Koepp
Buch
Volker Koepp, Barbara Frankenstein (Konzept)
Darsteller*innen
Mitwirkende: Mathias Zwilling, Rosa Roth-Zuckermann u. a.
Länge
126 Min
Sprachfassung
deutsche Originalfassung
Format
35mm und digital, Farbe
FSK
ohne Altersbeschränkung
FBW
Prädikat "wertvoll"
Verleih
Edition Salzgeber
Festivals
Internationales Filmfestival Nyon 1999: Großer Preis; Artur-Brauner-Stiftungspreis 2000; Berlinale 1999: Sektion Internationales Forum des Jungen Films