Inhalt
1936 in Straubing geboren, avancierte Ludwig Franz Hirtreiter als Rex Gildo zum umschwärmten Schlagerstar der frühen Bundesrepublik. Entdeckt wurde der aus einfachen Verhältnissen stammende Sänger von Fred Miekley, der ihm Manager, Ersatzvater und langjähriger Liebhaber war. Der frühere Offizier formte Gildo zum Entertainer, lehrte ihn Disziplin, singen, spielen, tanzen. Im Lauf seiner Karriere verkaufte Rex Gildo vierzig Millionen Schallplatten, trat in über dreißig Filmen auf und erhielt internationale Anerkennung. Seine Homosexualität verbarg der Star. Stattdessen pflegte er das Image des galanten Frauenhelds und ging eine Zweckehe mit seiner eingeweihten Cousine Marion ein, um Gerüchte über das Doppelleben zu zerstreuen. Ab den 1980er-Jahren verblasste der Ruhm. Das einstige Idol litt unter Depressionen und Suchterkrankungen. 1999 stürzte Rex Gildo aus einem Fenster – vermutlich war es Suizid.
Umsetzung
Rosa von Praunheim porträtiert die Schlagerikone semi-dokumentarisch. Zum einen zeigen theaterhafte Spielszenen mit Kilian Berger und Kai Schumann als Rex Gildo und Ben Becker als Fred Miekley wesentliche biografische Stationen und Probleme des Stars. Quasi als Kommentar dazu berichten Zeitzeug*innen wie Gitte Haenning und Costa Cordalis, hinzu kommt Archivmaterial wie Film-, Fernseh- und Konzertmitschnitte, Fotografien oder Plakate. Praunheim selbst bringt per Off-Kommentar Fakten sowie persönliche Anekdoten ein. Das musikalische Dokudrama ist dynamisch montiert, die Übergänge zwischen den Ebenen sind oft fließend. Inhaltlich steht Rex Gildos posthum enthülltes Doppelleben im Fokus. Mit dem medial konstruierten Image als Charmeur bediente er Normen und Zwänge der Gesellschaft und des Showgeschäfts der 1950er-Jahre und folgender Jahrzehnte.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
„Frei erzählt nach wahren Begebenheiten“ leitet ein Text-Insert ein. Eine Analyse sollte die spezielle filmische Form näher beleuchten. In welcher Beziehung stehen die Spielszenen zu den dokumentarischen Elementen? Wie verbindet die Montage die Ebenen? Interessant ist eine weitere Metaebene, in der drei Verehrerinnen von Rex Gildo die vierte Wand durchbrechen und Praunheims Ansatz kritisieren („Rex war seriös!“). Die Analyse sollte die Handschrift des Auteurs Rosa von Praunheim einbeziehen, der seit dem programmatisch betitelten NICHT DER HOMOSEXUELLE IST PERVERS, SONDERN DIE SITUATION IN DER ER LEBT (1971) als schillernder Verfechter schwuler Emanzipation gilt – und sich mit seinem Voice Over indirekt selbst porträtiert. Gildos versteckte Homosexualität regt ein Gespräch über den Wandel moralischer Normen und den erst 1994 abgeschafften § 175 aus dem StGB an, der homosexuelle Handlungen unter Männern kriminalisierte.
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Christian Horn
,
06.09.2022
,
letzte Aktualisierung:
08.09.2022
Regie
Rosa von Praunheim
Buch
Nico Woche, Rosa von Praunheim
Darsteller*innen
und Mitwirkende: Kilian Berger, Ben Becker, Kai Schumann u. a. sowie als Zeitzeug*innen Cindy Berger, Gitte Haenning, Costa Cordalis u. a.
Länge
92 Min
Sprachfassung
deutsche Originalfassung
Format
digital, Farbe
FSK
ab 12 Jahre
Verleih
missingFILMs
Festivals
Künstler*innen, Individuum (und Gesellschaft), Homosexualität, Musik, Popkultur, Filmsprache, Sucht/Suchtgefahren, Kreativität, Zeitgeschichte, Biografie, Musikproduktion, künstlerisches Ego & künstlerischer Anspruch