Inhalt
Straßburg, späte 1930er Jahre: Der Traum des jungen Marcel Marceau, Schauspieler und Maler zu werden, wird von seinem Vater, einem traditionsbewussten jüdischen Metzgermeister, nicht ernstgenommen. Andere erfreuen sich umso mehr an seinen pantomimischen Clownerien, erste kleinere Auftritte bestärken ihn in seinen künstlerischen Ambitionen. Mit Beginn der deutschen Besetzung Frankreichs im Zweiten Weltkrieg gerät der junge Marcel über seinen älteren Bruder Alain und seinen Cousin Georges sowie Emma, in die er träumerisch verliebt ist, in das Umfeld des französischen Widerstands. Die Gruppe setzt sich für 123 aus Deutschland gerettete jüdische Waisenkinder ein, bevor die Aktivist*innen angesichts der vorrückenden Wehrmacht und der Bedrohung durch den berüchtigten Lyoner Gestapo-Chef Klaus Barbie ihren Widerstand intensivieren. Dank zahlreicher Helfershelfer gelingt es Marcel und seinen Mitstreiter*innen, die Kinder an diversen Orten Frankreichs vor den Nationalsozialisten zu verstecken und sie schließlich auf dem lebensgefährlichen Fluchtweg in die Schweiz zu begleiten.
Umsetzung
Der gut ausgestattete, in der Rolle des Marcel Marceau hervorragend und auch sonst hochkarätig besetzte Film konzentriert sich ganz auf die frühe, weitgehend unbekannte Lebensphase des später weltbekannten Pantomimen. Die Herkunftserzählung wird verbunden mit der Schilderung seines Engagements zur Rettung bedrohter Kinder im Umfeld der Resistance. Immer wieder stechen gekonnt eingestreute „Anschauungsbeispiele“ von Marceaus Kunst hervor, seine dem (Über-)Leben unter existenziell schwierigsten Bedingungen zugewandte Hingabe fürs Künstlerische. Dies verleiht dem Mix aus ansonsten weitgehend konventionell inszeniertem Biografiefilm, Kriegs- und Widerstandsdrama mit einigermaßen glatter Historienfilm-Anmutung, fiktional exponierter Romanze und zuweilen pathetisch-aufdringlicher Musikunteruntermalung ein besonderes Gepräge. Am Ende kann man sich der emotional berührenden, Mut machenden Erzählung nur schwer entziehen.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Die Botschaft, Kindern in existenziell bedrohlichen Situationen das Leben zu retten, exemplarisch und eingängig erzählt anhand der Heldenfigur des Pantomimen Marcel Marceau, eröffnet zahlreiche Anknüpfungsmöglichkeiten. So lassen sich mit Hilfe der Filmerzählung zum Beispiel nicht nur hierzulande mehr oder weniger unbekannte Aspekte der Resistance erschließen, sondern auch die Bedeutung, die Pantomime, Theatrales und Clowneskes als Überlebensmittel für einen selbst wie für andere haben können. Filmanalytisch lassen sich neben den oben genannten „Anschauungsbeispielen“ insbesondere auch die Entwicklung der Auseinandersetzung mit dem nur scheinbar kunstfeindlichen Vater des Protagonisten näher untersuchen. Mit Hilfe eines Vergleichs mit mehr oder weniger bekannten Beispielen des Kriegs-, Widerstands- und Biografiefilmgenres können Charakteristika der Inszenierungsweise diskutiert werden.
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Reinhard Middel
,
17.09.2021
,
letzte Aktualisierung:
30.09.2021
Regie
Jonathan Jakubowicz
Buch
Jonathan Jakubowicz
Darsteller*innen
Jesse Eisenberg, Félix Moati, Géza Röhrig, Édgar Ramirez, Clémence Poésy, Matthias Schweighöfer, Karl Markovics, Vica Kerekes, Ed Harris u. a.
Länge
122 Min
Sprachfassung
deutsche Fassung, französische Originalfassung
Format
digital, Farbe
FSK
ab 12 Jahre
FBW
Prädikat "besonders wertvoll"
Verleih
Warner Bros.
Festivals
Internationaler Friedenspreis des Deutschen Films – Die Brücke 2020