Inhalt
Irgendwo in der französischen Provinz führt der sensible, homosexuelle Marvin ein beschwerliches Leben als Außenseiter. In der Schule wird der als Schwuchtel beschimpfte Junge regelmäßig gemobbt. Und auch im Kreise seiner ungehobelten Familie findet er nur wenig Unterstützung. Ständig muss er sich etwa die homophoben Ausfälle seines grantigen Vaters anhören, der sich über das Anderssein seines Sohnes echauffiert. Erst als Marvin auf Betreiben der Schulleiterin einen Theaterkurs besucht, schafft er es langsam, aus sich herauszukommen. Jahre später studiert er Schauspiel in Paris, wo er in Künstlerkreisen verkehrt und seine sexuelle Orientierung nun freier ausleben kann. Um seine Verwandlung abzuschließen, will er sein hartes, manchmal qualvolles Aufwachsen in Form eines Bühnenstücks verarbeiten.
Umsetzung
Inspiriert wurde „Marvin“ von Édouard Louis‘ autobiografisch gefärbtem Roman „Das Ende von Eddy“, der 2014 den französischen Literaturbetrieb aufmischte. Regisseurin Anne Fontaine entwirft mit ihrem Drehbuchpartner Pierre Trividic ein unter die Haut gehendes, in seiner Milieubeschreibung mitunter ein wenig schablonenhaftes Drama, das vor allem durch seine starken Schauspielleistungen und seine gut gesetzten Zeitsprünge besticht. Immer wieder wechselt der Film zwischen der rauen Kindheit Marvins und seiner Zeit in Paris, wo der früher drangsalierte junge Mann sich neu zu erfinden versucht. Eine spannende zusätzliche Ebene bildet das Theaterstück, dessen Entstehungsprozess der Zuschauer zum Teil aus nächster Nähe mitverfolgen kann.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Anhand des Films kann im Unterricht darüber gesprochen werden, wie schwer es gerade für junge homosexuelle Menschen ist, gegen Widerstände und Anfeindungen ihren Platz im Leben zu finden. Auf welche Weise lässt sich der Ausgrenzung entgegentreten? Und was können wir als Gesellschaft tun, um ein Coming-out nicht mehr zu einem schmerzhaften Prozess zu machen? Interessant ist ferner die Frage, welche Möglichkeiten die Kunst zur Verarbeitung leidvoller Erlebnisse bietet. Kann sie helfen, das Selbstbewusstsein zu stärken und eine neue Identität zu finden? Stößt sie an Grenzen? Und welche Schwierigkeiten tauchen auf, wenn man, wie in diesem Fall, hochgradig persönliche Dinge auf die Bühne und damit ins Rampenlicht holt? Ergiebig kann auch eine Auseinandersetzung mit Édouard Louis‘ Roman sein, der als Inspirationsquelle für Fontaines Selbstermächtigungsgeschichte diente.
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Christopher Diekhaus
,
28.06.2018
,
letzte Aktualisierung:
15.05.2020
Regie
Anne Fontaine
Buch
Anne Fontaine und Pierre Trividic, inspiriert von Édouard Louis‘ autobiografischem Roman „Das Ende von Eddy“
Darsteller*innen
Jules Porier, Finnegan Oldfield, Grégory Gadebois, Vincent Macaigne, Catherine Salée, Catherine Mouchet, Charles Berling, Isabelle Huppert, Sharif Andoura, India Hair u. a.
Länge
115 Min
Sprachfassung
französische Originalfassung mit deutschen Untertiteln
Format
digital, Farbe
FSK
ab 12 Jahre
Verleih
Edition Salzgeber
Festivals
(Auswahl): Internationale Filmfestspiele von Venedig 2017: Gewinner des Queer Lion; London Film Festival 2017; Viennale 2017; Stockholm International Film Festival 2017