Inhalt
Die fast 15-jährige Margaux macht in den Sommerferien ein Praktikum in einem Kinderheim in der Schweizer Gemeinde Aubonne am Genfer See. Untergebracht ist sie in der neuen Wohnung ihres Vaters, der sich aber mehr um seinen Bankjob und seine neue Lebensgefährtin kümmert als um die einsame Tochter. Margaux freundet sich im Heim mit der siebenjährigen Halbwaisen Juliette an, deren Vater sich manchmal ankündigt, aber nicht erscheint. Als die Mädchen im Wald spazieren gehen, läuft Juliette davon und springt in den See. Zum Glück kann der Fischer Joël sie aus dem Wasser ziehen. Ohne sich abzusprechen, verschweigen die drei den Vorfall gegenüber der Heimleitung. Danach begleitet Margaux den etwa doppelt so alten Joel, der nach dem Tod seiner Mutter aus Indonesien heimgekehrt ist, mehrfach auf Bootsfahrten. Indonesien wird für sie zu einem Sehnsuchtsort.
Umsetzung
Ihren ersten langen Spielfilm hat die Regisseurin und Schauspielerin Jenna Hasse, die am Genfer See aufwuchs, nach dem Roman "L'Amour du Monde" (1925) des Schweizer Schriftstellers Charles-Ferdinand Ramuz benannt, den sie ursprünglich verfilmen wollte und der wie der Film am Genfer See spielt. Ein Zitat aus dem Buch leitet den autobiographisch grundierten Film ein: "Wie konnten wir nur so leben und mit so wenig zufrieden sein; wie konnten wir so klein leben, wo doch alles so groß ist und es so viel gibt?" Die Unzufriedenheit mit dem Bestehenden und das Fernweh sind Schlüsselmotive des Coming-of-Age-Filmes über drei junge Seelenverwandte, die nach Geborgenheit und ihrem Platz im Leben suchen. Die entspannte Inszenierung der schmalen Handlung ist geprägt durch idyllische Landschaftsaufnahmen und Dialogarmut – Hasse erzählt gerne visuell und ihre Protagonist*innen drücken ihre Gefühle über die Gesichter aus. Die verträumte Atmosphäre wird hin und wieder unaufdringlich unterstützt von sanfter Gitarrenmusik
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
In der Filmarbeit bietet sich eine Figurenanalyse des ungewöhnlichen Trios an. Trotz der Altersunterschiede begegnen sich Juliette, Margaux und Joël fast auf Augenhöhe. Gemeinsam ist ihnen der Schmerz über die abwesende Mutter. Wie können sie sich gegenseitig emotional stützen, wo stoßen sie an ihre Grenzen? Und lässt sich die Sehnsucht nach der Ferne mit dem Verlangen nach Heimat vereinbaren? Die drei einsamen Protagonist*innnen wirken trotz ihres Befürfnisses nach Gemeinschaft nicht unglücklich, sondern lassen sich in einem sommerlich-poetischen Transitzustand treiben. Mit welchen visuellen und akustischen Gestaltungsmitteln generiert der Film diese changierende Atmosphäre zwischen Melancholie und Muße? Welche Rolle spielen dabei die Schauplätze See, Wald und Hafen? Margaux befindet sich in einer schwierigen Phase des Erwachsenwerdens. Nachdem sie im Kino den Fantasy-Abenteuerfilm DIE HERRIN VON ATLANTIS (1932) von Georg Wilhelm Pabst über eine verführerische Herrscherin gesehen hat, beobachtet sie sich zu Hause vor dem Spiegel in lasziven Posen. Hier können die Schüler*innen diskutieren, inwiefern Filmhelden oder Stars hilfreiche Rollenbilder für die eigene Entwicklung liefern können.
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Reinhard Kleber
,
05.07.2023
,
letzte Aktualisierung:
08.11.2023
Regie
Jenna Hasse
Buch
Jenna Hasse, Julien Bouissoux, Nicole Stankiewicz
Darsteller*innen
Clarisse Moussa, Esin Demircan, Marc Oosterhoff, Adèle Vandroth, Pierre Mifsud, Mélanie Doutey, Filipe Vargas u. a.
Länge
76 Min
Sprachfassung
französische Originalfassung mit Untertiteln
Format
digital, Farbe
FSK
ab 12 Jahre
Verleih
mindjazz pictures
Festivals
Berlinale Generation Kplus 2023: Lobende Erwähnung der Internationalen Jury