Inhalt
Die 16-jährige Lucija ist neu im Mädchenchor ihrer katholischen Schule. Sie beobachtet mehr, als dass sie sich einbringt, und bewegt sich vorsichtig durch eine Welt aus Regeln, Ritualen und Erwartungen. In diesem geschützten, zugleich stark normierten Raum lernt sie Ana Maria kennen, älter und selbstbewusst. Zwischen den beiden entsteht eine Nähe, die von Bewunderung, Irritation und stiller Orientierung geprägt ist. Als der Chor im Sommer zu einem Probenwochenende in ein Kloster nach Norditalien reist, verschiebt sich das Gleichgewicht. Der abgeschlossene Ort verstärkt Hierarchien, soziale Dynamiken und persönliche Verunsicherungen. Lucija richtet ihre Aufmerksamkeit auf einen Bauarbeiter, zugleich öffnet die Nähe zu Ana Maria einen Raum für neue körperliche Wahrnehmungen. Die Tage im Kloster markieren eine Übergangsphase, in der sich Lucijas Verhältnis zu sich selbst, zu Autoritäten und zu bestehenden Normen neu ordnet.
Umsetzung
Urška Djukić erzählt LITTLE TROUBLE GIRLS konsequent aus Lucijas Perspektive. Die Inszenierung ist zurückhaltend und beobachtend, Dialoge treten zugunsten von Blicken, Pausen und körperlichen Reaktionen in den Hintergrund. Die Kamera bleibt oft nah an Gesichtern und Körpern und lenkt die Aufmerksamkeit auf Wahrnehmung statt auf Handlung. Eine zentrale Rolle spielt der Ton. Atem, Chorgesang und Stille strukturieren den Filmrhythmus und machen körperliche Präsenz ebenso erfahrbar wie Momente von Kontrolle und Anpassung. Gesang fungiert dabei sowohl als Ausdruck von Harmonie als auch als Mittel der Disziplinierung. Innere Prozesse werden über Körperhaltung, Nähe und Zurückweisung sichtbar. Die zurückgenommene Führung der jungen Darsteller*innen lässt Unsicherheit und Ambivalenzen bestehen. So entsteht ein stiller, präzise beobachteter Film, der innere Prozesse ernst nimmt, ohne sie festzulegen.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Der Film ermöglicht eine Auseinandersetzung mit Fragen von Selbstwahrnehmung, Sexualität, Zugehörigkeit und Orientierung innerhalb von Gemeinschaften. Gruppendynamiken, Anpassungsdruck und stille Formen von Ausgrenzung werden beobachtbar, ohne eindeutig bewertet zu werden. Daraus ergeben sich Gespräche über Unsicherheit, Rollenbilder und den Umgang mit Erwartungen. Zugleich macht LITTLE TROUBLE GIRLS Machtverhältnisse sichtbar, etwa durch formelle Autoritäten und informelle Hierarchien. Kontrolle, Grenzsetzungen und Verantwortung lassen sich vor dem Hintergrund der gezeigten Situationen gemeinsam reflektieren. Filmsprachlich lädt der Film zur Analyse seiner zurückhaltenden Erzählweise ein. Wie werden innere Prozesse über Perspektive, Nähe, Ton und Stille vermittelt? Welche Wirkung haben Rhythmus und Chorgesang auf die Wahrnehmung von Ordnung und Gemeinschaft?
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Cila Yakecã
,
06.01.2026
,
letzte Aktualisierung:
07.01.2026
Regie
Urška Djukić
Buch
Urška Djukić
Darsteller*innen
Jara Sofija Ostan, Mina Švajger, Saša Tabaković u. a.
Länge
90 Min
Sprachfassung
deutsche Fassung, slowenische Originalfassung mit Untertiteln
Format
digital, Farbe
FSK
ab 12 Jahre
Verleih
Grandfilm
Festivals
(Auswahl 2025) 75. Berlinale: FIPRESCI-Preis; Tribeca Film Festival: Beste Kamera; CinEast Festival: Kritikerpreis; 6 Auszeichnung beim Festival des slowenischen Films, u. a. Bester Film, Beste Hauptdarstellerin, Beste Kamera