Inhalt
Jeden Morgen macht sich der adoptierte Bauernsohn Thomas von seinem abgelegenen Elternhaus auf den Weg ins Tal, wo er das Gymnasium besucht. Während der Schulzeit kommt es immer wieder zu verbalen und handgreiflichen Auseinandersetzungen mit seinem Klassenkameraden Damien, dessen Mutter Marianne als Landärztin tätig ist. Eines Tages taucht sie bei Thomas auf, um seine Mutter zu untersuchen, die ein Kind erwartet. Da die Schwangere vorübergehend ins Krankenhaus muss, bietet Marianne dem Mitschüler ihres Sohnes an, für einige Zeit in ihrem Haus zu wohnen, ohne zu ahnen, dass sich die beiden Jungen ständig in den Haaren liegen. Widerwillig lassen sich die Teenager auf den Vorschlag ein und führen ihren Kleinkrieg fürs Erste fort. Nach und nach zeigt sich jedoch, dass Thomas und Damien mehr verbindet als ihre vordergründige Abneigung.
Umsetzung
Die raue Bergwelt der Pyrenäen dient in André Téchinés Coming-of-Age-Drama als perfekte Kulisse für eine Geschichte, in der es zunächst immer wieder zu vermeintlich unmotivierten Gewaltausbrüchen kommt. Mit zunehmender Dauer wird das wilde körperliche Ausagieren allerdings in zärtliche Bahnen gelenkt. Dann nämlich, wenn die aufgewühlten Protagonisten nicht länger gegen ihre sexuellen Sehnsüchte ankämpfen. Als Spiegel ihrer Entwicklung fungieren die Jahreszeiten, die das Geschehen auch zeitlich strukturieren. Der Film, der die Wirrungen der Pubertät beschreibt, besticht durch eine unaufgeregte Erzählweise und verschließt sich melodramatischen Exzessen, obwohl er diverse einschneidende Ereignisse skizziert. Emotionale Wucht garantieren die kraftvollen Darstellerleistungen, wobei man neben den Jungschauspielern auch Sandrine Kiberlain in der Rolle der Landärztin hervorheben muss.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Die innere Zerrissenheit von Heranwachsenden und das Erwachen der Sexualität sind zwei zentrale Themen, die sich am Beispiel von Téchinés neuem Spielfilm vortrefflich erörtern lassen. Besonders ergiebig ist in diesem Zusammenhang das Verhältnis von Gewalt und Leidenschaft, in dem sich das Gefühlschaos der Protagonisten spiegelt. Fragen könnte man auch, welchen Einfluss das ländlich-archaische Umfeld eventuell darauf hat, dass die jungen Männer ihre Gefühle füreinander anfangs verdrängen. Diskussionsstoff bietet „Mit siebzehn“ darüber hinaus in Form der vorgestellten Familienmodelle. Während Thomas, wie in Nebensätzen deutlich wird, als Adoptivsohn glaubt, dass ihn seine Eltern nicht als „richtiges“ Kind ansehen, müssen sich Damien und seine Mutter mit der häufigen Abwesenheit des Vaters bzw. Ehemannes arrangieren, der als Soldat in Krisenregionen stationiert ist.
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Christopher Diekhaus
,
22.02.2017
,
letzte Aktualisierung:
04.06.2019
Regie
André Téchiné
Buch
André Téchiné, Céline Sciamma
Darsteller*innen
Corentin Fila, Kacey Mottet Klein, Sandrine Kiberlain, Alexis Loret, Jean Fornerod, Mama Prassinos, Jean Corso u.a.
Länge
116 Min
Sprachfassung
deutsche Fassung, französiche Originalfassung mit Untertiteln
Format
digital, Farbe
FSK
ab 12 Jahre
Verleih
Kool Filmdistribution
Festivals
(Auswahl) ): Berlinale 2016, Wettbewerb; Französische Filmtage Tübingen-Stuttgart 2016: Preis der Schülerjury; Outfest Los Angeles: Großer Preis der Jury; Hong Kong Lesbian and Gay Film Festival 2016; London Film Festival 2016; Chicago International Film Festival 2016