Inhalt
Samir, Regisseur der Familienchronik „Iraqi Odyssey“, zog in den Sechziger Jahren mit seinen Eltern aus dem Irak in die Schweiz, der Heimat der Mutter. Samirs Eltern waren nicht die einzigen aus der Jamal-Aldin-Familie, die ihrem Land nach der Machtergreifung durch die faschistische Baath-Partei den Rücken kehren mussten – aus Furcht vor politischer Verfolgung. Heute leben die Jamal Aldins in alle Winde verstreut, der Kontakt untereinander ist sporadisch. Für seinen Dokumentarfilm hat Samir einige von ihnen an ihren Wohnorten aufgesucht, um mit den Verwandten Familienerinnerungen auszutauschen und zu ergründen, warum der Irak, einst eine fortschrittliche Kulturnation im Herzen der islamischen Welt, heute eine von Bürgerkriegen und Armut zerrissene Nation ist. Seine Recherchen und Interviews fördern eine komplizierte Familiengeschichte zutage – und die nicht minder vertrackte Geschichte seines Heimatlandes, das im 20. Jahrhundert zum politischen Spielball der Weltmächte wurde.
Umsetzung
Der Schweizer Filmemacher Samir hat sich mit seinem Dokumentarfilm viel vorgenommen, doch der persönliche Zugang erleichtert es Schülerinnen und Schülern auch ohne tiefere Vorkenntnisse, in die Geschichte seiner Familie und seines Landes einzutauchen. Die Vielzahl an Namen und historischen Ereignissen erfordert zu Beginn erhöhte Aufmerksamkeit. Allerdings greift Samir auf einige schöne filmische Stilmittel zurück, um den Film zu strukturieren. Den Familienstammbaum stellt er als dreidimensionale Struktur dar (in einer Langfassung tatsächlich in 3D umgesetzt), in dem die Kamera seine jeweiligen Gesprächspartner ansteuert. Die Interviews finden teilweise im Studio vor schwarzem Hintergrund statt, ihnen stellt Samir – nicht ohne Humor – Filmszenen, aber auch alte Familienfilme, Nachrichtenbilder und erstaunliche Archivaufnahmen aus der Blütezeit der irakischen Moderne gegenüber, in der religiöse und säkulare Strömungen nebeneinander existierten.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Mit seiner subjektiven Perspektive gelingt es „Iraqi Odyssey“ auf anschauliche Weise, Weltgeschichte durch persönliche Erfahrungen zu filtern. Dem Filmemacher kommt dabei entgegen, dass sich seine Verwandten als unterhaltsame Erzähler/-innen entpuppen. Insbesondere Samirs dreißig Jahre jüngere Halbschwester Souhair, die zum Zeitpunkt der Dreharbeiten in den USA auf eine Aufenthaltserlaubnis wartete, hat für Jugendliche ein hohes Identifikationspotential. Ihre Aussagen werfen ein aufschlussreiches Bild auf den heutigen Irak, wenn sie etwa an eine Zeit erinnert, in der die Volksgruppen der Schiiten und Sunniten noch friedlich zusammenlebten. Ihre Geschichte ist auch vor dem aktuellen Hintergrund der Flüchtlingsbewegungen in Europa interessant. So können die Lehrenden anhand von Souhairs Schicksal im Sozialkundeunterricht die Situation von Geflüchteten zum Thema machen. Zuletzt bietet sich die Darstellung eines gemäßigten Islam auch für eine tiefergehende Auseinandersetzung mit der Religion und ihrem heutigen Bild – etwa hinsichtlich der Rolle der Frau – an.
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Andreas Busche
,
21.12.2015
,
letzte Aktualisierung:
08.03.2016
Regie
Samir
Buch
Samir
Darsteller*innen
Mitwirkende: Samira Jamal Aldin, Sabah Jamal Aldin, Jamal Al Tahir, Tanya Uldin, Souhair Jamal Aldin
Länge
92 Min (Langfassung 163 Min)
Sprachfassung
deutsche Fassung, Originalfassung mit Untertiteln
Format
digital, Farbe, Langfassung in 3D
FSK
ab 12 Jahre
Verleih
NFP marketing & distribution
Festivals
Abu Dhabi Film Festival 2014: Bester Film; Berlinale 2015: 3. Platz Publikumspreis Dokumentarfilm