Inhalt
„Du musst überleben“, schärft der Vater seinem Sohn ein. Dafür könne er alles vergessen, seinen Namen, seine Familie, aber niemals, dass er ein Jude sei. Srulik ist acht Jahre alt, als er 1942 allein aus dem Warschauer Ghetto flüchtet. Er lebt versteckt in den Wäldern der Umgebung und trotzt selbst dem eisigen Winter, indem er von anderen Flüchtlingskindern das Überleben lernt: Pilze sammeln, benachbarte Bauernhöfe plündern, Wunden säubern. Doch die Kinder werden gleichermaßen von deutschen Soldaten wie von Polen, die auf Belohnung hoffen, gejagt. So bricht Srulik eines Tages erschöpft vor Magdas Tür zusammen. Die Bäuerin päppelt den Jungen auf und bringt ihm bei, sich als Katholik auszugeben. Fortan nennt er sich Jurek und schlägt sich mit Gelegenheitsjobs weiter durch. Nicht nur sein Überlebenswillen, sondern auch Begegnungen mit Menschen wie Magda führen dazu, dass es Srulik tatsächlich gelingt, den Nationalsozialisten bis zum Kriegsende zu entwischen.
Umsetzung
„Lauf, Junge, lauf“ basiert auf der Lebensgeschichte von Yoram Fridman, die durch den gleichnamigen Roman von Uri Orlev bekannt wurde. Die Verfilmung durch den deutschen Regisseur Pepe Danquart bleibt der kindlichen Perspektive der Buchvorlage treu. Alle Geschehnisse werden aus Sruliks Sicht erzählt; der historische Hintergrund wird ebenfalls lediglich aus der Wahrnehmung eines gleichaltrigen Jungen geschildert. Subjektive Rückblenden beleuchten die Vergangenheit. Komplexe Zusammenhänge werden auf diese Weise zwar nur angedeutet, aber der Fokus auf das Einzelschicksal macht ihre Folgen spürbar und regt zu Nachfragen an. Wie in einem klassischen Abenteuerfilm wird Srulik mit einem Hindernis nach dem anderen konfrontiert. Ansonsten folgt der Film der Dramaturgie eines konventionellen Dramas, in dem bisweilen mit etwas zu viel Pathos harte Schicksalsschläge auf kurze Glücksmomente folgen. Bis zum Schluss dominiert dabei das Motiv des einsamen Kindes, das allein eine weite, karge Landschaft durchstreift.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Weil der Film die erschütternden Geschehnisse auf Augenhöhe eines Kindes schildert und sich somit stets auf einer kindlichen Verständnisebene bewegt, eignet sich „Lauf, Junge, lauf“ gut, Schüler/innen an das Thema Holocaust heranzuführen. Da der Film die historische Folie nur streift, sollten Fakten und Fragen zur deutschen Besatzung in Polen und dem Warschauer Ghetto im Unterricht erörtert werden. Neben einer vergleichenden Analyse zwischen Literaturvorlage und Film bietet sich eine Auseinandersetzung mit Mut und Zivilcourage an: Welche Personen tragen zu Sruliks Überleben bei und was motiviert sie, obwohl sie sich durch ihre Hilfe selbst in Gefahr bringen? Auch eine Diskussion über die Art der Inszenierung, zum Beispiel über das Pro und Kontra von stark dramatisierender Filmmusik, kann fruchtbar sein im Hinblick auf die Frage nach der filmischen Darstellbarkeit des Holocaust.
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Marguerite Seidel
,
03.03.2014
,
letzte Aktualisierung:
24.04.2020
Regie
Pepe Danquart
Buch
Heinrich Hadding unter Mitarbeit von Pepe Danquart nach dem Roman "Lauf, Junge, lauf" von Uri Olev
Darsteller*innen
Andrzej und Kamil Tkacz, Elisabeth Duda, Jeanette Hain, Rainer Bock, Itay Tiran
Länge
108 Min
Sprachfassung
deutsche Fassung
Format
digital, Farbe, Cinemascope
FSK
ab 12 Jahre
FBW
Prädikat „besonders wertvoll“
Verleih
NFP marketing & distribution
Festivals
Filmfestival Cottbus 2013: Publikumspreis, Rom International Film Festival 2013