Inhalt
Ein indischer Geschäftsmann steht auf einer kleinen Brachfläche in einem Mumbaier Slum und gibt Zukunftsprognosen wieder, nach denen die wirtschaftliche Vormachtstellung des Westens bald Geschichte sein wird. Der Dokumentarfilm führt uns nach diesem Prolog an sechs weitere globale Schauplätze, in denen Menschen auf unterschiedliche Art mit ökonomischen Krisen hadern und vom Fortschritt träumen: In die Salzwüste Boliviens, wo die Dorfbevölkerung sich mehr Wohlstand durch den Lithium-Abbau erhofft; nach Peking, wo eine staatliche Lotterie darüber entscheidet, ob man sich ein Auto kaufen darf; ins US-amerikanische Detroit, wo Wissenschaftler versuchen, Lebenszeiten zu verlängern; zu den Touristenmassen im italienischen Pompeji, wo ein Mann im Plastik-Gladiatoren-Kostüm seinen Lebensunterhalt bestreitet, in ein thailändisches Altersheim für demente Westeuropäer und schließlich in den höchsten Wolkenkratzer Venezuelas, den sich Hausbesetzer erschlossen haben.
Umsetzung
Thematische Verknüpfungen zwischen den sieben Episoden deuten sich höchstens an, beispielsweise wenn auf ein luxuriöses Autohaus in China Detroit folgt, die einstige Hochburg der Automobilindustrie. Die globale Welt zeichnet sich durch verschiedene Entwicklungsstufen aus, scheinen die Autor/innen Hannes Lang und Mareike Wegener zu argumentieren. Durch den losen Zusammenhalt und die thematische Bandbreite verweigert sich ihr Film einfachen Erklärungsmustern oder einer großen Erzählung. Den zentral agierenden Manager, auf den der William S. Burroughs entlehnte Titel anspielt, gibt es nicht. Stattdessen begegnen wir Einzelfällen und „kleinen Leuten“. Immer wieder treten die Schauplätze selbst durch statische Totalen in den Vordergrund. Die Protagonist/innen erzählen in ihrer jeweiligen Umgebung von sich. Oft blicken sie dabei in die Kamera und geben Worte wieder, die wie auswendig gelernt und offiziell anmuten. Auch durch die sorgfältige Anordnung der Einstellungen weist der Dokumentarfilm daraufhin, dass er weniger abbildet als vielmehr inszeniert.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
An „I want to see the manager“ lassen sich aktuelle Aspekte der Globalisierung besprechen, insbesondere ihr Einfluss auf Orte und Menschen, die ökonomischen Ungleichheiten zwischen Ländern und Regionen sowie Veränderungen in internationalen Machtgefügen. Zu Diskussionen mag vor allem die Darstellung Europas führen: Die „alte Welt“ erscheint als krisenhaftes Freiluftmuseum und als Altersheim, das mit seinen Pflegebedürftigen überfordert ist und diese nach Thailand auslagert. In diesem Zusammenhang sind unterschiedliche Perspektiven auf Globalisierungsprozesse relevant: Sie können am Film und anhand weiterer Quellen analysiert werden, die die westliche Vormachtstellung in Frage stellen (wie ‚postkoloniale‘ Literatur, z.B. Aravind Adigas „Der Weiße Tiger“). Aufgrund seiner Struktur eignet sich der Film dazu, episodische Erzählweisen zu behandeln. Seine offensichtlichen Stilisierungen machen es zu einem interessanten Fallbeispiel für Dokumentarfilme und Realitätsabbildungen. Auch allgemeinere filmästhetische Sujets wie Einstellungsgrößen oder die Inszenierung von Räumen lassen sich gut herausarbeiten.
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Dr. Florian Krauß
,
27.07.2015
,
letzte Aktualisierung:
27.09.2016
Regie
Hannes Lang
Buch
Mareike Wegener
Darsteller*innen
Mitwirkende: Deepak Daryani, Margarita Cayo, Xiang Li, Anthony A. Karam, Vincenzo Oliva, Jamaree Daranpong, Beda Kühnis, Antonio Alarado u.a.
Länge
93 Min
Sprachfassung
englisch, spanisch, italienisch, thai, chinesisch mit deutschen Untertiteln
Format
digital, Farbe
FSK
ohne Altersbeschränkung
Verleih
Real Fiction Filmverleih
Festivals
Dokfest München 2015, Kasseler Dokumentarfilm- und Videofest 2015