Inhalt
Der 85-jährige Joseph Weizenbaum ist ein Computerpionier der ersten Stunde. Er lehrte jahrzehntelang als Professor der Informatik am MIT; seine Forschungen bereiteten den Weg zu der Wissenschaft der Künstlichen Intelligenz. Heute spricht er als einer ihrer schärfsten Kritiker über die Gefahren, die die Entwicklung neuer Technologien birgt: Die größenwahnsinnigen Visionen, der zunehmende Verlust der Ehrfurcht vor dem menschlichen Leben und die Instrumentalisierung durch militärische Mächte. Kontrastiv dazu portraitiert der Film einige der weltweit führenden Forscher auf diesem Gebiet, deren Euphorie ungebremst ist.
Umsetzung
Wissenschaftler, die auf dem Forschungsgebiet der Künstlichen Intelligenz zur Weltelite gehören, werden an ihren Arbeitsplätzen in den jeweiligen Instituten interviewt. So macht der Film eine Reise um die ganze Welt. Als Basisstation fungiert Berlin und die Wohnung von Weizenbaum, der zwar emeritiert, aber hoch engagiert ist. Die Interviewausschnitte mit dem anerkannten
Kulturkritiker, die den anderen Aussagen zwischen geschnitten werden, erfüllen dementsprechend die Funktion einer ethisch-moralischen Orientierung. Der Film erzählt mit Ironie und bleibt trotz der Komplexität der Materie immer verständlich. Die vereinzelte Einblendung von fließendem Text klärt über zum Teil brisante Hintergründe auf.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Zwar bietet der Film spannende Einblicke in die Möglichkeiten modernster Technologien. Dennoch bleibt diese Perspektive nicht unreflektiert. Weizenbaums Argumente lassen die Forscher, deren Umfeld bemerkenswerter Weise eine überwiegend männliche Domäne ist, in einer fast jungenhaften Naivität, aber auch in einer Arroganz erscheinen, etwa wenn davon gesprochen wird, der Technik allein sei die Fähigkeit zueigen, die drängenden Probleme unserer Zeit zu lösen. Die ungefilterte Faszination für Technik ist ein kulturhistorisches Phänomen; der Film macht deutlich, dass auch die aktuellsten Erfindungen und Visionen der Forscher im Grunde auf uralte Menschheitsträume zurückzuführen sind: Die Verschmelzung von Mensch und Maschine, die daraus folgende Überwindung natürlicher Grenzen, die Schaffung eines idealen Wesens, das in einer rein leistungsorientierten Welt bestehen kann, ewige Jugend und Vitalität, die Beherrschung biologischer und evolutionärer Prozesse bis hin zu der Aufhebung der Sterblichkeit. Weizenbaum erinnert dagegen daran, dass menschliche Identität im Kern durch persönliche Geschichte gebildet wird, dass ein freier Wille und Unberechenbarkeit dazugehören. Mit diesen Fragen eignet sich der Film sehr gut für den Philosophie-, Ethik- oder Religionsunterricht. Auch lässt sich die generelle Frage nach der Verantwortung von Wissenschaftlern diskutieren, etwa wenn sie, so kritisiert Weizenbaum, ihre Erfindungen in den Dienst der Waffenentwicklung stellen oder unter dem Einfluss wirtschaftspolitischer Interessen handeln.
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Lisa Gadatsch
,
13.04.2010
,
letzte Aktualisierung:
05.10.2016
Regie
Jens Schanze
Buch
Jens Schanze
Darsteller*innen
Joseph Weizenbaum, Raymond Kurzweil, Minoru Asada, Hiroshi Ishiguro, Neil Gershenfeld
Länge
90 Min
Sprachfassung
Orginal mit deutschen Untertiteln
Format
35mm
FSK
Ohne Altersbeschränkung
FBW
Prädikat „besonders wertvoll“
Verleih
farbfilm
Festivals
25. Int. Dokumentarfilmfestival München, London Int. Documentary Festival 2010, European Spiritual Film Festival Paris 2010, 36. Seattle Int. Film Festival 2010