Filmplakat Karla

Karla

DDR 1966, Rekonstruktion 1990

Die junge Karla Blum tritt ihre erste Stelle als Lehrerin in einer Kleinstadt an. Voller Idealismus ermutigt Karla ihre Abiturient*innen in Deutsch und Geschichte zu selbständigem und kritischem Denken. Damit stößt sie auf Unverständnis und Gegenwehr. Wie Karla im Film mit Sanktionen gedroht wird, geriet auch der Film "Karla" in die Kritik des Staatapparats der DDR.

Genre

Drama

Klassenstufe

ab 10. Klasse

Altersempfehlung

ab 15 Jahre

Unterrichtsfächer

Geschichte, Deutsch, Ethik, Philosopie, Psychologie, fächerübergreifend: Demokratieerziehung

Themen

DDR, Schule, Wahrheitsliebe, Konformität, sozialistisches Menschenbild, Anpassungsdruck, Meinungsfreiheit, Freiheit der Kunst, SED-Regime, DEFA-Film, Verbotsfilm, "Kahlschlag-Plenum", Filmpolitik, Filmzensur, Filmklassiker, (Individuum und) Gesellschaft, Bildung/Bildungssystem, Deutsche Geschichte, Lehrer-Schüler*innen-Verhältnis, Produktionsbedingungen von Film, Werte und Normen

Kinostart

15.06.1990

SchulKinoWochen

Voller Enthusiasmus tritt die junge Karla Blum nach Abschluss der Universität ihre erste Stelle als Lehrerin in einer Kleinstadt im Norden der DDR an. Ihre Mission: das Lernen lehren. Mit ihrem Chef, Direktor Hirte, versteht sie sich anfangs recht gut. Mit ihrem Anspruch, die Schüler*innen dazu zu bringen selbständig und kritisch zu denken, eckt Karla jedoch bald an. Ihre Wahrheitsliebe und ihr Idealismus stoßen auf Unverständnis. Das Schulkollegium bemüht sich, die kompromisslose Karla auf Linie zu bringen – auch einige der Schüler*innen, die längst wissen, was man besser nicht sagt, reagieren irritiert. Selbst Kaspar, mit dem Karla eine lose Beziehung eingeht, gehen Karlas Ansprüche zu weit. Er selbst, eigentlich Journalist, verrichtet lieber im Holzhandel schwere Arbeit, als System-konforme Texte zu verfassen. Nach einem Vorfall, bei dem Direktor Hirte von Karla fälschlich beschuldigt wird, fügt sich die junge Frau vorübergehend dem systemkonformen Schulalltag. Kurz vor den Abitur-Prüfungen bäumt sich ihr aufrichtiges Gemüt jedoch wieder auf. Karla fordert von ihren Schüler*innen, zu ihrer Meinung zu stehen. Die Konsequenz lässt nicht lange auf sich warten.
KARLA wurde 1965 in der DDR als Produktion der staatseigenen DEFA-Filmproduktion gedreht, jedoch während der Zeit des SED-Regimes aufgrund von Zensur nie fertiggestellt. Der Film gehört zu den sogenannten "Verbotsfilmen" der DDR. Erst 1990, nach dem Ende der SED-Diktatur, wurde der Film des Regisseurs Herrmann Zschoche rekonstruiert und zum ersten Mal vor Publikum im Kino gezeigt. KARLA beeindruckt auch heute durch bestechend scharfe Schwarz-Weiß-Filmbilder. Die junge Hauptdarstellerin, Jutta Hoffmann, verkörpert Karla als starke, kämpferische junge Frau, die zu ihren Überzeugungen steht und mit ihrem Beharren auf ehrliche Meinungsäußerung herausfordert und berührt. Die SED forderte von den Filmschaffenden in der DDR, dass sie sich an die Doktrin des Sozialistischen Realismus halten. Die Protagonist*innen dieser Filme waren überwiegend "positive Helden" und sollten als Vorbilder dienen. Die kämperische Karla hätte in einer Zensurfassung diesem Vorbild näher gerückt werden, ihre kompromisslose Ehrlichkeit aufgeben, ihre Fehler einsehen und sich fügen sollen. Die zensierte Fassung wurde jedoch nicht fertig gestellt.
Aus einer Gegenwartsperspektive betrachtet bleibt jungen Zuschauer*innen heute verborgen, warum dieser Film 1966 so brisant war, dass er in der DDR verboten worden ist. Erst durch die historische Kontextualisierung des Films wird deutlich, wie provokant die Figur Karla in der historischen Realität von den Repräsentanten des SED-Systems wahrgenommen wurde. Innerhalb einer kritischen Filmrezeption ermöglicht KARLA die Auseinandersetzung mit der DDR-Vergangenheit sowie ihre Relevanz für die Gegenwart, denn Themen wie Anpassungsdruck und Konformität, bzw. Opportunismus spielen auch in der Lebenswelt junger Menschen heute eine Rolle. Anhand des Films ist eine Beschäftigung mit dem sozialistischen Menschenbild – dem die Figur Karla nicht immer entspricht – möglich, sowie mit den Lebensbedingungen innerhalb eines Regimes, in dem grundlegende Rechte wie Meinungsfreiheit und die Freiheit der Kunst drastisch eingeschränkt sind.
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.

Autor*in: Gabriele Blome , 22.07.2024 , letzte Aktualisierung: 12.08.2025

Regie

Herrmann Zschoche

Buch

Ulrich Plenzdorf, Herrmann Zschoche

Darsteller*innen

Jutta Hoffmann, Jürgen Hentsch, Hans Hardt-Hardtloff, Inge Keller, Gisela Morgen, Herwart Grosse, Rolf Hoppe, Jörg Knochée, Klaus-Peter Pleßow, Jürgen Krumrey u.a.

Länge

134 Min

Sprachfassung

deutsche Originalfassung

Format

digital, Schwarz-Weiß

FSK

ab 6 Jahre

Verleih

Progress

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