Inhalt
Die Freunde Ayiva und Abbas flüchten im Jahr 2009 von Burkina Faso in Richtung Europa. Die aufreibende Reise führt durch Algerien und Libyen, bis die Flüchtlinge schließlich auf einem maroden Kutter landen, der sie über das Mittelmeer nach Süditalien bringen soll. Der Kahn gerät in Seenot, doch Ayiva und Abbas überleben das Unglück und erreichen die italienische Kleinstadt Rosarno, wo sie in einer kläglichen Flüchtlingsbaracke unterkommen. Wenn sie nicht innerhalb von drei Monaten einen Arbeitsvertrag abschließen, droht ihnen die Abschiebung. Für den Anfang arbeiten die beiden Afrikaner zu Hungerlöhnen als Erntehelfer auf einer Orangenplantage. Während Ayiva nach wie vor auf einen echten Neustart und eine offizielle Familienzusammenführung mit seiner zurückgelassenen Frau und seiner 7-jährigen Tochter hofft, verfällt Abbas in eine trotzige Resignation. Schließlich eskalieren der Fremdenhass in Rosarno und die enttäuschten Hoffnungen der Flüchtlinge in gewalttätigen Unruhen.
Umsetzung
„Mediterranea“ beginnt mitten im Geschehen, als Ayiva und Abbas für die erste Etappe ihrer Überfahrt auf einen überfüllten Schlepper-LKW klettern. Die Flucht erzählt Regisseur und Drehbuchautor Jonas Carpignano in dokumentarisch wirkenden Bildern, die ohne Musik und andere Dramatisierungen auskommen. Stattdessen entwirft Carpignano ein nüchternes Protokoll, das den Blick auf Details lenkt. Die Besetzung der Rollen mit Laiendarstellern, die teilweise selbst Fluchterfahrungen gemacht haben, verstärkt die Unmittelbarkeit der Bilder, wobei Carpignano die konkreten Motivationen der Immigranten nicht ausbuchstabiert, sondern lediglich die vage Hoffnung auf ein besseres Leben andeutet. Während manche Einwohner von Rosarno die Neuankömmlinge unterstützen, reagieren andere mit Fremdenhass. Die sozialen Kontakte und Tauschgeschäfte der Flüchtlinge untereinander schildert Carpignano ebenfalls en passant. Die Ausschreitungen in Rosario inszeniert der Regisseur dementsprechend nicht als Höhepunkt, sondern als beiläufig dargestellte Konsequenz der sozialen Verwerfungen.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Die gesellschaftliche Relevanz des Flüchtlingsthemas ist dieser Tage offenkundig. Die deutsche Tagline zu „Mediterranea“ (dt.: „Mittelmeer“) stellt die Frage „Refugees Welcome?“, von der ein Unterrichtsgespräch ausgehen kann. Eine Szene zeigt Ayiva beim Abendessen mit der Familie seines Chefs, während im Hintergrund Fernsehnachrichten zur Situation der Flüchtlinge laufen. Die abstrakten Fakten und Zahlen, die aktuell auch die deutsche Öffentlichkeit bestimmen, veranschaulicht „Mediterranea“ mit unmittelbaren Bildern. Am konkreten Beispiel der Unruhen in Rosarno im Jahr 2010 können die Herausforderungen der Asylpolitik besprochen werden. Welche sozialen und gesellschaftlichen Ursachen benennt der Film für die Eskalation? Inwiefern kann die Darstellung auf die aktuelle Flüchtlingsdebatte in Deutschland übertragen werden? Im Kunst- oder Deutschunterricht kann die schmucklose Inszenierung des Dramas in den Blick rücken, die geistig mit dem italienischen Neorealismus verwandt ist. Mit welchen filmischen Mitteln stellt Jonas Carpignano die dokumentarische Unmittelbarkeit seines Films her?
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Christian Horn
,
28.09.2015
,
letzte Aktualisierung:
29.04.2020
Regie
Jonas Carpignano
Buch
Jonas Carpignano
Darsteller*innen
Alassane Sy, Koudous Seihon, Annalisa Pagano, Aisha, Paolo Sciarretta u.a.
Länge
107 Min
Sprachfassung
französisch, italienisch, englisch, arabisch mit deutschen Untertiteln
Format
digital, Farbe
FSK
ab 12 Jahre
Verleih
DCM Film Distribution
Festivals
Internationale Filmfestspiele Cannes 2015