Inhalt
IMMORTALS begleitet zwei junge Iraker*innen im بغداد, der Zeit nach den Protesten von 2019, und zeichnet das Porträt einer Generation, die nahezu ausschließlich im Kontext von Krieg und dessen Nachwirkungen aufgewachsen ist. Milo, eine willensstarke Feministin, zieht die Kleidung ihres Bruders an, um sich in Bagdad freier und sicherer bewegen zu können. Auf diese Weise gewinnt sie eine Form von Freiheit, die ihr sonst verwehrt bleibt, während sie zugleich versucht, Arbeit zu finden und enge persönliche Beziehungen aufrechtzuerhalten. Khalili ist ein junger, ambitionierter Filmemacher, der die Kamera als Mittel des Widerstands begreift. Inmitten von Protesten und gewaltsamen Auseinandersetzungen dokumentiert er eine Realität, in der politischer Ausdruck untrennbar mit persönlichem Risiko verbunden ist. IMMORTALS eröffnet Einblicke in die Lebensrealitäten, Hoffnungen und Brüche einer jungen Generation im Irak, die sich zwischen strukturellen Einschränkungen und dem Anspruch bewegt, ihre eigene Geschichte zu erzählen.
Umsetzung
IMMORTALS entfaltet seine Wirkung weniger durch klassische dokumentarische Beobachtung als durch eine hybride Form, in der Realität, Erinnerung und Inszenierung ineinandergreifen. Der Film verzichtet bewusst auf eine klare Trennung zwischen dokumentarischem Material und nachgestellten Szenen. Stattdessen entsteht ein fließender Übergang, in dem sich gelebte Erfahrung und rekonstruierte Momente gegenseitig durchdringen. Diese formale Entscheidung spiegelt nicht nur die Fragmentierung von Erinnerung, sondern auch die Schwierigkeit, eine von Gewalt geprägte Gegenwart linear zu erzählen. Zentral ist dabei die kollaborative Arbeitsweise: Milo und Khalili sind nicht bloß Protagonist*innen, sondern aktiv an der Gestaltung ihrer eigenen Geschichte beteiligt. Ihre Perspektiven strukturieren die Erzählung, wodurch ein subjektiver Zugang entsteht, der sich bewusst von distanzierter Beobachtung löst. Der Film versteht sich damit als selbstbestimmte Erzählung und entzieht sich einer kolonial geprägten Perspektive, die den Irak allzu oft von außen definiert.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
IMMORTALS bietet vielfältige Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit, insbesondere in den Bereichen politische Bildung, Medienkompetenz und Genderfragen. Der Film ermöglicht eine Auseinandersetzung mit den Protestbewegungen von 2019 im Irak und deren Einbettung in globale Jugendproteste. Dabei kann die Frage diskutiert werden, wie junge Menschen unter autoritären oder fragilen staatlichen Strukturen politische Teilhabe einfordern. Gleichzeitig eröffnet Milo einen Zugang zu Themen wie Geschlechterrollen, Selbstbestimmung und gesellschaftliche Einschränkungen im Alltag. Auch die Rolle von Medien als Werkzeug des Widerstands – verkörpert durch Khalilis Kamera – lädt zur Reflexion über dokumentarisches Erzählen, Subjektivität und die Macht von Bildern ein (z. B. wann dokumentieren, wann schützen, wann gefährden sie?). Darüber hinaus kann der Film genutzt werden, um Perspektiven jenseits stereotyper Darstellungen des Irak sichtbar zu machen und Empathie sowie kritisches Denken zu fördern.
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Meis Al Khafaji
,
04.05.2026
,
letzte Aktualisierung:
06.05.2026
Regie
Maja Tschumi
Buch
Maja Tschumi, Mohammed Al Khalili, Melak Madhi (Milo)
Darsteller*innen
Mohammed Al Khalili, Melak Madhi
Länge
98 Min
Sprachfassung
arabische Originalfassung mit deutschen Untertiteln
Format
digital, Farbe
FSK
ab 16 Jahre
Verleih
W-Film
Festivals
(Auswahl 2025) Solothurner Filmtag: Preis von Solothurn; Raindance Festival London: Bester Dokumentarfilm; CPH:DOX Copenhagen: DOX:Preis; Hot Docs Festival; Dok.fest München u. v. a. m.