Inhalt
Travis ist zurück. Vier Jahre war er verschollen und plötzlich taucht er aus dem Nichts auf: in der Wüste von West-Texas, in einem verstaubten Anzug und mit roter Baseballmütze. An einer Tankstelle kollabiert er. Sein Bruder Walt wird informiert und reist aus Los Angeles ins Niemandsland, um den Totgeglaubten abzuholen. Travis spricht nicht, isst nicht, schläft nicht. Im Auto geht es über Highways, vorbei an Motels und Eisenbahnstrecken, durch endlose Landschaften und verschlafene Städtchen. Irgendwann sagt der Mittfünfziger seinen ersten Satz. In Los Angeles angekommen, trifft Travis seinen 7-jährigen Sohn Hunter wieder. Seitdem sein Vater, dann auch seine Mutter Jane verschwunden sind, lebt das Kind bei Onkel und Tante. Travis will Jane, die Liebe seines Lebens, wiederfinden. Eine Spur führt nach Houston und so machen sich Vater und Sohn gemeinsam auf den Weg.
Umsetzung
„Paris, Texas“ zeichnet, so Wim Wenders, ein „Bild von Amerika, was nur ein Europäer haben konnte, der Amerika sehr liebte“. Das ist dem Film jede Minute anzusehen. In vielen Totalen fängt die Kamera immer wieder Landschaften und Orte ein, die fast schon ikonografisch für den Mythos USA stehen. Oft wirken sie durch eine künstliche Beleuchtung entrückt, erinnern an Bilder von Edward Hopper, dessen Gemälde wie Momentaufnahmen wirken. Die Landschaften werden im Film zu Seelenbildern. „Paris, Texas“ zitiert zudem zahlreiche Western-Motive (was durch die Gitarrenmusik von Ry Cooder verstärkt wird) und ist als Roadmovie angelegt – beide sind urtypische Genres des US-Kinos, wobei die Vater-Sohn-Geschichte zunehmend Raum einnimmt. Auffällig ist die ausgefeilte Farbdramaturgie. Rot gehört zu Travis. In Houston trägt auch Hunter diese Farbe. Am Ende sind sowohl Hunter und Jane in Grün gekleidet, während sich Travis in einem schwarzen Hemd verabschiedet.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
In Vorbereitung auf den Film können die Schüler*innen je ein Foto vorstellen, das für sie typisch „amerikanisch“ ist. Was ist darauf zu sehen? Wie ist es inszeniert? Warum versinnbildlicht es die USA? Spannend ist, ob sie diese Bilder auch in Paris, Texas wiederfinden. Die Arbeit mit Standbildern aus dem Film bietet sich hier an. Dazu können auch Gemeinsamkeiten mit Bildern von Edward Hopper herausgearbeitet und die Stimmung der Bilder beschrieben werden. Neben einer Auseinandersetzung mit den Merkmalen von Roadmovie und Western und der diesbezüglichen Analyse von „Paris, Texas“ kann die Figur Travis, der am Ende wieder ins Unbekannte aufbricht, untersucht werden, ebenso das im Film vermittelte Familienbild. Interessant ist dabei, welche Bedeutung der titelgebende Ort, der im Film nie aufgesucht wird, für Travis hat. In Bezug auf die Zusammenführung von Mutter und Sohn stellt sich die Frage, ob Hunter bei Walt und Anne nicht besser aufgehoben wäre. Die Aussprache zwischen Jane und Travis, die in Form von zwei Monologen und getrennt durch eine Glasscheibe stattfindet, ist Höhepunkt des Films und sollte inhaltlich wie formal analysiert werden.
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Kirsten Taylor
,
12.08.2020
,
letzte Aktualisierung:
14.08.2020
Regie
Wim Wenders
Buch
L.M. Kit Carson, Sam Shephard
Darsteller*innen
Harry Dean Stanton, Nastassja Kinski, Dean Stockwell, Auroré Clement, Hunter Carson, Bernhard Wicki u. a.
Länge
Kinofassung: 148 Min, DVD: 139 Min
Sprachfassung
englische Originalfassung mit deutschen Untertiteln, deutsche Fassung
Format
35mm, Farbe
FSK
ab 12 Jahre
FBW
Prädikat "besonders wertvoll"
Verleih
StudioCanal
Festivals
(Auswahl) Internationale Filmfestspiele von Cannes 1984: Goldene Palme, FIPRESCI-Preis, Preis der Ökumenischen Jury; Bayerischer Filmpreis 1984: Beste Kamera (Robby Müller); Deutscher Filmpreis 1985: Filmband in Silber; BAFTA Awards 1985: Beste Regie u.a.