Inhalt
1959 bei den Filmfestspielen von Cannes: Das heute berühmte Freeze-Frame-Schlussbild von LES QUATRE CENTS COUPS (SIE KÜSSTEN UND SIE SCHLUGEN IHN) markiert den Startschuss für die „Nouvelle Vague“ – jene Bewegung, die zunächst das französische Kino erneuern, später weltweit unzählige weitere neue Wellen inspirieren und so das wahrscheinlich einschlägigste Kapitel der Filmgeschichte werden sollte. Der 28-Jährige Jean-Luc Godard sitzt mit im Publikum, als sein Filmkritiker-Kollege und Freund François Truffaut für sein Regiedebüt gefeiert wird. Godard will nur eins: Selbst seinen ersten Spielfilm drehen. Ihm gelingt es, den Produzenten Georges de Beauregard zur Finanzierung eines Films zu überreden, dessen Drehbuch er mit Truffaut geschrieben hat. Er bekommt nur ein Drittel des durchschnittlichen Budgets eines damaligen Kinofilms. Der Dreh wird gerade mal 20 Tage gehen. Das Ergebnis À BOUT DE SOUFFLE (AUSSER ATEM) wird das berühmteste Werk der Nouvelle Vague werden.
Umsetzung
Im Stil eines Biopics folgt NOUVELLE VAGUE dem jungen Godard über den Entstehungszeitraum von À BOUT DE SOUFFLE. Er nimmt sein Publikum mit in die Pariser Cinephilen-Kreise der Zeit, wo zahlreiche Regiegrößen verkehren, von denen manche, wie Roberto Rossellini oder Jean-Pierre Melville, eine Art Mentorenrolle einnehmen. Die Figur Godard bleibt dabei unnahbar: Getrieben, kompromisslos, streng und eigen. Linklater bedient die selbst gestrickte Legende des Genies hinter der Sonnenbrille. Auf 35mm-Schwarz-Weiß-Film im alten „Academy Ratio“-Seitenverhältnis und mit Handkamera gedreht, orientiert sich NOUVELLE VAGUE ganz an À BOUT DE SOUFFLE, zu dem er eine Art Gegenschuss entwirft: Wir sehen die Kamera, wie sie Jean Seberg und Jean-Paul Belmondo bei ihren Streifzügen durch die Straßen Paris’ einfängt, und Godard, wie er ihr auf Schritt und Tritt folgt und dabei unermüdlich Anweisungen gibt. Als Hommage an einen Film, mit dem ein junger Cineast anhand nur weniger Mittel und bis heute unkonventioneller Gestaltung das Kino revolutionieren wollte, bleibt NOUVELLE VAGUE erstaunlich konventionell.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
In NOUVELLE VAGUE spricht Godard immer wieder in Zitaten, was auch seine Filme und die der Bewegung generell kennzeichnet. Er selbst bezeichnet sich im Film als Dieb. Was ist ein Zitat, was ein Plagiat, was eine Hommage? Ausgehend von diesen Definitionen kann die Lerngruppe die Frage nach Originalität und Neuem in der Kunst diskutieren. Godard drehte À BOUT DE SOUFFLE in der Öffentlichkeit, mit Handkamera, machte stets nur wenige Aufnahmen, verzichtete auf ein festes Drehbuch und Direktton. Welches Ziel verfolgte er mit dieser Methode? Was ist „real“ in einem Spielfilm? Anschließend an diese Fragen können die Schüler*innen nach der „Methode-Godard“ mit ihren Smartphones selbst kleine Szenen (nach)drehen. Schließlich können sie diese für das digitale Zeitalter weiterentwickeln: Welche Mittel stehen uns heute zur Verfügung, unsere Wirklichkeit möglichst glaubwürdig und unmittelbar darzustellen?
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Dominique Ott-Despoix
,
08.02.2026
,
letzte Aktualisierung:
23.02.2026
Regie
Richard Linklater
Buch
Holly Gent, Vincent Palmo Jr., Michèle Halberstadt, Laetitia Masson
Darsteller*innen
Guillaume Marbeck, Zoey Deutch, Aubry Dullin, Bruno Dreyfürst u. a.
Länge
106 Min
Sprachfassung
deutsche Fassung, französische Originalfassung mit deutschen Untertiteln
Format
schwarz-weiß, 35mm, digitalisiert
FSK
ab 12 Jahre
Verleih
Plaion Pictures
Festivals
Internationale Filmfestspiele Cannes 2025